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Konflikt im Nahen Osten: Lage spitzt sich zu: Auch die Nato zieht Truppen aus dem Irak ab

Im Kampf gegen den IS setzt die Nato unter anderem auf eigene Militärausbilder. Sie sollten irakische Sicherheitskräfte schulen. Doch nun gibt das Bündnis die Mission teilweise auf – in der Region ist es zu gefährlich geworden.

Der Kanadier Dany Fortin ist der Kommandeur der Nato-Mission im Irak

Der Kanadier Dany Fortin ist der Kommandeur der Nato-Mission im Irak

AFP

Nach der Bundeswehr zieht wegen der Spannungen im Nahen Osten nun auch die Nato einen Teil ihrer Soldaten aus dem Irak ab. Das bestätigte ein Sprecher des Militärbündnisses am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Es würden "alle notwendigen Vorkehrungen zum Schutz" des Personals getroffen, so der Sprecher. 

Dies bedeute die zeitweise Verlegung eines Teils des Personals an andere Orte im Irak oder außerhalb des Landes, hieß es weiter. Man sei bereit, die Ausbildungsmission wieder aufzunehmen, wenn es die Lage vor Ort zulasse.

Tägliche Ausbildungsarbeit wurde bereits am Wochenende ausgesetzt

Die Spannungen in der Region hatten sich in den vergangenen Tagen dramatisch verstärkt. Grund war die Tötung des iranischen General Kassem Soleimani in der Nacht zum Freitag durch einen gezielten US-Drohnenangriff im Irak. Der Iran hatte daraufhin Vergeltung angekündigt. 

Brennender Flughafen

Angesichts der aktuellen Lage in der Region hatte die Nato bereits am Wochenende entschieden, die tägliche Ausbildungsarbeit zunächst auszusetzen. Die Mission laufe aber grundsätzlich weiter, hatte ein Sprecher betont. 

Auch Deutschland hat Truppen in der Region stationiert

Der aktuelle Irak-Einsatz der Nato läuft seit Oktober 2018. Er soll die irakischen Streitkräfte in die Lage versetzen, ein Wiedererstarken der Terrormiliz IS zu verhindern. Dazu schulen mehrere hundert Ausbilder irakische Militärausbilder und helfen beim Aufbau von Militärschulen. Als Ausbildungsort wurde neben der Hauptstadt-Region Bagdad unter anderem der Militärkomplex in Tadschi ausgewählt.

Die Bundeswehr ist an dem Nato-Einsatz nicht beteiligt. Sie hat aber ebenfalls Truppen in der Region stationiert: Mehr als 400 deutsche Soldaten sind an dem internationalen Anti-IS-Einsatz beteiligt. Von Jordanien aus fliegen sie Aufklärungseinsätze mit Tornados und Tankflugzeugen, im Irak werden irakische Sicherheitskräfte ausgebildet und beraten.

Bundeswehrsoldaten

35 von ihnen wurden nun als Reaktion auf die angespannte Lage aus dem zentralirakischen Tadschi sowie Bagdad nach Jordanien und Kuwait geflogen, wie die Bundeswehr mitteilte. Im kurdischen Erbil verbleiben bis auf weiteres 117 Soldaten, wie ein Sprecher des Einsatzführungskommandos zur Nachrichtenagentur AFP sagte.

Außenminister Heiko Maas (SPD) hatte am Montagabend im ZDF erklärt, die Bundesregierung werde "in den nächsten Tagen" nach Gesprächen mit Bagdad, aber auch mit den Partnern in der Anti-IS-Koalition sowie den Nato-Verbündeten entscheiden, "wie wir weiter verfahren werden". "Wir sind zusammen in den Irak gegangen, um den IS zu bekämpfen und wir werden auch zusammen wieder rausgehen."

Zuvor hatte der "Spiegel" über den Nato-Truppenabzug berichtet. 

mik / DPA / AFP