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Michael Cohen vor US-Kongress Hat Trumps Ex-Anwalt bei seiner spektakulären Anhörung (schon wieder) gelogen?

Michael Cohen sitzt in Anzug und Krawatte vor einem Mikrofon und scheint gerade einer Frage zu lauschen
Michael Cohen sagt vor dem US-Kongress aus
© Mandel Ngan / AFP
Michael Cohen gilt als Kronzeuge für mögliche Verfehlungen Donald Trumps. Bei seiner letzten Anhörung aber könnte er es mit der Wahrheit nicht so genau genommen haben. Stimmt das, wäre es ein Sieg für das Lager des Präsidenten.

Michael Cohens Aussage vor Abgeordneten in Washington war so spektakulär, dass sie selbst den zeitgleich stattfindenden Gipfel zwischen dem US-Präsidenten und dem nordkoreanischen Diktator in Singapur für ein paar Momente in den Schatten stellte. Donald Trumps früherer Anwalt erhob schwere Vorwürfe gegen seinen Ex-Chef, nannte ihn einen Betrüger und Schwindler. Über seine eigene, auch eher unrühmliche Rolle sagte er: "Ich habe gelogen, aber ich bin kein Lügner." Ein geläuterter Michael Cohen trat also vor den US-Kongress - und log ihn möglicherweise wieder an.

Michael Cohen soll um Begnadigung gebeten haben

Jetzt, ein paar Tage später, behauptet Cohens aktueller Anwalt, dass sein Vorgänger um eine Begnadigung anfragt habe - auf ausdrückliche Anweisung von Michael Cohen. Genau das aber hatte Trumps früherer Ausputzer vor dem Kongress noch abgestritten. Sollte Cohen tatsächlich erneut gelogen haben, ist seine gesamte Aussage vor dem Kongressausschuss keinen Pfifferling mehr wert. Zumal er im Dezember schon einmal die Abgeordneten angelogen hatte - und dafür auch verurteilt wurde.

Michael Cohen, der Ex-Anwalt von US-Präsident Donald Trump, hat vor dem Kongress über die Arbeit für Trump ausgesagt. Da der Präsident gerade in Vietnam Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un getroffen hat, kommentierten Trumps Söhne Donald junior und Eric die Aussagen von Cohen live auf Twitter. Dabei zogen sie ziemlich über den ehemaligen Vertrauten und Mitarbeiter ihres Vaters vom Leder.
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Hintergrund der Angelegenheit soll nach einem Bericht des "Wall Street Journals" die FBI-Razzia bei Cohen vor rund einem Jahr gewesen sein. Damals war er noch Anwalt von Trump und habe sich wiederum über seine Rechtsvertretung beim Präsidenten nach einer möglichen Begnadigung erkundigt. "In dieser Zeit hatte er (Cohen, d.Red.) seinen Verteidiger angewiesen, mit Trumps Anwalt Rudy Giuliani und anderen Rechtsberatern von Präsident Trump nach Möglichkeiten einer Begnadigung zu suchen", sagte Lanny Davis, der aktuelle Anwalt von Cohen.

Hat er "willentlich" die Unwahrheit gesagt?

Dem "Wall Street Journal" zufolge habe sich Giuliani damals offen für den Wunsch gezeigt. Der "New York Times" sagte er dazu nun nur allgemein, dass sich viele Menschen, die ins Visier der Russland-Ermittler geraten seien, nach einer möglichen Begnadigung durch den Präsidenten erkundigt hätten. Er verriet allerdings nicht, wer genau gefragt habe. Bereits direkt nach der Anhörung Ende Februar wurde Michael Cohen vorgeworfen, den Ausschussmitgliedern "willentlich" die Unwahrheit gesagt zu haben, "um auf der nationalen Bühne besser dazustehen", wie zwei Abgeordnete der regierenden Republikanern in einem offiziellen Beschwerdebrief schreiben.

Michael Cohen hatte im Laufe des vergangenen Jahres mit Donald Trump gebrochen und wird von Staatsanwaltschaft und Opposition als eine Art Kronzeuge für mögliche Verfehlungen Trumps betrachtet. Als sein langjähriger Vertrauter dürfte er direkte Kenntnis über mögliche Vergehen haben. So sagte er vor dem Kongressausschuss etwa aus, dass er in Trumps Namen zahllose Menschen bedroht und unter Druck gesetzt habe. Auf Nachfrage taxierte er deren Zahl auf rund 500. Sollte ihm aber nachgewiesen werden, dass er es zum wiederholten Male mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, dürfte er als "Zeuge" für alle Beteiligten wertlos sein.

Quellen: "Washington Examiner", "Wall Street Journal", "New York Times", CNN, "The Daily Beast"

nik

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