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Nach Oscar-Rede: Donald Trump lästert über Spike Lee - und stellt sich damit selbst bloß

Als die "Wahl zwischen Liebe und Hass" stellte Regisseur Spike Lee während der Oscar-Gala die nächsten Präsidentschaftswahlen in den USA hin. Donald Trump reagierte - und wusste sich offenbar gleich einzuordnen.

Spike Lee zieht sich den Ärger von Donald Trump zu

Spike Lee musste Donald Trump nicht einmal erwähnen, der US-Präsident fühlte sich dennoch angesprochen. In seiner Dankesrede für seinen ersten Oscar, den er für das Drehbuch von "BlacKkKlansman" bekommen hatte, erinnerte der Regisseur und Drehbuchautor an "unsere Vorfahren, die dieses Land aufgebaut haben", erwies ihnen ausdrücklich die Ehre und prangerte dann die Versklavung von Afrikanern und den "Völkermord an unseren Ureinwohnern" an.

Schließlich schwang er sich auf und rief den Stars im Saal sowie den Millionen von TV-Zuschauern zu: "Die Präsidentschaftswahlen von 2020 stehen vor der Tür. (...) Lasst uns alle auf der richtigen Seite der Geschichte stehen", forderte er. Und weiter: "Wählt zwischen Liebe und Hass. Lasst uns das Richtige tun!" Tosender Applaus der versammelten Hollywood-Prominenz schlug ihm entgegen.

Donald Trump: Mehrfach rassistisch geäußert

Nicht so aus dem Weißen Haus. Auf wen die Worte des fast 62-jährigen Filmemachers zielten, war offensichtlich. Und so war es auch keine Überraschung, dass Trump - selbstverständlich via Twitter - auf Lees Rede reagierte. Einen "racist hit", einen rassistischen Angriff, auf "Ihren Präsidenten" nannte Trump die Äußerungen der einstigen Gallionsfigur des New Black Cinema, dessen zentrales Thema der alltägliche Rassismus gegen die Schwarzen in den USA ist. Außerdem machte sich der Präsident über die eher ungelenke Art lustig, wie Spike Lee seine Rede, sich mehrfach verhaspelnd, vom Blatt abgelesen hatte. Es wäre schön, lästerte Trump, wenn Spike Lee wenigstens seine Notizen lesen könnte, wenn er den Präsidenten angreife. Noch besser wäre es, er würde gar keine Notizen brauchen.

Ganz selbstverständlich machte sich Trump allerdings die von Lee gemachte Aufteilung zu eigen - und stellte sich damit ungewollt selbst bloß. Bezeichnenderweise kam es dem Präsidenten selbst nicht einmal in den Sinn, sich selbst auf der Seite der Liebe einzuordnen. Stattdessen war es ihm offensichtlich eher ein Bedürfnis, den Regisseur herabzuwürdigen und sich selbst als den größten Freund der Afroamerikaner hinzustellen - mit den üblichen Argumenten: "Justiz-Reform, geringste Arbeitslosigkeit der Geschichte, Steuersenkungen etc.." Er habe mehr für Afroamerikaner getan als nahezu jeder andere Präsident, lobte sich Trump selbst.

Spike Lee zieht sich den Ärger von Donald Trump zu

"Vergewaltiger" aus "Drecksloch-Ländern"

Während seiner Amtszeit sah sich Donald Trump schon mehrfach Rassismus-Vorwürfen ausgesetzt. Vor allem seine Weigerung, die neonazistischen Ausschreitungen in Charlottesville, Virginia, zu verurteilen, in deren Verlauf eine Frau von einem bekennenden Faschisten überfahren und tödlich verletzt wurde, machte Schlagzeilen. Zudem bezeichnete er unter anderem Mexikaner pauschal als Vergewaltiger und Kriminelle, unterstellte Haitianern, sie hätten "alle Aids" und bezeichnete neben Haiti auch El Salvador und afrikanische Staaten als "Drecksloch-Länder" ("shithole countries").

Spike Lee zieht sich den Ärger von Donald Trump zu

Schon mit seinen oppulenten Ringen machte Regisseur Spike Like während der Oscar-Gala deutlich, um was es seiner Meinung bei der nächsten Präsidentschaftswahl gehen wird: Um die Wahl zwischen "HATE" (l.) und "LOVE".

DPA
dho