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Sechs Monate US-Präsident Trump: Eine Affäre, vier Widersacher und sechs heimliche Erfolge

Es ist viel passiert in Donald Trumps Premieren-Halbjahr als US-Präsident. Vieles ist schief gelaufen, aber auch längst nicht alles. Seine ersten sechs Monate in einer Bilanz in sechs Stichpunkten.

Donald Trump sechs Monate

Donald Trump am Tag vor seinem halbjährigen "Jubiläum". Dem US-Präsidenten dürfte nicht immer zum Lachen zu Mute gewesen sein.

Sechs Monate oder 26 Wochen oder 181 Tage - für politische Verhältnisse ist das eigentlich kein großer Zeitraum. Für normale politische Verhältnisse. Aber was ist schon normal, seitdem Donald J. Trump Präsident der Vereinigten Staaten ist? Wohl noch nie hat ein Staatsoberhaupt in derartig kurzer Zeit derartig für Verwirrung gesorgt. Sei es durch zahllose Twitter-Scharmützel, sei es durch giftige Attacken gegenüber Medien, sei es durch irritierende Interviews. Seine Gegner nennen ihn Nichtsnutz oder Idiot, seine Anhänger stehen Trump weiter treu zur Seite, feiern sein unorthodoxes Auftreten. Das erste halbe Jahr im Amt sollte, aber muss nicht zwingend, den Kurs der gesamten Präsidentschaft bestimmen - doch einige Zahlen und Fakten sprechen für sich.

Sechs Monate Donald Trump in sechs Stichpunkten

  • Eine große "Affäre":

Hat Russland versucht, die US-Wahlen zu manipulieren? Hat das Wahlkampfteam von Donald Trump womöglich mit Russland zusammengearbeitet? Noch nie in den vergangenen Jahrzehnten musste sich eine neue US-Regierung mit derart schwerwiegenden Vorwürfen herumschlagen wie die von Donald Trump. Die "Russland-Connection" lastet schwer auf dem Land und dem Weißen Haus. Konkrete Beweise für ein (schweres) Fehlverhalten gibt es bislang keine. Trotz monatelanger Ermittlungen des FBI. Doch abschütteln kann Trump die mögliche Affäre dennoch nicht.

  • Zwei personelle Abgänge:

Nach nicht einmal vier Wochen im Amt, musste Trumps Nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn gehen. Zum Verhängnis wurden ihm verschwiegene Kontakte mit Vertretern Russlands. Zweiter prominenter Abgang in den ersten Monaten: FBI-Chef James Comey. Er wurde vom Präsidenten gefeuert. Mehr oder weniger offiziell wegen der Ermittlungen zur "Russland-Connection".

  • Drei gescheiterte Wahlversprechen

Abschaffung und Ersatz der ungeliebten Gesundheitsreform von Barack Obama, Einreisestopp für Bürger aus muslimischen Staaten, Bau einer Mauer zu Mexiko, Diese Ankündigungen gehörten zu den Hauptwahlkampfversprechen. Umgesetzt wurde davon noch nichts. Zumindest nicht so, wie Donald Trump das angekündigt und er es sich vorgestellt hatte. Die Reform der Gesundheitsreform ist vorerst am Widerstand in der eigenen Partei gescheitert. Der Einreisestopp wurde von Gerichten erst untersagt, dann erlaubt, aber aufgeweicht. Und aus dem Mauerbau wird wohl eher ein Zaunbau, dessen Beginn aber noch längst nicht absehbar ist.

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  • Vier entscheidende Widersacher

Mike Lee, Jerry Moran, Rand Paul und Susan Collins. Diese vier Senatoren haben ihren Präsidenten den ersten, großen Erfolg versaut: die Reform des Gesundheitswesens. Sie haben dem Gesetz im US-Senat ihre Zustimmung verweigert und damit nicht nur offenbart, wie vorschnell die komplizierten Regelungen zusammengeschustert wurden, sondern auch, wie uneins die Partei der Republikaner sich selbst in wichtigen Fragen ist. Für anstehende, noch schwierigere Verhandlungen wie etwa über eine große Steuerreform sind das keine guten Aussichten.


  • Fünf schwierige Auslandsreisen

Ungewöhnlich lange hat sich Donald Trump geziert, Verbündete und Freunde im Ausland zu besuchen. Erst nach vier Monaten setzte er sich in die Air Force One, um Gespräche abseits von Washington zu führen. Zunächst ging es nach Saudi-Arabien, von dort aus zum Nato-Gipfel nach Brüssel und weiter zum G7-Treffen nach Italien (inklusive einem Abstecher zum Papst in Rom). Die Übersee-Trips galten nicht unbedingt als Erfolge, als zu breitbeinig wurde der US-Präsident empfunden. Wenige Wochen später reiste er über Polen nach Hamburg zum G20-Gipfel, dessen Ergebnisse eher dürftig ausfielen. Nur wenige Tage später besuchte der US-Präsident seinen Kollegen Emmanuel Macron in Paris. Dort fiel er vor allem mit einem befremdlichen Spruch über das Äußere von Macrons Frau Brigitte auf. Zum Vergleich: Barack Obama hatte allein in den ersten 100 Tagen seiner Amtszeit schon acht Auslandsreisen hinter sich.

  • Sechs heimliche Erfolge

Die großen Versprechen konnte Donald Trump noch nicht einlösen. Und doch ist seine Regierung nicht so untätig, wie es den Anschein hat. Mit einem lauten Paukenschlag hat sich Trump aus dem Pariser Klimaabkommen verabschiedet. Doch Abseits der Schlagzeilen werden nach und nach Verbraucher- und Umweltschutzauflagen abgeschafft, Regelungen zur Luftverschmutzung aufgeweicht, Abschiebungen forciert und Strafen für Drogenhändler verschärft. Zugleich erhält das Militär mehr Befugnisse, etwa im Irak oder in Somalia, wo Kommandeure nicht mehr die gesamte Befehlskette abwarten müssen, sondern selbst über Luftangriffe entscheiden können. Mit Folgen: Die Zahl ziviler Opfer durch US-Luftschläge war noch nie so hoch wie unter der nun nicht mehr ganz so neuen Regierung in Washington.