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GEOGRAFIE: Die ehemaligen Sowjetrepubliken

Nach dem gescheiterten Putsch gegen den letzten sowjetischen Präsidenten war das Schicksal der UdSSR besiegelt. Alle Sowjetrepubliken erklärten sich für unabhängig, Russland trat die Rechtsnachfolge der Sowjetunion an. Hier ein Überblick der 14 früheren Sowjetrepubliken außer Russlands.

KAUKASUSArmenien

: Krieg, wirtschaftlicher Niedergang und Auswanderung haben Armenien in den vergangenen zehn Jahren schwer getroffen. Führte mit Aserbaidschan sechs Jahre Krieg um die überwiegend von Armeniern bewohnte Exklave Berg-Karabach. Seit 1994 gilt ein Waffenstillstand, eine politische Lösung des Konflikts steht bis heute aus. 3,4 Millionen Einwohner.

Aserbaidschan

: Hat strategisches Potenzial als Transitland für Ölexporte. Verfügt selbst über Öl- und Gasreserven. Präsident Gaidar Aliejew wird von Menschenrechtsgruppen beschuldigt, Wahlen manipuliert und die Redefreiheit eingeschränkt zu haben. Soziale Lage durch eine Million Vertriebene des Kriegs um Berg-Karabach erheblich angespannt. 7,9 Millionen Einwohner.

Georgien

: Präsident Eduard Schewardnadse, ehemaliger sowjetischer Außenminister, hat versucht, das Land aus Russlands Schatten zu lösen und engere Beziehungen mit dem Westen zu schließen. Hat die Lage nach dem Krieg mit Separatisten in der Schwarzmeerprovinz Abchasien stabilisiert, die Wirtschaft leidet allerdings noch unter weit verbreiteter Korruption. Fünf Millionen Einwohner.

BALTISCHE REPUBLIKENEstland

: Hatte bereits unter sowjetischer Herrschaft seine nationale Identität behauptet. Nach der Unabhängigkeit brachten marktwirtschaftliche Reformen einen Aufschwung, und der estnische Weg gilt als die Erfolgsstory in der ehemaligen Sowjetunion. Wie Lettland und Litauen strebt Estland die Mitgliedschaft in EU und NATO an. 1,4 Millionen Einwohner.

Lettland

: Relativ stabil, gleichwohl erschüttert von Rezession und Korruptionsskandalen. Eine große russische Minderheit klagt über Diskriminierung wegen strenger Gesetze zum Schutz der lettischen Sprache. Deshalb auch angespanntes Verhältnis mit Moskau. 2,4 Millionen Einwohner.

Litauen

: Als überwiegend katholisches Land an der Grenze zu Polen eine der ersten früheren Sowjetrepubliken mit einer starken Unabhängigkeitsbewegung. Blieb nach der Unabhängigkeit wirtschaftlich hinter den anderen baltischen Staaten zurück. Weniger ethnische Spannungen, da kleineren russischen Bevölkerungsanteil als in Estland und Lettland. 3,6 Millionen Einwohner.

MITTELASIENKasachstan

: Präsident Nursultan Nasarbajew seit der Unabhängigkeit unangefochten an der Macht. Menschenrechtsgruppen werfen ihm die Einschüchterung der Opposition und unabhängiger Medien vor. Große ethnische Minderheit lebt an der Grenze zu Russland. Trotz riesiger Ölreserven entwickelt sich der Ölsektor langsamer als erwartet. 16,8 Millionen Einwohner.

Kirgisien

: Das gebirgige Land an der Nordwestgrenze Chinas wurde einst als demokratische Bastion unter autoritären Nachbarn gelobt. Präsident Askar Akajew ist aber inzwischen mit zunehmender Härte gegen Andersdenkende vorgegangen. Die Streitkräfte kämpften im Süden gegen islamische Separatisten nahe der Grenzen zu Usbekistan und Tadschikistan. 4,5 Millionen Einwohner.

Tadschikistan

: Von Bürgerkrieg und Dürre verwüstet. Nach dem Auseinaderbrechen der Sowjetunion begannen die Kämpfe zwischen der weltlich eingestellten Regierung und der islamischen Opposition. Ein Waffenstillstand von 1997 intergirete einige Kämpfer in Regierung und Streitkräften, ander egingen in den Untergrund. Transitland für Heroin aus Afghanistan. Auf dem Weg nach Russland und Europa. 6,1 Millionen Einwohner.

Turkmenistan

: Präsident Saparmurad Nijasow steht an der Spitze eines quasi sowjetischen Systems. Opposition und unabhängige Medien gibt es praktisch nicht. Starker Personenkult; Nijasow ist auf Standbildern und Porträts allgegenwärtig, Städte, Schulen und Krankenhäuser tragen seinen Namen. Wirtschaftsreformen gab es nicht, das Land ist trotz großer Öl- und Gasreserven arm. 4,4 Millionen Einwohner.

Usbekistan

: Mit der Bedrohung durch islamische Kämpfer begründet die Regierung die Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten. Männern ist das Tragen von Bärten, Frauen das Anlegen von islamischen Kopfbedeckungen bei Androhung von Gefängnis verboten, wie Menschenrechtsgruppen berichten. Verfügt über Öl- und Gasvorkommen, ausgebliebene Wirtschaftsreformen haben aber ausländische Investoren fern bleiben lassen.

ANDERE EUROPÄISCHE STAATENWeißrussland

: Eine Besuch Weißrusslands ist wie eine Zeitreise in die Sowjetunion, sagen viele Reisende. Präsident Alexander Lukaschenko hat Opposition und Medien unterdrückt und eine weitgehend symbolische Union mit Russland vereinbart. Die meisten landwirtschaftlichen Betriebe sind im Staatsbesitz, einige Preise sind staatlich kontrolliert. 10,4 Millionen Einwohner.

Moldawien

: Eines der ärmsten Länder Europas. Zentrum für den Schmuggel von Waffen, Benzin und Zigaretten. Zwei Drittel der Bevölkerung sind Rumänen. Spannungen mit der russischen Minderheit in der Trans-Dnjestr-Region. 1992 kurzer Krieg wegen Befürchtungen der russischen Minderheit, Moldawien strebe die Wiedervereinigung mit Rumänien an. 4,5 Millionen Einwohner.

Ukraine

: Zwischen Russland und Mitteleuropa liegt die bevölkerungsreichste der ehemaligen Sowjetrepubliken. Verfügt über fruchtbares Ackerland und große Rohstoffvorkommen. Bevölkerung in ukrainische Nationalisten und Gruppen mit starken kulturellen Bindungen an Russland gespalten. Präsident Leonid Kutschma wird angesichts anhaltender Wirtschaftsmisere von der Opposition der Unfähigkeit und Korruption geziehen und für den Tod eines Journalisten verantwortlich gemacht. 49,8 Millionen Einwohner.