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US-Verteidigungsminister Jim Mattis : Jim "Mad Dog" Mattis - der Mann, der zwischen Trump und dem Dritten Weltkrieg steht

Jim Mattis kämpfte in blutigen Schlachten, er heizte seine Soldaten mit mörderischen Sprüchen an und wurde "Irrer Hund" genannt. Verdient. Doch während Trump hetzt und pöbelt, wurde sein oberster Militär zum "General der Herzen". 

Verteidigungsminister Jim Mattis hält sich fern von den Aufregungen um die Trump-Regierung

Verteidigungsminister Jim Mattis hält sich fern von den Aufregungen um die Trump-Regierung

Der Zirkel um Donald Trump hat ein Jahr lang nur Negativ-Schlagzeilen produziert. Einigen Mitgliedern der Trump-Kamarilla wie dem Ex-General Michael Flynn drohen Gericht und Gefängnis, andere wie Anthony Scaramucci kostete ihr ordinäres Mundwerk den Job. Im eigentlichen Kabinett wirkt Justizminister Jeff Sessions wie ein Clown aus einer Comedy-Serie und selbst Außenminister Tillerson soll seinen Chef als Schafskopf bezeichnet haben. Inmitten dieses Käfigs voller Narren sticht eine Person hervor: General , der Verteidigungsminister.

Der Trump-Administration wird von weiten Teilen der Bevölkerung und Medien nur Verachtung entgegengebracht. Mattis erntet dagegen nur Hochachtung - von den Zivilisten. In der Truppe steigert sich das zur offenen Verehrung. 

Umstrittene US-Politik

Der Kult ist verwunderlich, denn die -Politik ist umstritten. Trump spart den Regierungsapparat bis zur Funktionsunfähigkeit zusammen, doch für Mattis' Militär werden die Ausgaben gesteigert. In Afghanistan haben die US-Truppen unter Trump und Mattis die "Handschuhe ausgezogen" und erneut eine aggressive Bombenoffensive gestartet. Die Regierung sucht die Konfrontation mit dem Iran und einen bedingungslosen Schulterschluss mit Israel. Zuletzt wurde der Verbündete Pakistan wüst brüskiert. Gegenüber Nordkorea droht Trump plump mit dem dickeren Knüppel – Jim Mattis drückt sich etwas gewählter aus, in der Sache klingt er aber nicht weniger bedrohlich. Doch der ganze Unmut an dieser unberechenbaren und aggressiven Politik der Regierung perlt an Mattis ab, der Ärger wird nicht einmal an ihn adressiert.

"Mad Dog" Jim Mattis: Die irren Sprüche des US-Verteidigungsministers
I come in peace. I didn’t bring artillery. But I’m pleading with you, with tears in my eyes: If you fuck with me, I’ll kill you all.        Ich komme in Frieden. Ich habe keine Artillerie dabei. Aber ich flehe euch mit Tränen in meinen Augen an: Wenn ihr mich verarscht, bringe ich euch alle um.

I come in peace. I didn’t bring artillery. But I’m pleading with you, with tears in my eyes: If you fuck with me, I’ll kill you all.


Ich komme in Frieden. Ich habe keine Artillerie dabei. Aber ich flehe euch mit Tränen in meinen Augen an: Wenn ihr mich verarscht, bringe ich euch alle um.


Der "beste" General der Welt

Woran liegt das? Zuerst einmal stammt Mattis nicht aus dem New Yorker Dunstkreis von Donald Trump – der zum guten Teil aus Milliardären und Playboys besteht. Über Mattis und Sicherheitsberater MacMaster sagte der Präsident vor einem Jahr, er, Donald Trump, habe natürlich die "besten Generäle", die es auf der Welt überhaupt gibt. Eine der wenigen Prahlereien Trumps, der niemand widersprechen würde. (Über den Nationalen Sicherheitsberater Herbert Raymond "H. R." McMaster erfahren Sie hier mehr: "Gerasimov vs McMaster -  Vergesst Trump und Putin - diese zwei Generäle führen den Krieg in Syrien")

Vielleicht können die Amerikaner nachts nur darum ruhig schlafen, weil Jim Mattis zwischen ihrem unberechenbaren Präsidenten und dem Dritten Weltkrieg steht.

In 44 Jahren aktiven Dienstes gelangte Mattis an die Spitze des US-Militärs – er beendete seine Laufbahn mit dem Kommando des US Central Command. In seiner Dienstzeit verdiente sich Mattis zwei bezeichnende Spitznamen: "Mad Dog" und "Warrior Monk".

Mattis kämpfte im Irak und in und rettete verfahrene Situationen durch seinen Einsatz. Dabei scheute er sich nie, in der vordersten Linie zu stehen. Darauf beruht sein Ansehen in der US-Truppe.

Blutige Einsätze 

Aber so bescheiden und freundlich Jim Mattis wirken kann, er ist ein harter Knochen. Mattis hat die Schlacht um Falludscha geführt, bei der US-Truppen ohne jede Rücksicht auch gegen die Zivilbevölkerung vorgingen. Von ihm stammen Aussprüche, die nicht nur in in Zeiten der Political Correctness unmöglich sind. Am bekanntesten ist dieser Satz: "Sei höflich, sei professionell, aber habe einen Plan, jeden zu töten, den du triffst." Seine Soldaten versetzte er mit folgenden Worten in Stimmung: "Ihr geht nach Afghanistan, da trefft ihr auf Typen, die Frauen schlagen, weil sie keinen Schleier tragen. Und wisst ihr, solche Typen sind keine Männer. Also macht es verdammt viel Spaß, sie zu erschießen."

Kampfpanzer: US-Top-General: M1-Abrams-Panzer ist nicht mehr die Nummer Eins
M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.

M1A2 des 3. gepanzerten US-Kavallerieregiments in Tal Afar/Irak.


Der General empfiehlt das Lesen

Den "Mad Dog" gibt Mattis heute nicht mehr. Man tut dem Reality-Star nicht unrecht, wenn man ihn ein gestörtes Verhältnis zur Wahrheit und eine gehörige Portion Bildungsverachtung bescheinigt. Ganz anders Mattis: In fast jedem längeren Interview stellt der Militär Jim Mattis die Vorzüge von Bildung und Büchern heraus. In seiner Kenntnis der Militärgeschichte und der souveränen Fähigkeit, ihre Lektionen auf aktuelle Situationen anzuwenden, erinnert Mattis an den legendären Panzergeneral des Zweiten Weltkrieges George S. Patton.

Am Beginn seiner Laufbahn als Verteidigungsminister hat Jim Mattis die Losung seines Amtsverständnisses herausgegeben. In der Zeit, als Trump-Berater Steve Bannon noch den Aufstand gegen das Establishment in apokalyptischen Tönen beschwor, sagte Mattis, er sei Minister geworden, weil es die Aufgabe eines jeden sei, dem Land zu dienen.

In den USA spielen Soldaten und Veteranen eine große Rolle in der öffentlichen Wahrnehmung. Gemeinsam mit einfachen Soldaten hat Mattis seine stärksten Momente. Schon in Interviews vor dem Ministeramt konnte man die Zuwendung der Soldaten und Soldatinnen ihm gegenüber erkennen. Etwa wenn Zuschauer ins Studio durchgestellt wurden, die davon berichteten, wie der General nachts in Afghanistan ihre Außenposition kontrolliert hat. Und ihr Erstaunen, dass sich der berühmte Mattis nach Jahren noch genau an diese eine kalte Nacht bei Kandahar erinnern konnte.

In den zahllosen Kommentaren von Militärs und Angehörigen zu den Interviews wird deutlich, dass der Krieger-Mönch Mattis eine Art von "General der Herzen" für die Amerikaner geworden ist. Während sein Boss die Nation aus Naturell und aus politischem Kalkül heraus mit seinen Attacken und Tiraden spaltet, bedauert Mattis nichts mehr, als diese fortschreitende Spaltung der Nation. Eine Spaltung, die der lebenslange Berufsmilitär allerdings nur bei den Zivilisten und nicht in seinem geliebten Militär verortet. Und dort auch nicht duldet.

Das beste Interview der Regierung

Während Trumps Pressearbeit ein Desaster ist, ist die öffentliche Darstellung von Mattis exzellent. Das wichtigste Interview in seiner Amtszeit als Verteidigungsminister gab "Mad Dog" Mattis zwei Teenies: Teddy Fischer und Jane Gormley, Schüler eines Journalistikkurses der Mercer Island High School in der Nähe von Seattle.

Und das kam so: Auf einem Foto, dass die "Washington Post" im Mai 2017 veröffentlichte, entdeckte Fischer einen Post-it-Aufkleber mit dem Namen "Jim 'Mad Dog' Mattis" und dessen streng geheimer Telefonnummer – alle Profi-Journalisten hatten den Hinweis übersehen. Der damals 17-jährige Fischer rief den eher öffentlichkeitsscheuen General auf dem Handy an und zu seiner Verwunderung willigte der in ein Interview ein. Das sollte nur wenige Minuten dauern – aber es wurden 45 Minuten daraus.
Jim Mattis gab den beiden Teenies das umfassendste, ehrlichste und tiefgründigste Interview aller Trump-Minister. Ein Gespräch, das einen tiefen Einblick in die Gedankenwelt von Mattis erlaubt.

Mattis ist alles andere als ein Kommisskopf, er beurteilt die Welt von einer belesenen, historischen Perspektive aus. Mit den Kids sprach er über die tiefe politische Spaltung des Landes, die Natur des Krieges, die Rolle der Diplomatie, die Lehren aus der Geschichte und die Macht des Einzelnen, Veränderungen herbeizuführen. Den ganzen Text des Interviews können Sie in englischer Sprache hier lesen: "Full transcript: Defense Secretary James Mattis’ interview with The Islander".

Ein Mad Dog wird zum Menschenfreund

Mattis schloss das Interview: "Henry, du stellst gute, sehr gute Fragen. Es wird in deinem Leben eine Menge Leute geben, die dir sagen werden, was du denken sollst. Aber wenn du viel aus der Geschichte gelernt hast, wirst du ihnen für ihre Anregungen zwar danken, aber du wirst nicht von den Dingen beherrscht werden, von denen jemand anders glaubt, dass du sie denken sollst."

Inmitten von Soldaten erläutert Mattis gern seine eigentliche, persönliche Motivation für das Amt. Für ihn, den alten Pensionär, sei dies die einzige Möglichkeit gewesen, wie er wieder bei ihnen, seinen wunderbaren jungen Soldaten, sein dürfe, also habe er "ja" zu Trump gesagt. Dieser Satz ist eigentlich kein Spaß, sondern die Wahrheit von "War Monk" Jim Mattis.


Ein Spannungsfeld der US-Politik ist die koreanische Halbinsel. Mehrmals besuchte Jim Mattis die Verbündeten der USA. Hier erfahren Sie, warum Nord-Koreas-Rüstung so bedrohlich ist.