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Exhumierung: Spaniens Diktator Franco wird aus dem Grab geholt

Strengste Sicherheitsvorkehrungen in Spanien: Die Umbettung des Diktators Franco von seinem Mausoleum auf einen normalen Friedhof wird komplett abgeschirmt. Militärische Ehren wird es nicht geben - vermutlich aber Proteste seiner Anhänger.

Spaniens Ex-Diktator Franco wird umgebettet

Ein Leichenwagen fährt zum «Tal der Gefallenen» bei einer Probe vor der Umbettung des Ex-Diktators Franco. Foto: Ricardo Rubio/Europa Press/dpa

Der spanische Diktator Francisco Franco (1892-1975) wird fast 45 Jahre nach seinem Tod und trotz der Proteste seiner Anhänger aus dem Grab geholt.

Die sterblichen Überreste des Gewaltherrschers soll am Vormittag im Mausoleum Francos im «Valle de los Caídos» (Tal der Gefallenen) nordwestlich von Madrid exhumiert und wahrscheinlich mit einem Hubschrauber der Streitkräfte zum Friedhof El Pardo-Mingorrubio am Nordrand der Stadt geflogen werden. Bei schlechtem Wetter soll die Umbettung Regierungsangaben zufolge mit einem Auto geschehen.

Mehr als 20 Mitglieder der Familie Franco, die sich lange gegen die Exhumierung gewehrt hatte, werden im Tal der Gefallenen anwesend sein. Angehörige sollen auch den Sarg aus der Grabstätte tragen. Militärische Ehren wird es nicht geben, auch wird der Sarg nicht mit einer spanischen Flagge bedeckt sein. Die Öffentlichkeit ist von der streng abgeschirmten Umbettung ausgeschlossen. Die Regierung will um jeden Preis vermeiden, dass die umstrittene Exhumierung zu einem Medienspektakel wird. Es werden aber Proteste von Franco-Unterstützern erwartet.

Das Grab befindet sich bisher in einer riesigen Basilika, die von Zwangsarbeitern noch zu Lebzeiten Francos in den Fels getrieben wurde und eine Pilgerstätte für Anhänger des faschistischen Diktators ist. Der sozialistische Ministerpräsident Pedro Sánchez hatte kurz nach seiner Amtsübernahme im Juni 2018 trotz vieler Proteste auch aus den Reihen der konservativen Parteien angekündigt, die Gebeine an einen anderen Ort bringen lassen zu wollen.

Nach monatelangen Debatten hatte das Oberste Gericht in Madrid im September grünes Licht für die umstrittene Umbettung gegeben. Seit dem Wochenende wurde schweres Gerät zu der Grabstätte gebracht, mit dem das von einer tonnenschweren Steinplatte bedeckte Grab geöffnet werden soll. Die Familie will anschließend auf dem Friedhof El Pardo-Mingorrubio, auf dem auch Francos Witwe Carmen Polo begraben liegt, eine Messe abhalten. Die Regierung bezifferte die Kosten für die Umbettung auf rund 63.000 Euro.

General Franco hatte 1936 gegen die Regierung der spanischen Republik geputscht. Es folgte ein fast dreijähriger Bürgerkrieg, den Franco 1939 gewann. Er regierte Spanien bis an sein Lebensende im November 1975. Nach seinem Tod leitete König Juan Carlos den Übergang zur Demokratie mit ersten freien Wahlen 1977 ein.

dpa