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Fox-Interview Weil sie Inventur machte: Melania Trump will nichts vom Sturm aufs Kapitol gewusst haben

Melania Trump bei einer Ehrung im Weißen Haus
Will nichts vom Sturm aufs Kapitol mitbekommen haben, weil sie im Weißen Haus Inventur machte: die ehemalige First Lady Melania Trump
© Anna Moneymaker / Imago Images
Der Sturm auf den US-Kongress und die Rolle vom ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump beschäftigen einen eigenen Untersuchungsausschuss. Die ehemalige First Lady Melania Trump will derweil nichts von den Vorfällen mitbekommen haben – weil sie wichtigere Termine im Weißen Haus hatte.

Der 6. Januar 2021 geht in die US-Geschichte ein. Ein wütender Mob um die Anhänger des US-Präsidenten Donald Trump stürmte das US-Kapitol, um die formelle Bestätigung des Wahlsiegs von Trump-Gegner Joe Biden zu verhindern. Fünf Menschen starben beim Angriff auf die US-Demokratie, die an dem Tag in ihren Grundfesten erschüttert wurde. Noch anderthalb Jahre später beschäftigt sich ein Untersuchungsausschuss mit den Vorgängen rund um den Sturm aufs Kapitol – im Zentrum steht dabei die Rolle von Ex-US-Präsident Donald Trump, der seine Anhänger mit seinen (Nicht-)Handlungen zusätzlich angestachelt haben soll. Nur eine will im Weißen Haus von den Vorgängen am 6. Januar nichts mitbekommen haben: die damalige First Lady Melania Trump.

In einem Interview mit "Fox News" erklärte Melania Trump, dass sie an diesem Tag schon lange geplanten offiziellen Pflichten der First Lady nachgekommen sei. "Dementsprechend habe ich nicht mitbekommen, was sich am Kapitol abgespielt hat." Sie sei an dem Tag damit beschäftigt gewesen, eine Art Inventur durchzuführen. Sie habe die Inhalte der historischen Räume des Weißen Hauses katalogisiert und Aufnahmen der Renovierungen für das Archiv anfertigen lassen. Das sei eine "sehr wichtige Aufgabe, die eine große Fürsorge, Auge fürs Detail und Konzentration benötige – sowohl in der Planung als auch in der Umsetzung", betonte die 52-Jährige. Die Arbeit mit Archivaren, Fotografen und Designer sei schon lange im voraus für den 6. Januar geplant worden. Wäre sie über die Vorfälle am Kapitol informiert gewesen, hätte sie sie sofort reagiert, versicherte Trump: "Ich verurteile jegliche Form von Gewalt." Einen solchen Tweet setzte die ehemalige First Lady jedoch erst fünf Tage später ab. 

Der Sender CNN säte Zweifel an der Version Melania Trumps. Demnach sei es nicht die Aufgabe der First Lady die Inventur im Weißen Haus zu koordinieren. Viel mehr seien der Kurator des Weißen Hauses sowie die "White House Historical Association" überwiegend dafür zuständig, das Verzeichnis über die Inhalte der offiziellen Sammlung des Weißen Hauses zu führen.

Melania Trump kritisiert Stabschefin Stephanie Grisham

Trumps Interview ist auch eine Reaktion auf die Aussagen ihrer ehemaligen Stabschefin Stephanie Grisham. Diese hatte Ende Juni einen Screenshot bei Twitter veröffentlicht, der eine Textnachricht an Melania Trump am 6. Januar zeigen soll. In dieser fragt Grisham einen als "MT" gekennzeichneten Kontakt, ob dieser nicht twittern wolle, dass friedlicher Protest das Grundrecht eines jeden Amerikaners ist, Gewalt und Gesetzlosigkeit jedoch keinen Platz in der Gesellschaft hätte. Als Antwort kam nur ein "Nein".

Sie habe Grisham immer unterstützt und habe sie zurück in den East Wing des Weißen Hauses geholt, nachdem Grisham als Pressesprecherin ihres Ehemanns versagt habe", klagte die ehemalige First Lady. Trump warf gegenüber "Fox News" Grisham vor, dass diese ihr nicht genügend Einblicke und Informationen über das Geschehen am Kapitol gegeben habe. "Ihr Verhalten ist nur teilweise öffentlich bekannt, aber das war typisch für ihre Arbeit", erklärte Trump. Grisham kündigte nach dem Sturm aufs Kapitol, die ehemalige First Lady sieht die jüngsten Aktionen auch als eine Art Rettungsanker für ihre Pressesprecherin. "Es ist offensichtlich, dass ihr jüngster Verrat ein verzweifelter Versuch ist, ihre ruinierte Karriere und ihren ramponierten Ruf zu retten", so Trump.

Grisham hatte den Tweet Ende Juni einen Tag nach der Anhörung der ehemaligen Weißen-Haus-Mitarbeiterin Cassidy Hutchinson abgesetzt, die im Untersuchungsausschus Trump schwer belastet. Gegenüber "CNN" erklärte Grisham, dass ihr Tweet ein guter Kontext zu den Vorgängen im Weißen Haus im Januar 2021 gewesen sei. "Ich kannte Melania gut, aber ich war so enttäuscht, entmutigt und angewidert davon, dass sie nicht einfach dafür eingesetzt hat zu sagen, dass es keine Gewalt geben sollte", begründete Grisham ihren Tweet.

Auch auf das Fox-Interview von Melania Trump reagierte Grisham auf "CNN"-Nachfrage. Ihr komme es vor, als sei das Interview als Ablenkung gedacht, um von den Verfehlungen Donald Trumps abzulenken. Es sei unmöglich, dass sie nichts vom Sturm auf das Kapitol mitbekommen habe. "Alles was sie gesagt hat ist Bullshit und das weiß sie auch."

Quellen: Fox News, CNN, CNN (2)


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