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"Schwimmendes Schutzsystem": Griechenland will schwimmende Barriere gegen Flüchtlinge vor Lesbos errichten

Berichten aus Kreisen des griechischen Außenministeriums zufolge soll eine drei Meter hohe Barriere vor der Insel Lesbos installiert werden, um Flüchtlingsboote an der Landung zu hindern.

Flüchtlinge am Wasser an Griechenlands Insel Lesbos

Im vergangenen Jahr war Griechenland erneut das Hauptziel von Migranten und Flüchtlingen in Europa (Foto vom März dieses Jahres auf Lesbos)

DPA

Griechenland will in den kommenden Wochen eine schwimmende Barriere gegen Flüchtlinge vor der Insel Lesbos einrichten. Ziel sei es, die knapp drei Kilometer lange und über einen Meter hohe Barriere bis Ende August zu errichten, hieß es aus Kreisen des Verteidigungsministeriums am Dienstag. Das Ministerium hatte im Januar eine Ausschreibung für die Installation von "schwimmenden Schutzsystemen" in der Ägäis veröffentlicht.

Sie sollen Boote daran hindern, sie zu überqueren. Die geschätzten Gesamtkosten für das Projekt belaufen sich auf eine halbe Million Euro. Menschenrechtsorganisationen hatten das Vorhaben scharf kritisiert. "Dieser Plan wirft beunruhigende Fragen darüber auf, wie Retter weiterhin den Menschen helfen können, die die gefährliche Überfahrt über das Meer wagen", erklärte Amnesty International.

Überfüllte Lager in Griechenland

Athen hat seit März scharfe Überwachungsmaßnahmen entlang der gesamten Grenzlinie mit der Türkei eingerichtet. Sie sind eine Folge der Politik des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser hatte im März die Grenze zu Griechenland und damit zur EU für Migranten für offen erklärt. Daraufhin machten sich Tausende Menschen auf dem Weg gen Westen. Die griechischen Sicherheitskräfte hatten damals Übertritte verhindert. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hatte sich bei den Griechen dafür bedankt, der "europäische Schild" zu sein.

Die schwimmende Barriere soll nordöstlich der Insel Lesbos errichtet werden. Hunderttausende Asylsuchende haben in den vergangenen Jahren von der Türkei aus kommend versucht, über das Meer Lesbos zu erreichen. Im vergangenen Jahr war Griechenland erneut das Hauptziel von Migranten und Flüchtlingen in Europa. Nach UN-Angaben kamen fast 60.000 von ihnen über das Meer und fast 15.000 über den Landweg.

Viele Lager auf den griechischen Inseln sind völlig überfüllt. Mehr als 33.000 Menschen leben in fünf Flüchtlingscamps auf den Inseln, die nur Kapazitäten für 5400 Menschen haben. In Folge der Corona-Pandemie sind jedoch erheblich weniger Flüchtlinge und Migranten auf die Ägäischen Inseln gekommen. Seit April trafen nur 350 Menschen auf Lesbos ein.

km / AFP / DPA