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Kreml-Kritiker Moskau zu Nawalny: Angeblich keine Belege für Giftanschlag – Experte widerspricht

Sehen Sie im Video: Laut Moskau angeblich keine Belege für Giftanschlag auf Nawalny – Experte widerspricht.




Alexej Nawalnys Frau am Dienstag auf dem Weg in die Charité, wo ihr Mann weiter stationär behandelt wird. Aus Russland hieß es, man sehe trotz der ersten Erkenntnisse der Berliner Universitätsklinik bislang keine Beweise für einen Giftanschlag auf den erkrankten Oppositionspolitiker. Die Charité-Diagnose sei kein definitiver Beleg dafür, sagte ein Sprecher des Präsidialamtes in Moskau. Eine Untersuchung der Umstände, die zu der schweren Erkrankung führten, sei deshalb nicht notwendig. Kreml-Sprecher Dimitri Peskow sagte in einer Online-Pressekonferenz weiter, im Moment sähe man lediglich, dass der Patient im Koma liege. Für die russische Regierung bliebe es unklar, warum die Ärzte in Deutschland so rasch von einer Vergiftung gesprochen hätten. Die Charité hatte am Montag mitgeteilt, dass klinische Befunde auf eine Vergiftung Nawalnys durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer hinwiesen. Laut Richard Parsons, Dozent für biochemische Toxikologie am Londoner King's College, dienten solche chemischen Verbindungen, die auch für andere Zwecke verwendet werden können, schon in der Vergangenheit gezielt für Anschläge. "Wir haben sie öfter bei der Vergiftung spezieller Personen gesehen, auch in den letzten paar Jahren, ähnliche Nervengase, eine andere Gruppe namens Nowitschok, die extrem stark wirken. Die wurden bei dem Anschlag gegen die Skripals in Salisbury benutzt und wurden mutmaßlich auch in diesem Fall verwendet, auch wenn der Stoff noch nicht identifiziert wurde. Das deutsche Krankenhaus hat eine Vergiftung mit Cholinesterase-Hemmern bestätigt. So etwas wurde seit nahezu einem Jahrhundert als Waffe angewandt." Vertreter der Bundesregierung und weitere internationale Politiker haben die russischen Behörden inzwischen aufgefordert, den Vorfall zu untersuchen. Nawalny ist einer der prominentesten Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Er wurde wiederholt inhaftiert, verklagt und von der Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen 2018 ausgeschlossen. Der Kreml-Sprecher sagte am Dienstag, jegliche Andeutungen, Putin sei irgendwie in die Krankheit Nawalnys verwickelt, seien "heiße Luft", die Moskau nicht ernst nehme. Im Berliner Krankenhaus wird Nawalny aus Sorge um seine Sicherheit bewacht.
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Russland sieht trotz der ersten Erkenntnisse der Charité bislang keine Beweise für einen Giftanschlag auf den führenden Oppositionspolitiker Alexej Nawalny. Richard Parsons, Dozent für biochemische Toxikologie in London, widerspricht.

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