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Audio-Mitschnitt Lästereien von Irans Außenminister auf Tonband führen schnurstracks zur Regierungskrise

Irans Außenminister Sarif
Irans Außenminister Mohammed Dschawad Sarif (l.) und Iraks Außenminister Fuad Mohammed Hussein
© Khalid Mohammed/AP / DPA
Der iranische Außenminister kritisiert in einem durchgesickerten Gespräch die Rolle der Revolutionsgarden - und ist unter Druck geraten. Präsident Hassan Ruhani spricht hingegen von einer "Verschwörung", das Land steckt in einer Regierungskrise.

Eine angeblich gestohlene Audio-Aufnahme eines geheimen Interviews mit dem iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif, in dem er den Einfluss Revolutionsgarden kritisiert, sorgte im Land für eine Regierungskrise. "Jeden Tag werden haarsträubende Geschichte aufgetischt, um Land und Volk zu spalten", sagte Präsident Hassan Ruhani. Diesmal sei es ein gestohlenes Audio-Band, bei dem es sich um ein geheimes Regierungsdokument handele. Der Geheimdienst müsse daher umgehend die Verantwortlichen identifizieren "und mit ihnen konsequent und ohne Erbarmen" umgehen, sagte Ruhani laut dem Webportal des Präsidialamts.

In dem von einem Ruhani-Berater im Präsidialamt geführten Interview hatte Sarif die Einmischung der Revolutionsgarden (IRGC) in die diplomatischen Angelegenheiten des Außenministeriums kritisiert. Dabei war angeblich auch die Rede von Ghassem Soleimani, dem ehemaligen Kommandeur der al-Kuds Brigade der Revolutionsgarden. Soleimani war im Januar 2020 durch einen US-Luftangriff in der Nähe des internationalen Flughafens von Bagdad getötet worden. Seitdem hat er als Märtyrer einen Legendenstatus im Iran.

Sarif weist Kritik an ihn zurück

Für die Hardliner im Land, die grundsätzlich gegen den moderaten Kurs Ruhanis und dessen Versuche zur Annäherung an den Westen sind, ist das Interview ein gefundenes Fressen - insbesondere vor der Präsidentenwahl Mitte Juni. Sie haben Sarif wegen Kritik an einem Nationalhelden scharf verurteilt und fordern Konsequenzen.

Sarif, derzeit auf einer Auslandsreise in Oman, hat die herben Reaktionen gegen seine Person zurückgewiesen. Die kritischen Äußerungen selbst aber konnten weder er noch sein Sprecher bestreiten. "Das war eine rein theoretische Diskussion, die geheim bleiben und nun nicht im Rahmen interner Machtkämpfe ausgenutzt werden sollte", wurde Sarif in den Medien zitiert. Dennoch könnte es ihm laut Beobachtern in Teheran den Job kosten - und den Reformern um Ruhani die Chancen bei der Präsidentenwahl.

Das Band soll von "internen Kreisen" gestohlen und zwei persischsprachigen Nachrichtensendern in London weitergeleitet worden sein. Dies ist laut Ruhani Hochverrat, weil beide Sender von "Feinden" des Irans finanziert würden und im Land verboten seien. Die beiden Sender hatten Ausschnitte aus dem Interview veröffentlicht und als Kritik Sarifs am islamischen Regime ausgelegt. Das "gestohlene Band" überschattet derzeit in den iranischen Medien alle anderen politischen Themen.

"Warum passieren gewisse Dinge gerade jetzt?"

Ruhani distanzierte sich zwar von dem Interview, aber auch er sieht in dem Tonband-Diebstahl eine Kampagne der Hardliner. "Warum passieren gewisse Dinge gerade jetzt, wo wir bei den Atomverhandlungen in Wien kurz vor einem Erfolg stehen", sagte der Präsident. Laut Ruhani wollen die Hardliner die Atomverhandlungen sabotieren und somit ihre Chancen zur Präsidentenwahl wahren. Der Iran sei gerade dabei, im Atomstreit mit den USA eine Kompromisslösung zu erzielen, die auch zu einer Aufhebung der US-Sanktionen und somit zum Ende der Wirtschaftskrise führen könnte. "Ich verstehe nicht, warum ein Wahlkampf für manche wichtiger ist als nationale Interessen und das Wohl des Volkes", sagte der Präsident.

nik DPA AFP

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