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Tag zwei des Staatsbesuchs: Tausende Briten zeigen Trump ihre "große Liebe"

Am zweiten Tag in London traf Donald Trump auf Premierministerin Theresa May. Die Atmosphäre war überraschend warmherzig. Nicht einmal die Lästerei über den Oppositionsführer und die Proteste wenige Hundert Meter entfernt trübten die Stimmung.

Donald Trump Theresa May

Donald Trump und die scheidende Premierministerin Theresa May

AFP

Unter "The Beast", dem gigantischen Dienstwagen des US-Präsidenten, kauert Kater Larry, die "Dienstkatze" aus Downing Street 10, dem Sitz des britischen Regierungschefs. Keinen halben Kilometer davon entfernt schwebt der berühmte, orangefarbene Baby-Trump-Ballon über den Köpfen der Demonstranten. Im Foreign & Commonwealth Office um die Ecke sagt Donald Trump, dass es sich nur einen "sehr kleinen" Protest gegen ihn handele. Stattdessen habe er Menschen gesehen, die die Flaggen der Vereinigten Staaten und Großbritanniens schwenkten. "Es war eine gewaltige Stimmung und Liebe, große Liebe." Der US-Präsident hat insoweit Recht, wenn man die Viertelmillion Demonstranten zugrunde legt, mit denen die Behörden ursprünglich gerechnet hatten.

Corbyn mit eher brüsken Worten abbürstet

Der zweite Tag von Trumps Großbritannien-Visite schloss sich nahtlos an den ersten an. Mit einer Mischung aus Zuckerbrot und Peitsche versuchte Donald Trump die bilateralen Beziehungen zu gestalten. Eine Anfrage zu einem Treffen mit dem britischen Oppositionsführer Jeremy Corbyn lehnte er mit den eher brüsken Worten ab, dieser sei eine "negative Kraft". Der Labour-Chef hatte aus Protest gegen Trumps "rassistische und frauenfeindliche Rhetorik" zuvor das Staatsbankett mit Trump und Königin Elizabeth II. im Buckingham-Palast boykottiert. 

Voll des Lobes war der US-Präsident dagegen über den Brexit-Kurs von Theresa May: Sie habe die Verhandlungen zu einem "sehr guten Punkt" gebracht, sagte Trump bei der gemeinsamen Pressekonferenz im Foreign & Commonwealth Office. "Sie ist wahrscheinlich eine bessere Verhandlungsführerin als ich." Trump fügte an Mays Adresse hinzu: "Vielleicht werden Sie nicht die Anerkennung bekommen, die Sie verdienen. Aber ich denke, Sie verdienen viel Anerkennung." 

Donald Trump: "Brexit wäre gut für das Land"

Er selbst sprach sich erneut für einen Austritt Großbritanniens aus der EU aus. "Ich denke, es wäre sehr gut für das Land." Und: "Das ist ein großartiges, großartiges Land und es will seine eigene Identität und es will seine eigenen Grenzen." Zu den britisch-amerikanischen Beziehungen sagte er noch: "Es ist das bedeutendste Bündnis, das die Welt je gesehen hat." 

Larry the Cat unter Donald Trump-Beast

Larry, der Kater aus Downing Street, unter Donald Trumps Dienstwagen

AFP

Obwohl keines der Handelsabkommen in Kraft ist, die Trump bislang angekündigt hat (mit China und Mexiko/Kanada), hält er ein großangelegtes Freihandelsabkommen zwischen den USA und Großbritannien in naher Zukunft für möglich. "Die USA fühlen sich verpflichtet zu einem phänomenalen Freihandelsabkommen", sagte er. Der gemeinsame Handel könne um das zwei- oder dreifache ausgeweitet werden. "Es gibt ein riesiges Potenzial", sagte Trump. "Alles wird auf den Tisch kommen." Trump schloss ausdrücklich das Nationale Gesundheitssystem der Briten, den National Health Service (NHS), mit ein. Eine Privatisierung des Gesundheitswesens gilt in Großbritannien als höchst umstritten. Offizielle Verhandlungen können allerdings erst beginnen, wenn Großbritannien die EU verlässt.

Süße Töne gab es auch von der scheidenden Premierministerin Theresa May. Sie hat die "kostbare und tiefgreifende Freundschaft" zwischen Großbritannien und den Vereinigten Staaten gelobt. Die beiden Länder teilten demokratische Werte und Interessen, sagte sie, hob aber auch Differenzen zu Trump hervor. So stehe Großbritannien zum Atom-Deal mit dem Iran und zum Pariser Klimaabkommen. Beide Verträge hatte der US-Präsident einseitig aufgekündigt.

nik / DPA / AFP