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"Entsetzliche" Zustände: "Ausgemergelt, weggeschlossen, der Würde beraubt" - UN prangern EU-Flüchtlingspolitik an

Mitarbeiter der UN berichten von entsetzlichen Zuständen in libyschen Haftzentren für Flüchtlinge: Es gebe dort Schläge, Krankheiten und immer mehr Opfer - auch durch Hilfe der EU.

Eines der Haftzentren für Flüchtlinge in Libyen (Archivbild aus dem August 2016)

Ein Haftzentrum für Flüchtlinge in Libyen (Archivbild aus dem August 2016)

Die Vereinten Nationen haben die -Politik der Hilfen für die libysche Küstenwache zum Abfangen von Flüchtlingen und Migranten im Mittelmeer scharf kritisiert. Dadurch sei die Zahl der Menschen deutlich gestiegen, die unter entsetzlichen Bedingungen in Haftzentren eingepfercht seien, sagte der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Said Raad al-Hussein

Italien und die EU unterstützen die libysche Küstenwache seit dem Sommer, die Flüchtlingsboote vermehrt an der Weiterfahrt nach Europa hindert und die Menschen in in Lager sperrt. Die EU-Politik sei "unmenschlich", so Al-Hussein. Nach libyschen Angaben befinden sich in den Lagern fast 20.000 Menschen. Im September waren es erst 7000.

Nach Besuch der Lager für Flüchtlinge "schockiert"

Seine Mitarbeiter seien nach Besuchen in den Haftzentren schockiert gewesen, so Al-Hussein. "Sie sahen tausende ausgemergelte und traumatisierte Männer, Frauen und Kinder, übereinandergestapelt, weggeschlossen in Hallen ohne Versorgung mit dem Nötigsten und ihrer menschlichen Würde beraubt." Viele seien in den Fängen von Schleppern gewesen, gefoltert, vergewaltigt, entführt und ausgehungert worden und werden nach eigenen Angaben von den Wachen geschlagen. Ein Mann berichtete, es gebe keine Duschen, viele Menschen seien krank, viele lägen schon bewusstlos am Boden.


"Das Haftsystem für in Libyen ist irreparabel zerstört", sagte Al-Hussein. Trotz zugesagter EU-Hilfen verschlimmere sich die Situation und sei inzwischen "katastrophal". "Die internationale Gemeinschaft kann angesichts der unvorstellbaren Horrorzustände dort nicht einfach wegschauen und so tun, als könne Abhilfe geschaffen werden, in dem man die Lage in den Haftzentren verbessert."

Keine konkreten Beschlüsse für Verbesserungen

Minister aus 13 europäischen und afrikanischen Ländern hatten am Montag in der Schweiz versprochen, sich für eine Verbesserung einzusetzen. Konkrete Beschlüsse fassten sie aber nicht. 

Libyen ist eines der Haupttransitländer für Flüchtlinge aus Afrika auf ihrem Weg nach . Das Land wird in weiten Teilen von bewaffneten Milizen kontrolliert. Die EU unterstützt die libysche Küstenwache dabei, Flüchtlinge abzufangen, ehe sie internationale Gewässer erreichen.


wue/DPA/AFP

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