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COP27 Seit 1995 wollen fast 200 Staaten die Erhitzung der Erde begrenzen: eine kurze Geschichte des Klimagipfels

Schild weist den Weg zum Klimagipfel nach Scharm al-Scheich
Über 30.000 Menschen, unter ihnen rund 100 Staats- und Regierungschefs, sind zum 27. Klimagipfel nach Scharm al-Scheich gereist
© Sayed Sheasha / Reuters
Seit Jahrzehnten wollen fast 200 Staaten die Erhitzung der Erde begrenzen. Doch was sie auf ihren Spitzentreffen erreicht haben, ist längst nicht genug.

Jahr für Jahr treffen sie sich. Immer in einer anderen Stadt, immer darum ringend, wie sich die Erderhitzung auf ein erträgliches Maß eindämmen lässt. Und wer welchen Beitrag dafür leisten muss. Scharm al-Scheich ist ihr 27. Versuch, die Welt zu retten.

In Berlin fing es 1995 an, mit der ersten Conference of the Parties, kurz COP. Mit den "Parties" waren all jene Staaten gemeint, die 1992 auf dem Erdgipfel in Rio die sogenannte Klimarahmenkonvention unterschrieben hatten. Schon damals war man sich einig, dass die Treibhausgas-Emissionen runtermüssen. Auf der dritten COP in der japanischen Stadt Kyoto ein erster Lichtblick: Es wurde ein völkerrechtlich bindender Vertrag zur Begrenzung von Treibhausgasen aufgesetzt. Um durchschnittlich 5,2 Prozent gegenüber 1990 sollte der Ausstoß sinken – von 2008 bis 2012. Acht Jahre zogen ins Land, bis sich genügend Industriestaaten fanden, die den Vertrag umsetzen wollten. Die größten Hauptverursacher der Klimakrise – die USA und China – aber beteiligten sich nicht. So nahm die weltweite Menge der Treibhausgase trotz erfolgreicher Bemühungen einiger Staaten nicht ab, sondern dramatisch zu.

Kurze Geschichte der Klimagipfel

Im Jahr 2007 zur COP 13 auf Bali war klar, dass "Kyoto" nicht reichen würde. Der vierte IPCC-Bericht hatte der Weltgemeinschaft vor Augen geführt: Ohne sofortiges Handeln würden viele Regionen durch Wetterextreme und einen steigenden Meeresspiegel unbewohnbar werden. In Kopenhagen im Jahr 2009 sollten die Eckpunkte für ein neues Klimaabkommen festgelegt werden, doch die Verhandlungen scheiterten. Erst sechs Jahre und sechs Konferenzen später wurde mit dem Pariser Abkommen eine Folgevereinbarung geschlossen, die auch die USA und China unterzeichneten. Fast 200 Staaten einigten sich darauf, die globale Erwärmung möglichst auf 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Nur: Die Selbstverpflichtungen der meisten Staaten gingen nicht weit genug. 2021 in Glasgow versprachen die Regierungen nachzuschärfen, den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas voranzutreiben.

Im besten Fall führen die aktuellen Pläne zu einer Erhitzung von 2,5 Grad bis 2100. Das ist immerhin ein Grad weniger als der Temperaturanstieg, der sich vor dem Paris-Abkommen abzeichnete. Aber es geht nicht weit genug. Und so wird die COP 27 nicht der letzte Versuch bleiben, die Welt zu retten. Die Frage ist, wie viele wir noch haben. 

Erschienen in stern 47/2022

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