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Drittgrößte Demokratie: Indonesien wählt Präsidenten - Amtsinhaber Joko Favorit

Indonesien ist nicht nur bevölkerungsreichster muslimischer Staat, sondern auch drittgrößte Demokratie der Welt. Bei der Präsidentenwahl gilt Amtsinhaber Joko Widodo als klarer Favorit. Gegenkandidat Prabowo Subianto gibt sich trotzdem optimistisch.

Joko Widodo

Joko Widodo, Präsident von Indonesien, und seine Frau Iriana geben in einem Wahllokal in Jakarta ihre Stimme ab. Foto: Dita Alangkara/AP

In Indonesien hat am Mittwoch die Präsidentenwahl begonnen. In der drittgrößten Demokratie der Welt bemüht sich Staatschef Joko Widodo um eine weitere fünfjährige Amtszeit. Sein Gegenkandidat ist der ehemalige General Prabowo Subianto.

Beide standen sich bereits bei der Wahl 2014 gegenüber. Den Umfragen zufolge gilt der Amtsinhaber als klarer Favorit. Erste Ergebnisse werden noch im Lauf des Mittwochs erwartet. Das amtliche Endergebnis soll jedoch erst im Mai vorliegen.

In dem südostasiatischen Staat mit seinen mehr als 17 000 Inseln sind insgesamt 193 Millionen Menschen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Indonesien ist auch das bevölkerungsreichste muslimische Land der Welt. Zudem gehört es zum Kreis der großen Industrie- und Schwellenländer (G20). Parallel zur Entscheidung über das Staatsoberhaupt werden auch das Parlament sowie Provinz- und Kommunalvertretungen neu gewählt.

Der amtierende Präsident - in Indonesien zumeist «Jokowi» genannt - lag in den letzten Umfragen klar vorn. Mit 57 Jahren ist der frühere Gouverneur von Jakarta zehn Jahre jünger als Herausforderer Prabowo, ein ehemaliger Schwiegersohn des langjährigen Diktators Suharto. Allerdings sind die Fronten nicht mehr so klar wie 2014: Damals wurde Joko als Hoffnungsträger und als «indonesischer Obama» gefeiert.

Fünf Jahre später hat Joko manche enttäuscht. Im Wahlkampf versuchte er, mit Infrastrukturprojekten zu punkten - etwa dem Bau von Straßen und Flughäfen sowie einer U-Bahn für Jakarta. Prabowo gab sich als Mann des Volkes, gegen die «Jakarta-Elite». Tatsächlich ist der Wohlstand in dem Riesenland mit mehr als 260 Millionen Einwohnern extrem ungleich verteilt. Am Mittwoch gab sich Prabowo optimistisch: «Wir hoffen und beten dafür, dass die heutige Wahl fair und friedlich verlaufen wird.»

Im Vergleich zu 2014 spielte die Religion dieses Mal eine größere Rolle. Indonesien, wo fast 90 Prozent der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind, stand lange für eine tolerante Form des Islams. Inzwischen haben konservative Kräfte stark an Einfluss gewonnen. Joko wird vorgeworfen, nicht islamisch genug zu sein. Dieses Mal trat er mit dem konservativen Geistlichen Ma'ruf Amin als Vize an.

Von anderer Seite wird dem Präsidenten zur Last gelegt, in Sachen Menschenrechte zu wenig getan zu haben. Dazu gehören Hinrichtungen trotz internationaler Proteste, aber auch die Stimmungsmache gegen Homosexuelle, die wieder zunimmt. Auch Korruption ist in Indonesien immer noch weit verbreitet, obwohl Joko den Kampf dagegen zu einem seiner wichtigsten Ziele erklärt hatte.

dpa