VG-Wort Pixel

Verbreitung von Falschinformationen Fox News muss Faktencheck über Aussagen seiner Moderatoren senden

Donald Trump beim Interview mit den Fox-News-Moderatoren Martha MacCallum (l.) und Bret Baier (r.)
US-Präsident Donald Trump beim Interview mit den Fox-News-Moderatoren Martha MacCallum (l.) und Bret Baier (r.) im vergangenen Mai
© Jim Watson/AFP
Einige Moderatoren des US-Senders Fox News haben die Verschwörungstheorien von Donald Trump über mögliche Wahlmanipulationen übernommen und dabei auch vermeintliche Mittäter beschuldigt. Jetzt hat eine Firma gegen die Unterstellung geklagt – mit skurrilen Folgen.

Mancher Beobachter hatte sich während des tagelangen Thrillers, der Anfang November als US-Wahl daherkam und sowohl die Vereinigten Staaten als auch den Rest der Welt in Atem hielt, bereits gewundert: Denn ausgerechnet bei Fox News, als sogenannter "Haussender" von Präsident Donald Trump berüchtigt, wurde sehr gesittet über die Auszählung berichtet. So gesittet gar, dass man einen umkämpften Bundesstaat wie Arizona als erstes Medium noch vor der liberalen Konkurrenz dem demokratischen Kandidaten Joe Biden zusprach.

Aber dieser überraschende Eindruck von plötzlicher Neutralität war nur die halbe Wahrheit. Tagsüber machte der Sender zwar ungewohnt auf seriös, abends teilten die populären Hardliner unter der Moderatoren dafür in der angespannten Lage umso heftiger aus. Trump-Verbündete wie Lou Dobbs, Jeanine Pirro und Maria Bartiromo verbreiteten die Verschwörungstheorien des Präsidenten über mögliche Manipulationen bei der Abstimmung mit dem gewohnten Furor.

Oliver Kalkofe imitiert Donald Trump

Fox News und der gestellte Interviewbeitrag

Dabei wurde unter anderem auch der Wahlsoftware-Firma Smartmatic vorgeworfen, mit dem Milliardär George Soros gemeinsame Sache zu machen, um Trump zu schaden. Doch bei Smartmatic wehrt man sich gegen diese Unterstellung: Fox News habe keine Belege für die Anschuldigungen, weshalb man dem Sender nun in einer Klage eine gezielte Desinformationskampagne vorwarf.

Und diese Klage hat äußerst unangenehme Folgen für Fox News, denn sie ist der Grund dafür, dass seit Freitag eine Art Faktencheck ins Programm genommen wurde – beziehungsweise genommen werden musste: Es gebe keinerlei Zusammenhang zwischen Smartmatic und Soros, heißt es dort in einem sehr gestellt wirkenden Interview mit Eddie Perez, einem Experten für Wahltechnologie.

Der dreiminütige Clip mit dem Titel "Ein genauer Blick auf die Behauptungen über Smartmatic", der erstmals in Dobbs' Show gesendet wurde, ist wie ein Newsbeitrag ins Programm eingebettet, was ihn nur umso bizarrer wirken lässt. Perez wird dabei zum Beispiel gefragt, ob er irgendwelche Belege dafür gesehen habe, dass Smartmatic genutzt wurde, Stimmen bei dieser Wahl zu verfälschen. Hat er nicht, sagt Perez.

"Spezielle Form, Fakten zu präsentieren"

Eine anonyme Quelle des Senders beschreibt das Interview mit dem Sender gegenüber dem "Guardian" als "Faktencheck", der im selben Format wie ein üblicher Beitrag über Smartmatic gesendet worden sei.

Perez nannte "diese spezielle Form, Fakten zu präsentieren" in einem Interview mit CNN "irgendwie seltsam und einzigartig". In den Vorgesprächen mit dem Sender habe es keinerlei Hinweise darauf gegeben, dass der Beitrag überhaupt von Smartmatic handeln würde: "Ich hatte eine allgemeinere Diskussion über die Debatte rund um die Wahl (...) erwartet." Er sei nicht gewohnt, so Perez, dass in der Sendung von Lou Dobbs "trockene, faktenbasierte Beweise" gesendet würden.

Ein Sprecher von Fox News wollte sich auf Nachfrage von CNN offenbar nicht zu der Angelegenheit äußern. Stattdessen habe er auf das Video mit Perez verwiesen.

Quellen: CNN; "The Guardian"; "Los Angeles Times"

tim

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker