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Nach fünf Tagen Geiselhaft im Luxushotel Gaddafi-Getreue lassen Journalisten frei


Tagelang bangten in der libyschen Hauptstadt 37 Journalisten in einem Luxushotel um ihr Leben. Kämpfer Gaddafis hielten sie in Schach. Vor der Tür lauerten Scharfschützen. Dann plötzlich die Wende: Am Mittwoch kamen sie frei.

Obwohl ganz nah dran, konnten sie tagelang nicht über die entscheidenden Straßenkämpfe in der libyschen Hauptstadt Tripolis berichten. 37 Journalisten saßen im Nobelhotel Rixos in der Falle. Kämpfer, die weiterhin loyal zu Diktator Muammar al-Gaddafi stehen, hielten die Medienvertreter in Schach. Am Mittwoch dann ein glückliches Ende der "Fünf-Sterne-Geiselhaft": Die Bewaffneten ließen die etwa 40 Männer und Frauen ziehen.

Der angeschlagene Machthaber hatte die Reporter vor einigen Tagen noch in sein Wüstenland gelassen, in der Hoffnung, sie für seine Sicht der Dinge einspannen zu können. Als die Schlacht für ihn zunehmend aussichtsloser geworden zu sein schien, wollten seine Anhänger die Journalisten nicht gehen lassen. Auch einige ausländische Diplomaten, die in dem Hotel abgestiegen waren, saßen fest.

Die Lage wurde für die Journalisten nach Berichten von Korrespondenten immer dramatischer, nachdem die Rebellen am Dienstag weite Teile der Hauptstadt unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Am Mittwoch konzentrierten sich die Kämpfe auf zwei Stadtteile. Scharfschützen Gaddafis hätten den Schutz von Bäumen in Parkanlagen gesucht und immer wieder Rebellen ins Visier genommen, berichtete der arabische Nachrichtensender Al-Dschasira. Feuergefechte habe es auch in unmittelbarer Nähe des Hotels gegeben.

Das sei zwar glimpflich abgegangen, berichtete BBC-Reporter Matthew Price. Aber es herrschte große Nervosität unter den Journalisten. Wächter hätten in den Fluren patrouillieren. Ein Kameramann des britischen Fernsehsenders ITN sei mit einem Schnellfeuergewehr des Typs AK 47 bedroht worden, als er versuchte habe, auf die Straße zu gehen. Für Price war klar, dass er und seine Leidensgenossen das Hotel nicht verlassen durften.

In dem Nobelhotel wurde es zunehmend ungemütlicher. CNN-Reporter Matthew Chance hatte berichtete, es gebe nur zeitweise Strom. Bei Nacht liefen die "Gäste" mit Kerzen umher und durchsuchten die Räume des Luxushotels nach Essbarem. In ihre Zimmer trauten sich viele auch nicht mehr: Aus Angst, von den Kämpfen etwas abzukommen, verbrachten sie die Nacht lieber in der Lobby oder auf den langen Fluren. Mit Helm und schusssicherer Weste campierten sie auf dem Fußboden. Am Mittwoch endete das libysche Abenteuer für die Ausländer dann doch noch glimpflich.

DPA DPA

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