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IS-Familie: IS-Witwe: Soll Aischa mit ihren drei Kindern in ihre deutsche Heimat zurückkehren dürfen?

Eine deutsche Witwe sitzt mit ihren drei kleinen Kindern in einem syrischen Lager. Sie hat beim IS gelebt, aber sie versichert, sie habe nichts verbrochen. Soll sie zurückkehren dürfen in ihre Heimat?

Aischa im Camp Roj

Die Mutter: 2012 begann Aischas Odyssee. Sie folgte ihrem Mann über Ägypten, Libyen und die Türkei nach Syrien. Dort lebt sie sei Ende 2017 im "Camp Roj"

stern

Die Zeltreihen des "Camp Roj" stehen umgeben von Maschendraht und Wachtürmen wie eine bizarre Quarantäne-Kolonie im äußersten Nordosten Syriens. Das Weiß der Planen wechselt mit dem Rot der Wassertanks und dem Grau unverputzter Latrinen. Zwischen zwei offenen Aborten haben Kinder einen Gurt zum Schaukeln gespannt. An den Zäunen trocknet Wäsche.

2000 Menschen aus 39 Nationen sind hier inhaftiert, allesamt Frauen und Kinder. Sie sind Übriggebliebene des untergegangenen IS-Kalifats, eine menschliche Konkursmasse, bewacht von Soldaten der kurdisch geführten Miliz "Syrische Demokratische Kräfte" (SDF), die mit dem Westen alliiert ist. Trotz der Sonne des späten Nachmittags sind viele Campbewohnerinnen in bodenlangem schwarzem Umhang und mit Gesichtsschleier unterwegs. Ein paar Jungen zischen, als die stern-Fotografin mit offenem Haar an ihnen vorbeiläuft. "Camp Roj" wirkt wie ein Freilichtmuseum des Kalifats.

"Schreiben Sie, ich bin Aischa* aus Nordrhein-Westfalen", sagt die junge Frau auf Deutsch. Wir sitzen auf großen Sofas in einem Aufenthaltsraum der Lagerverwaltung, vor uns eine prall gefüllte Bonbonniere. Aischa löst den Niqab, und zum Vorschein kommt ein aufgewecktes Gesicht mit dunklen Augen. Die 31-Jährige will nicht, dass ihr richtiger Name oder ein Foto ihres Gesichts gedruckt wird, aber sie ist bereit zu sprechen.

Seit Ende 2017 lebt sie mit ihren drei Kindern im "Camp Roj". Einheiten der SDF haben sie festgesetzt, als sie versuchte, sich mit der Hilfe eines Schmugglers in die Türkei abzusetzen, nach mehr als drei Jahren im IS-Kalifat. Jetzt hofft die ausgebildete Erzieherin auf eine Rückkehr nach Hause. Sumeyyah, die älteste Tochter, geboren im April 2012 in Wuppertal, ist seit dem vergangenen Jahr schulpflichtig. "Hätte ich gewusst, dass ich nicht mehr nach Deutschland kann, ich wäre diesen Weg nicht gegangen", sagt Aischa.

Aischas Kinder

Die Mächen (v.l.) Asiyah (1 1/2 Jahre), Sumeyyah (7) mit ihrem Bruder Mohammed (5) im Lager

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In Friedrichshafen am Bodensee, knapp 3000 Kilometer Luftlinie vom "Camp Roj" entfernt, spielt Gabriele Soppa Sprachnachrichten auf ihrem Handy ab. "Hallo, Oma, wie geht's dir?", tönt Sumeyyahs helle Mädchenstimme aus dem Lautsprecher. Soppa scrollt weiter. "Oma, ich hab dich lieb. Dankeschön für die Sachen." Die 50-jährige Altenpflegerin sitzt auf der Terrasse des Restaurants "Kommodore" des Yachtklubs Friedrichshafen mit Blick auf den Bodensee und die Alpengipfel am anderen Ufer. Sie hört das Klimpern der Fallen an den Masten der vertäuten Boote, das Schreien der Möwen. Und sagt: "Es kommt wieder hoch. Das steckt ganz tief in mir drin."

Gabriele Soppa weiß, wie es da aussieht, wo die Nachrichten herkommen. Vor Monaten ist sie vom Bodensee aus nach Syrien gefahren. "Die Sehnsucht nach meinen Enkelkindern war einfach so groß", sagt sie. Zweieinhalb Wochen dauerte die Reise über die Türkei und den Irak. Doch als sie am "Camp Roj" ankam, verweigerten die Kurden ihr den Zutritt. Von fern sah sie hinter dem Maschendraht zwei Mädchen hin und her laufen. Später bestätigte ihr Aischa am Telefon: Es waren Sumeyyah und ihre jüngere Schwester Ásiyah.

Martin Lemke: Frau des IS-Kämpfers erzählt im stern ihre Geschichte

"Im Camp herrschen menschenunwürdige Zustände", sagt Soppa. Deutschland solle die Kinder herausholen. Und auch die Mütter, "die gehören halt dazu". Über ihre Schwiegertochter sagt sie: "Sie hat einen Fehler gemacht und ihn eingesehen. Warum soll jemand wie sie keine zweite Chance bekommen?"

Es ist eine Frage, der deutsche Politiker gern ausweichen würden. Und es doch nicht können. 124 aus Deutschland zum IS ausgereiste Erwachsene, davon 90 mit deutscher Staatsbürgerschaft, und mindestens 117 Kinder "mit mutmaßlich deutscher Staatsangehörigkeit" sind laut Erkenntnissen der Behörden zurzeit im Nahen Osten inhaftiert, fast alle in Syrien. Nicht nur Angehörige wollen, dass sie in ihre Heimat zurückkehren. Auch die SDF will das. Und nach Umfragen will es eine Mehrheit der Deutschen.

Großmutter Gabriele Soppa

Die Großmutter: Gabriele Soppa will ihre Schwiegertochter und ihre Enkel zu sich an den Bodensee holen

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Allerdings will diese Mehrheit die Männer und Frauen, die sich dem IS angeschlossen hatten, in Deutschland vor Gericht sehen. Und nur gegen 17 Männer und sechs Frauen liegen Haftbefehle vor. Einige Weitere gelten als "islamistische Gefährder", sie würden in Deutschland nicht festgenommen, sondern aufwendig überwacht. Die anderen wären aller Voraussicht nach kaum zu belangen, weil nichts gerichtlich Verwertbares gegen sie vorliegt. Ist trotzdem jeder Einzelne von ihnen ein Sicherheitsrisiko? Wenn ja, wie hoch ist dieses Risiko? Wie groß die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der versichert, nichts verbrochen zu haben, tatsächlich nichts verbrochen hat? Dass man ihm Unrecht täte, wenn man ihm keine zweite Chance gäbe?

"Das ist Europas Guantánamo"

Clive Stafford Smith ist Anwalt und Gründer der Londoner Menschenrechtsorganisation "Reprieve" , seit 17 Jahren verteidigt er Häftlinge des US-Gefangenenlagers in Guantánamo Bay auf Kuba. 80 von 88 Guantánamo-Insassen, die er vertreten hat, mussten wegen Mangel an Beweisen aus der Haft entlassen werden. Nach seiner Kenntnis ist es in keinem dieser Fälle später zu Straftaten gekommen.

Stafford Smith ist in den vergangenen Monaten viermal in den Haftlagern Nordsyriens unterwegs gewesen, mehr als ein Dutzend westliche Gefangene hat er getroffen. "Populistische Politiker in Europa behaupten, jeder, der nach Syrien gegangen ist, ist ein bösartiger Terrorist, dessen Rückkehr wir nicht erlauben können" , sagt Stafford Smith. "Das ist derselbe Nonsens, der auch über die Häftlinge auf Kuba verbreitet wurde. Das hier ist Deutschlands und Europas Guantánamo. Und es muss beendet werden."

Anwalt Clive Stafford

Anwalt Clive Stafford macht sich stark für die Prüfung der einzelnen Fälle

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Die Kinder zum Beispiel könne man auf keinen Fall als Terroristen bezeichnen, sagt Stafford Smith. In der vergangenen Woche war er in Berlin, um die Rückholung von vier deutschen IS-Waisen voranzutreiben. Sie wären die ersten Staatsbürger, die Deutschland aus dem syrischen Kriegsgebiet heimholt. Bei den Erwachsenen plädiert der Anwalt dafür, jeden Einzelfall genau zu prüfen. Unter den Frauen gebe es viele, die nicht aus freien Stücken nach Syrien gekommen seien. "Sie sind meiner Überzeugung nach Opfer von Gewalt und Menschenschmuggel." Auch mit Aischa hat Stafford Smith lange gesprochen. Ihr Fall, so sagt er, "spiegelt diesen Teil der Wahrheit wider".

Aischas Reiseroute ins Zentrum des Terrors folgt einem Zickzackkurs, nicht nur geografisch. "Es gab keinen großen Plan: Dort ist der IS, wir gehen jetzt dahin" , sagt die 31-Jährige zu Beginn des Gesprächs im "Camp Roj". Eine Stunde hat die kurdische Lagerchefin für das Interview gewährt. Nicht viel Zeit für ein Leben, das in der Spanne weniger Sätze mal seltsam entrückt wirkt – und dann wieder ganz vertraut.

Da ist die lebenslustige Teenager-Tochter türkischstämmiger Eltern, geboren 1987 im Sauerland. Mit 16 lässt sie sich einbürgern und gibt ihren türkischen Pass ab. Ihr Lieblingssport ist Schwimmen. Sie hat Freunde, geht in die Disco, "wie die anderen in meiner Klasse auch". Nach dem Fachabitur zieht sie ins nahe Essen und beginnt ihre Ausbildung zur Erzieherin. "Ich habe es geliebt zu lernen", sagt sie. "Mit dem Islam hatte ich nichts am Hut. Nichts. Nichts. Nichts. Ich habe nicht mal an den Koran geglaubt."

Dann, mit 22, 23 Jahren, entdeckt Aischa den Islam für sich. Es ist die Zeit nach der Trennung von ihrem ersten Mann. Die Ehe hat nicht lange gehalten.

Der nächste Mann, sie lernt ihn wohl im Internet kennen, ist gläubiger Muslim: Silvio Koblitz, ein vor Jahren konvertierter Kfz-Mechatroniker aus Friedrichshafen, Gabriele Soppas Sohn aus erster Ehe. Koblitz zieht zu Aischa nach Essen. Nach wenigen Monaten heiraten sie standesamtlich. Und bald geht Aischa auf seinen Wunsch hin nur noch mit Niqab aus dem Haus.

Aischas Route in den IS

Aischas Weg in den IS führte von Solingen übe Ägypten, Libyen und die Türkei nach Syrien

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2012 wird für beide ein Jahr des Umbruchs. Im April bringt Aischa die gemeinsame Tochter Sumeyyah zur Welt. Das Paar ist inzwischen nach Solingen gezogen, weil Koblitz sich "Millatu Ibrahim" angeschlossen hat, der damals wohl radikalsten Salafistengemeinde Deutschlands. Mitte Mai kommt es bei einer Salafisten-Demo in Bonn zu schweren Ausschreitungen, Koblitz und seine Solinger Brüder sind dabei. Am 29. Mai wird "Millatu Ibrahim" verboten, viele aus dem Umfeld der Solinger Moschee setzen sich nach Ägypten ab. Auch Silvio will weg. Anfang September steht er plötzlich mit Flugtickets vor Aischa. Das Ziel ist Alexandria, der Abflug am nächsten Tag. "Pack die Sachen" , sagt er.

Gabriele Soppa erinnert sich gut an das Jahr 2012. Anfangs schien es ein gutes Jahr zu werden. Im Frühjahr ist sie nach Nordrhein-Westfalen gereist, um bei Sumeyyahs Geburt die Nabelschnur zu durchtrennen. Im Sommer besucht sie die jungen Eltern ein zweites Mal. Sie hofft, dass ihr Sohn durch die neue Verantwortung zur Vernunft kommt, dass sich auch sein Verhältnis zur Familie wieder bessert.

Denn das ist immer schwieriger geworden, nachdem Silvio als 17-Jähriger den muslimischen Glauben angenommen hatte, animiert von einem Klassenkameraden. Es ging so weit, dass Silvio sich darüber aufregte, wenn seine jüngeren Halbbrüder "Mensch ärgere Dich nicht" spielten – verbotenes Glücksspiel nach seinem Verständnis des Islam. Kaum 18 Jahre alt, zog er aus. "Wir konnten nicht mehr unter einem Dach leben", sagt Gabriele Soppa. Den Kontakt ließ sie trotz allem nie abreißen, nicht einmal, als Silvio sich "Millatu Ibrahim" anschloss, als seine Ansichten der Mutter immer fragwürdiger erschienen, als es immer öfter Streit gab – und im Anschluss oft monatelange Funkstille. Sie nahm sich vor, nicht mehr so viel zu fragen. Sie schöpfte Hoffnung, als das Kind kam.

Aber schließlich sitzt sie da im Sommer 2012 auf der Wohnzimmercouch, unter einer schwarzen Flagge mit zwei gekreuzten Schwertern. Aischa kümmert sich um das Baby. Silvio macht Sit-ups. Als er damit fertig ist, sagt er, er müsse auch noch laufen gehen. "Warum musst du?", will Gabriele Soppa dann doch wissen. Und er antwortet: "Das kriegen wir als Aufgabe von der Moschee." Sie habe nicht schon wieder Streit gewollt, sagt Gabriele Soppa später am Ufer des Bodensees. Aber sie habe sich schon gefragt, worauf ihr Sohn da vorbereitet werde. Auf die Tage in Solingen folgt wieder einmal Funkstille. Silvio und Aischa haben ihre Handys ausgeschaltet.

Über diese Zeit sagt Aischa im "Camp Roj": "Ich wollte nach Ägypten, um Arabisch zu lernen. Ich wollte den Koran im Original lesen lernen, statt mich nur auf Übersetzungen zu verlassen. Wir wollten dort ein neues Leben anfangen." Für eine junge Konvertitin, die sich besondere Strenge im Glauben auferlegt, wären solche Gedanken nicht ungewöhnlich. Warum aber ist sie von Ägypten aus weitergereist nach Libyen, in die Türkei, nach Syrien? Warum ist sie im Kalifat gelandet? "Ich habe versucht zu entkommen. Aber ich bin bedroht worden. Ich hatte Angst, vor meinem Mann." Mehr mag sie im "Camp Roj" dazu nicht sagen.

Silvio Koblitz

Silvio Koblitz, Mann von Aischa und Sohn von Gabriele Soppa. Zwischenzeitlich war er einer der bekanntesten deutschen IS-Propagandisten

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Monate zuvor hat sie in einer langen Whatsapp-Nachricht an ihre Schwiegermutter die Umstände ihres Exodus so beschrieben: "Er hatte mich mehrmals bedroht, wenn ich nicht mitgehe, dass ich eines Tages aufwachen würde und Sumeyyah nicht mehr bei mir finden könnte. Auf der anderen Seite hat er mir gesagt, du kannst dort zu der berühmten Arabisch-Schule. Ich wollte nicht, aber ich musste so tun, als wäre das ok." Über die Zeit in Ägypten und Libyen schrieb sie: "Sie sperrten mich zu Hause ein. Ich war die einzige, die nicht mit ihrer Familie sprechen durfte. Hab geweint und gefleht. Mein Mann meinte, ich sei keine rechtschaffene Frau und nahm mir meinen Pass. Ich habe ihn gehasst."

Fast zwei Jahre nach dem Aufbruch in Solingen, im Frühsommer 2014, kommt Aischa in Mansura an, einer Kleinstadt westlich von Raqqa am Euphrat. Es ist der vorläufige Endpunkt ihrer Odyssee. Im März hat sie unter prekären Bedingungen mitten im syrischen Kriegsgebiet ihr zweites Kind zur Welt gebracht, einen blonden Jungen, den sie Mohammed nennt. Einige Wochen nach der Ankunft am Euphrat, am 29. Juni, dem ersten Tag des Ramadan, proklamiert IS-Chef Abu Bakr al-Baghdadi das Kalifat. "Auf einmal freuten sich die Leute", sagt Aischa. "Das Kalifat sei ausgerufen worden, sagten sie. Ich hab nur gedacht: Al-Khilafa? Was ist das? Ich habe gar nicht verstanden, was das bedeutet."

In Aischas Erzählungen erscheint Mansura wie eine Insel der Normalität mitten im Wahnsinn. "Da war ein Strand am Euphrat. Ich konnte dort schwimmen gehen. Angezogen zwar, aber das war mir egal. Wir hatten eine schöne Zeit in Mansura. Es war okay." Von Grausamkeiten des IS, Exekutionen und dergleichen habe sie dort nichts mitbekommen.

Kann es sein, dass Aischa wirklich nur Hausfrau und Mutter war während ihrer Jahre im Kalifat? Soll man einer, die so lange dort gelebt hat, tatsächlich Glauben schenken? Als im März 2019 die letzte Bastion des IS im syrischen Baghuz zusammenbrach, ergab sich den siegreichen Kurden eine ausgemergelte Armee von Köchen, Programmierern und Krankenpflegern. Kämpfer, Folterer, Sklavenhalter? Hatte es beim IS anscheinend nie gegeben.

Aischa: "Ich habe versucht, zu entkommen. Aber ich bin bedroht worden. Ich hatte Angst"

Schon bald nach der Ausrufung des Kalifats steigt Aischas Mann zu einem der prominentesten deutschen Propagandisten des IS auf. Zu Hause in Friedrichshafen fährt die Polizei jetzt häufiger Streife vor dem Haus seiner Familie. Silvio Koblitz hat zur Ermordung seines Halbbruders aufgerufen, wirft ihm "Prophetenbeleidigung" vor. In Online-Videos und Hassschriften droht er mit Anschlägen auf US-Militärbasen in Deutschland oder auf die Bundeskanzlerin. "Bei Allah, ich bin noch lange nicht fertig mit Deutschland."

Doch ab dem Frühjahr 2016 scheint ein Sinneswandel bei ihm einzutreten – aus dem beseelten Hassprediger wird ein kritischer Hobbytheologe, der sich mit den Autoritäten im IS anlegt. Niemand kann sicher sagen, was der Auslöser war. Vielleicht hat eine psychische Erkrankung eine Rolle gespielt. Schon in Deutschland hatte Silvio Koblitz Anzeichen wahnhafter Störungen gezeigt. Einmal waren nachts erbärmliche Schreie aus seiner Wohnung gedrungen. Da hatte er sich bei einem Ritual zur Geisteraustreibung die Fußsohlen verbrennen lassen.

Was auch immer der Grund für die Wesensveränderung ist – sie treibt Koblitz zu radikalen Schritten. In einem 13-seitigen Traktat und einer knapp einstündigen Audiobotschaft wendet er sich öffentlich von der IS-Führung ab und widerruft seine früheren Aufrufe zu Anschlägen auf Zivilisten. Und auch das Verhältnis zu Aischa wandelt sich. "Silvio hat bereut, was er mir angetan hatte. Er hat sich unter Tränen bei mir entschuldigt. Mein Herz hat ihm damals vergeben", sagt Aischa. Anfang Dezember 2016 bringt sie ihr drittes Kind zur Welt, ein Mädchen. Sie nennen es Ásiyah. "Meine beiden ersten Kinder kamen ungeplant. Das dritte wollten wir beide", sagt sie.

Die Nachricht, vor der Gabriele Soppa sich all die Jahre gefürchtet hat, platzt mitten in den Sommerurlaub 2017 an der Ostsee. Am Ende eines sonnigen Septembertags sitzt sie mit ihrem Mann gerade beim Abendessen, als die Whatsapp-Message von Aischa eingeht. Silvio ist tot. Hingerichtet als Abtrünniger von seinen ehemaligen Brüdern im "Islamischen Staat".

Aischa braucht 4000 Euro. Und schnell. So viel verlangt der Schlepper, der die Witwe und die Kinder aus dem IS-Gebiet Richtung Türkei schmuggeln soll. Die Schwiegermutter zögert nicht. "Kommt nach Hause", simst Gabriele Soppa nach Syrien.

Wochen bangen Wartens vergehen, bis Aischa sich Ende Oktober 2017 wieder meldet. Dem Kalifat ist sie entkommen, doch auf dem Weg zur türkischen Grenze ist sie mit den drei Kindern an einem Checkpoint der SDF verhaftet worden.

In der Hoffnung auf schnelle Hilfe wendet die Schwiegermutter sich ans Auswärtige Amt in Berlin. Doch die Beamten des "Referats 511 – Nothilfe für Deutsche im Ausland" halten sich bedeckt. Eine konsularische Betreuung sei in Syrien leider nicht möglich. Monate verstreichen. "Wir sind verzweifelt und bangen um das Leben unserer Enkelkinder" , schreibt Soppa im September 2018 nach Berlin. Da sind Aischa und die Kinder schon fast ein Jahr im "Camp Roj".

Inzwischen hat Gabriele Soppa zu Hause in Friedrichshafen ein Kinderzimmer eingerichtet, für den Tag, an dem Aischa und ihre Enkel endlich zurückkehren aus Syrien. Aber wann der kommt, ist völlig unklar. "Wenn es neue Entwicklungen gibt, gebe ich Ihnen umgehend Bescheid" , schrieb eine Mitarbeiterin des Auswärtigen Amts im Herbst 2018 an die Großmutter am Bodensee.

Mitte April ist ihre Enkelin Sumeyyah, Geburtseintrag 837/2012 des Standesamts Wuppertal, in einem Zelt in Nordostsyrien umgeben von Zäunen und Wachtürmen sieben Jahre alt geworden.

* Der echte Name ist der Redaktion bekannt.

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(