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Botschafterin Kelly Craft: Donald Trumps Neue bei den UN glaubt in Sachen Klimawandel "beiden Seiten"

Sie gilt als erfolgreiche Strippenzieherin, ist mit einem Kohle-Magnaten verheiratet und hat interessante Ansichten über den Klimawandel. Viele halten Kelly Craft daher für ungeeignet für den Posten der US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen.

Donald Trump und Kelly Craft

Donald Trump und Kelly Craft in Bagotville, Kanada

AFP

Anders als es die Opposition behauptet, hat die neue US-Botschafterin bei den Vereinten Nation durchaus diplomatische Erfahrung. Nicht viel, aber immerhin. 2007 war sie Teil des Beraterstabs des damaligen UN-US-Vertreters und zuletzt vertrat sie ihr Heimatland in Kanada. Wenn auch eher unbeständig. In ihrer 20-monatigen Amtszeit als Botschafterin in Ottawa sei sie 300 Tage außerhalb Kanadas gewesen, bemängeln die Demokraten. Was die Oppositionspartei wohl am meisten an Kelly Craft stört: Die 57-Jährige ist nicht nur eine erfolgreiche konservative Strippenzieherin sondern auch beinharte Kohlelobbyistin.

Donald Trump hält nicht viel von der UN

Mehr als ein halbes Jahr hat US-Präsident Donald Trump gebraucht, um eine Nachfolge für Nikki Haley zu finden, die Ende 2018 überraschend aus dem Amt ausgeschieden. Seitdem war der Posten unbesetzt. Trump misst dem Posten nur wenig Bedeutung bei, er sieht die Vereinten Nationen ohnehin kritisch, unter der früheren Botschafterin Haley hatten die USA einen Sparkurs eingeläutet.

Donald Trump verschärft das Rassismus-Problem in den USA mit seiner Rhetorik gegen demokratische Abgeordnete.

Kelly Craft stammt aus dem Bundesstaat Kentucky und ist dort eine einflussreiche Spendeneintreiberin. Sie ist mit dem Kohle-Milliardär Joe Craft verheiratet, der als bekannter Kritiker von Barack Obamas Klimapolitik galt. Im vergangenen Wahlkampf hatte das Ehepaar zunächst den konservativen Kandidaten Ted Cruz unterstützt, ist dann aber ins das Trump-Lager geschwenkt, weil er den Crafts versprochen hatte, einige gemäßigte Republikaner im Amt zu lassen. Laut US-Medien haben Kelly und Joe Craft zwei Millionen US-Dollar für Trumps Wahlkampf und seine Amtseinführungszeremonie gespendet.

Klimawandel? Kelly Craft glaubt beiden Seiten

Für Aufsehen sorgte sie vor einigen Jahren, als sie im Sender CBS erklärte, sie glaube "beiden Seiten" in der Debatte über den Klimawandel. Bei ihrer Senatsanhörung im Juni betonte Craft, Klimawandel stelle "ein echtes Risiko für den Planeten dar". Maßnahmen dagegen müssten alle Länder ergreifen. Den USA dürfe dabei aber keine übergroße Last aufgebürdet werden, die Jobs oder die Wirtschaft gefährden könnte. Aus Gründen der Befangenheit wolle sie sich bei UN-Klimaverhandlungen heraushalten, wenn es um Kohle gehe, kündigte sie vor wenigen Wochen an.

Donald Trump, in dessen Kabinett sich viele Reiche und Supereiche tummeln, hatte bereits im Februar angekündigt, Craft nominieren zu wollen. Er bescheinigte ihr damals, als Repräsentantin der USA in Kanada einen "ausgezeichneten Job" gemacht zu haben. Zuvor war auch eine andere Kandidatin im Gespräch. Heather Nauert hatte ihre Bewerbung aber überraschend zurückgezogen und erklärt, die Zeit nach der Verkündung ihres geplanten Aufstiegs zur UN-Botschafterin sei für ihre Familie sehr aufreibend gewesen.

Mehrere US-Medien berichteten allerdings, Grund für Nauerts Rückzug sei gewesen, dass sie vor Jahren eine Frau als Kindermädchen beschäftigt hatte, die keine US-Arbeitserlaubnis gehabt habe. Aus Angst vor Komplikationen im Nominierungsprozess wegen dieses Falls habe Nauert entschieden, sich selbst aus dem Rennen zu nehmen.

Quellen: CBC, MacLeans, DPA, CNN

nik / mit DPA