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Aussteiger berichtet: Wie der IS Selbstmordattentäter rekrutiert

Die Anschläge von Paris wurden von Selbstmordattentätern begangen. Ein Interview mit einem angeblichen Aussteiger des IS soll Einblicke in die Rekrutierung der Terroristen geben.

Einer der Henker des Islamischen Staates

Einer der Henker des Islamischen Staates, "Jihadi John" genannt, in einem Video der Terrormiliz. Der britische Staatsbürger soll bei einem Drohnengriff vergangene Woche getötet worden sein.

Die Terroranschläge von Paris wurden von Menschen begangen, die willens waren, ihr eigenes Leben für ein vermeintlich höheres Ziel zu opfern. Doch wie werden die zumeist jungen Männer zu Selbstmordattentätern? Das US-Onlinemagazin "The Daily Beast" hat mit einem Mann gesprochen, der angibt, für den Islamischen Staat (IS) gearbeitet zu haben. "Selbstmordattentäter ist eine Entscheidung", sagt der unter dem Pseudonym Abu Khaled genannte Syrer. "Daily Beast" gibt an, in Istanbul mit ihm gesprochen zu haben und veröffentlicht die Ergebnisse in einer mehrteiligen Serie. "Wenn man sich dem IS anschließt, fragen sie während des Religionsunterrichts: 'Wer wird ein Märtyrer sein?'" Einige Schüler würden dann die Hände heben und zu einer separaten Gruppe gebracht werden.

Abu Khaled hat nach eigenen Angaben für die "Staatssicherheit" des IS Rekruten ausgebildet und berichtet von einem mehrgleisigen Training. Zu Beginn würden die Ankommenden durchsucht und nach ihrer Motivation gefragt. Danach gehe es mehrere Wochen in eine Art Religionsunterricht, wo ihnen eingetrichtert werde, dass alle Nicht-Muslime Ungläubige seien und getötet werden müssten. Abu Khaled selbst war demnach in einem Ausbildungslager tätig und lehrte "Schlachtfeld-Taktiken" sowie "Operative Aufklärung" - zum Beispiel wie man ein Areal sichere oder einen Einsatz vorbereite.

Die von ihm beschriebene Organisation erinnert an die "Stasi" oder den sowjetischen Geheimdienst KGB. Abu Khaled berichtet von einem durchstrukturierten Netzwerk von Spionen, die sowohl innerhalb des IS Informationen über die eigenen Reihen sammelten als auch andere Organisationen in der Region unterwandert hätten. Demnach seien IS-Spione in der Freien Syrische Armee (FSA) aktiv - einem der stärksten Widersacher von Syriens Machthaber Baschar al-Assad. Manche der vermeintlichen Alliierten der USA und des Westens in der Region seien vielmehr von geheim operierenden IS-Kräften kontrolliert. "So hat der IS Syrien übernommen", sagt Abu Khaled. "Sie haben Zellen in den Dörfern und Gebieten, die die FSA kontrolliert, und ihre Leute bei der FSA."

Abu Khaled lebt nach eigenen Angaben mit seiner Familie weiter in der syrischen Stadt Aleppo und wird vom IS gesucht. Als Deserteur drohe ihm der Tod. Für das Gespräch mit dem Magazin sei er mit Auto und Bus nach Istanbul gereist. Vorher und auch seitdem stehe der Autor per Whatsapp und Skype mit ihm in Kontakt.


fin