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Kunststoff-Knarren: Gericht untersagt Waffen aus dem 3D-Drucker - doch das Urteil kommt zu spät

Waffennarren waren begeistert: Im Netz sollte es kostenlose Blaupausen für das Sturmgewehr AR-15 aus dem Drucker geben. Die US-Regierung hatte schon ihre Erlaubnis gegeben, doch ein Gericht in Seattle verbietet nun die Veröffentlichung.

Cody Wilson und sein "Liberator", eine Plastikpistole aus dem 3D-Drucker

Eigentlich war die Organisation Defense Distributed auf der sicheren Seite. Sie hat von der US-Regierung mit Brief und Siegel eine Übereinkunft in der Tasche, Waffen-Baupläne für 3D-Drucker kostenlos im Internet zur Verfügung zu stellen. Für ihren Gründer Cody Wilson war das nach Jahren des juristischen Ringens der ersehnte Erfolg. Endlich konnte er Waffen für jedermann unters Volk bringen. Wer sich eine Waffe zulegen möchte, muss nur noch die Blaupausen herunterladen. Den Rest der Arbeit erledigt der 3D-Drucker. Doch damit wird es erst einmal nichts. Ein Gericht in Seattle hat die Veröffentlichung der Pläne untersagt. 

In Pennsylvania ist die Webseite gesperrt

Defense Distributed hat sich den großen Coup ein Stück weit selbst vermasselt. Denn die Vereinbarung mit der US-Justiz lautete, dass die Baupläne ab 1. August auf der Homepage online gehen sollten. Nur hat sich die Organisation nicht daran gehalten. Schon Tage vorher hätten über 1000 Leute die Bauanleitungen für das halbautomatische Gewehr AR-15 von der Webseite Ghostgunner.net heruntergeladen, klagt Pennsylvanias Generalstaatsanwalt. Die Blaupausen seien schon am Freitag hochgeladen worden. Er sieht darin einen klaren Verstoß gegen die Übereinkunft und hat sich durchgesetzt: Der Onlineshop von Distributed Defense ist im Staat blockiert.

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Der "Liberator" machte Distributed Defense richtig bekannt

Der Staatsanwalt dürfte damit noch immer nicht locker lassen. Josh Shapiro gilt laut CNN als entschiedener Gegner von Distributed Defense. Die Firma selbst fiel bereits 2013 medial mit einem Video auf, in dem der Gründer Wilson den "Liberator" bewarb. Wie das deutsche Magazin 3d-Grenzenlos schreibt, soll der Name sich von der "FP-45 Liberator" ableiten. Die US-Amerikaner entwickelten die Pistole für Partisanen im Zweiten Weltkrieg. Nach der ersten Werbeaktion mauserte sich der Liberator zum Erkennungszeichen von Distributed Defense.

Die Waffe besteht aus insgesamt 16 Bauteilen. 15 Versatzstücke kann ein 3D-Drucker herstellen. Nur der Schlagbolzen besteht aus Metall und muss beim Fachhandel bestellt werden. Allerdings ist nur ein Schuss möglich. Erste Tests verliefen enttäuschend: Der Lauf verzog sich während des Drucks. Polizeikreise sind sich über das Gefahrenpotential deshalb uneins. Zwar seien die Plastikwaffen vielfach unausgereift, doch dem Staat könne die Kontrollen entgleiten. Praktisch jeder könnte mit einem 3D-Drucker zum Waffenschmied werden. Mittlerweile ist selbst Donald Trump über den Deal mit Distributed Defense verunsichert. Er wolle die Entscheidung seiner Regierung überprüfen, kündigte der US-Präsident auf Twitter an. 

Das Konzept der virtuellen Anarchie

In einem Beitrag des Portals "Vice News" sagte Wilson noch Anfang Juli "die Regierung müsse aus bestimmten Bereichen herausgedrängt werden. Das sind strategische Formen virtueller Anarchie." Wie ernst er es damit meint, zeigt ein Besuch auf der Webseite von Distributed Defense. Die leitet auf den Onlineshop Ghostgunner weiter. Der bietet nicht nur auf Waffen feil, die aus Plastik gedruckt werden.

Für 250 US-Dollar kann der Kunde eine Fräsmaschine erwerben. Die schneidet aus Metall den Waffenkörper. Lauf und Magazin lassen sich leicht montieren. Damit ist auch das Tor für halbautomatische Gewehre und automatische Maschinenpistolen offen. Die Schneidecodes und Software kann der Kunde auf dem Portal herunterladen. Darunter sind Blaupausen für Pistolen, die der Colt 1911 nachempfunden sind und eben auch jene zum Nachbau eines AR-15, die den Argwohn der Generalstaatsanwaltschaft in Pennsylvania erregt.

Cody Wilson gab vorerst bei der Sperrung seines Onlineshops klein bei, doch in einem Punkt spielt ihn das US-Recht in die Hände: Grundsätzlich dürfen Bürger ihre eigenen Waffen bauen. Cody liefert ihnen zu Spotpreisen Material und Maschinen - und eben auch jene Baupläne, die originale Waffen auf den Millimeter kopieren. Die Kunden auf Defense Distributed frohlocken: "Verabschiedet Euch von Waffenkontrollen."

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