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Mord an bekanntem Journalisten: Fall Khashoggi: Haftbefehle gegen Vertraute von Kronprinz Mohammed bin Salman

Im Fall Jamal Khashoggi stellt die Türkei Haftbefehle gegen zwei hohe Beamte aus. Wer sind die Männer aus dem engsten Umfeld von Kronprinz Mohammed bin Salman, die Folter und Mord angeordnet haben sollen?

"Du bist nicht willkommen", heißt es auf diesen Plakaten: In Tunesiens Hauptstadt Tunis demonstrierten in der vergangenen Woche Menschen gegen den  saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Er machte auf seinem Weg zum G20-Gipfel Station in Tunis.

"Du bist nicht willkommen", heißt es auf diesen Plakaten: In Tunesiens Hauptstadt Tunis demonstrierten in der vergangenen Woche Menschen gegen den  saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Er machte auf seinem Weg zum G20-Gipfel Station in Tunis.

DPA

Die türkischen Ermittlungen im Fall des ermordeten Journalisten Jamal Khashoggi zielen ins engste Umfeld des saudiarabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Die Staatsanwaltschaft in der Türkei beantragte am Mittwoch Haftbefehle gegen zwei langjährige Vertraute des Prinzen. Der frühere Vize-Geheimdienstchef Ahmad al-Assiri und der ehemalige königliche Medienberater Saud al-Kahtani werden verdächtigt, den Mord an dem Regierungskritiker Khashoggi angeordnet zu haben. In Riad standen sie vor ihrer Entlassung im Zentrum der Macht.

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Saud al-Kahtani: königlicher Medienberater

Der königliche Medienberater gehörte zu den engsten Vertrauten von Kronprinz Mohammed bin Salman, bevor er am 20. Oktober seines Postens enthoben wurde. Ein "ehemaliger Berater habe bei der Tötung eine zentrale Rolle gespielt", erklärte damals die saudiarabische Staatsanwaltschaft. Kritiker warfen der Führung in Riad vor, al-Kahtani und al-Assiri als Bauernopfer zu nutzen, um von der Verantwortung des Kronprinzen abzulenken.

Vor seiner Absetzung war al-Kahtani ein wichtiger Strippenzieher in Riad: Als Medienberater des Königshauses organisierte er für den Thronfolger Interviews mit ausländischen Journalisten. Zudem leitete der 40-Jährige das Zentrum für Medienforschung am königlichen Hof. Khashoggi warf ihm Anfang des Jahres in der "Washington Post" vor, "schwarze Listen" über kritische Journalisten zu führen und Reporter einzuschüchtern.

In einem posthum veröffentlichten Interview im Magazin "Newsweek" bezeichnete Khashoggi den Vertrauten des Kronprinzen als "Gauner". "Die Menschen haben Angst vor ihm", sagte Khashoggi. "Wenn Sie ihn herausfordern, riskieren Sie, im Gefängnis zu landen, und genau das ist auch passiert." Er sei der "wichtigste Mann in den Medien" und kontrolliere die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung in Riad, sagte Khashoggi.

Der 40-jährige soll Internetkampagnen gegen den Iran, Katar und andere Feinde des Königreichs gesteuert haben. Auf Twitter, wo al-Kahtani über 1,3 Millionen Follower verfügte, war er für seine Angriffe auf Dissidenten und Rivalen bekannt. "Ich mache nichts auf eigene Faust, ohne Anweisungen. Ich bin Angestellter und Ausführender meines Königs und meines Kronprinzen", schrieb er vergangenes Jahr im Kurzmitteilungsdienst.

Der getötetete saudiarabische Journalist Khashoggi

Der getötetete saudiarabische Journalist Jamal Khashoggi

Ahmed al-Assiri: General mit direktem Zugang zum Kronprinzen

Der General war vor seiner Entlassung am 20. Oktober ein wichtiger Berater des Königshauses. Auch er hatte direkten Zugang zum Kronprinzen: Waren ausländische Gäste bei dem 33-jährigen Thronfolger zu Gast, wohnte al-Assiri häufig den Gesprächen hinter verschlossenen Türen bei. Der an der renommierten französischen Militärakademie Saint-Cyr ausgebildete Offizier spricht fließend Englisch und Französisch.

Bevor er vergangenes Jahr zum Vizechef des Geheimdienstes ernannt wurde, diente al-Assiri als Sprecher der von Saudi-Arabien angeführten Militärkoalition gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Der ausgebildete Pilot war für seine Attacken auf Journalisten bekannt, die es in ihren Artikeln wagten, die Verfehlungen Saudi-Arabiens im Jemen zu kritisieren, wo bei Luftangriffen der Koalition immer wieder zahlreiche Zivilisten getötet werden.

Zu seiner Entlassung am 20. Oktober erklärte die Staatsanwaltschaft, ein "ehemaliger" Vize-Geheimdienstchef habe den "Anführer der Mission" in Istanbul angewiesen, "das Opfer durch Mittel der Überzeugung zurückzubringen und - sollte die Überzeugung scheitern - dies gewaltsam zu tun". Kommentatoren vermuteten damals, Riad versuche mit der Entlassung des Vize-Geheimdienstchefs und al-Kahtanis den Kronprinzen zu entlasten.

Für viele Beobachter hat ihre Entlassung aber nur den Verdacht bestätigt, dass das Verbrechen im inneren Zirkel des Kronprinzen geplant wurde. Wegen des Mordes haben die USA, Deutschland, Frankreich und andere Länder Einreisesperren gegen bis zu 21 Verdächtigen verhängt, doch wurden die Namen der Betroffenen nicht veröffentlicht. Ob al-Assiri und al-Kahtani auf den Sanktionslisten stehen, ist daher unklar.

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anb / AFP