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Besuch bei den Olympischen Spielen: Kim Yo Jong - erstmals wagt sich ein Machthaber-Spross zum Brudervolk in den Süden

Kim Yo Jong, Schwester von Nordkoreas Diktator Kim Jong Un, wird die Olympischen Spiele in Pyeongchang besuchen. Mit ihr reist erstmals ein Mitglied des Herrscher-Clans ins südliche Feindesland. Wer ist die Frau?

Kim Yo Jong in Pjöngjang

Kim Yo Jong (M.) bei einer Zeremonie in Pjöngjang im April 2017

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Das erste Mal tauchte Kim Yo Jong beim Besuch einer Altenheim-Baustelle öffentlich auf. Im März 2015 war das, ihr großer Bruder Kim Jong Un erteilte dort Vorort-Anweisungen, wie es Nordkoreas Diktatoren schon seit Jahrzehnten tun. Und sie, die kleine Schwester, damals 27 oder 28 Jahre alt, stand im Hintergrund und machte sich eifrig Notizen. Es war nicht gerade ein glanzvoller Auftritt, aber offensichtlich der Beginn ihres Weges zu höheren Aufgaben. Vor wenigen Monaten wurde die 30-Jährige ins Politbüro befördert - dem höchsten Vollzugsorgan in der isolierten Diktatur. Nun scheint sie reif für das ganz große Publikum zu  sein, ja reif für die Welt: Die Schwester von Nordkoreas Machthaber reist zu den olympischen Spielen nach Pyeongchang. Und es wird der erste Besuch eines Mitglied aus dem Kim-Clan im verfeindeten Ausland sein.

Die Tante, die plötzlich verschwand

Mit seiner Schwester füllte Kim Jong Un die oberste Staatsführung wieder mit Familienmitgliedern auf, die zuletzt etwas abhanden gekommen waren. Bis vor ein paar Jahren war noch die gemeinsame Tante Kim Kyong Hui Mitglied in den obersten Gremien. Doch nachdem ihr Mann Jang Song Thaek Ende 2013 in Ungnade gefallen und nach einem Schauprozess hingerichtet worden war, ist auch sie aus der Öffentlichkeit verschwunden. Gerüchten zufolge soll sie entweder geflohen, erkrankt oder sogar gestorben sein. Ihre Nichte Kim Yo Jong entstammt wie deren Bruder wieder aus der direkten Familienlinie, die bis auf den Staatsgründer Kim Il Sung zurückgeht. In den "zehn Prinzipien" der nordkoreanischen Arbeiterpartei ist festgeschrieben, dass die Kim-Familie, dort auch "Baekdu Stammbaum" genannt, auf "ewig" die Revolution anführen müsse.

Kim Yo Jong bei Militärparade

Auf der Empore der Macht: Kim Yo Jong (im roten Kreis, l.) bei einer Militärparade im Oktober 2015 in Pjöngjang

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Seit Kim Jong Un in dritter Generation die Macht in dem Staat übernommen hat, soll er seiner Schwester diverse Posten verschafft haben, um die Stellung der Familie innerhalb des Regimes zu stärken. 2014 wurde sie zu einer stellvertretenden Abteilungsleiterin des Zentralkomitees ernannt. Seitdem gab es immer wieder Spekulationen, dass sie in der Machthierarchie weiter vorrücken und ihrem Bruder bei den Regierungsgeschäften stärker zur Hand gehen könnte. Nordkorea-Kenner wie Michael Madden von der "Johns Hopkins School of Advanced International Studies" sehen in Kim Yo Jong einer der engsten Vertrauten ihres Bruders, die schon früh Interesse an Politik gezeigt hätte und deshalb schnell zum "Power Player" werden würde, wie Madden sagt.


Kim Jong Un als auch Kim Yo Jong entstammen beide aus der Beziehung von Kim Jong Il, dem zweiten Diktator Nordkoreas, mit seiner dritten Frau. Insgesamt hatte er fünf Kinder. Der älteste Sohn und ursprünglich für die Machtnachfolge vorgesehene Kim Jong Nam wurde im Februar dieses Jahres auf dem Flughafen von Malaysia mit dem Nervengift VX attackiert und starb. Gegen die beiden Attentäterinnen läuft derzeit der Prozess. Gerüchten zufolge soll hinter dem Anschlag Kim Jong Un stecken, der seinen möglichen Konkurrenten ausschalten wollte. Der Bruder war vor vielen Jahren ins Ausland emigriert, nachdem er mit einem gefälschten Pass nach Japan einreisen wollte - um dort Disneyland zu besuchen.

Vier Kims auf wichtigen Posten in Nordkorea 

Die beiden Kims haben noch eine Halbschwester, die im Propagandaministerium arbeiten soll, sowie den Halbbruder Kim Jong Chul. Auch ihm wurde einst eine Zukunft als Führer Nordkoreas vorhergesagt, doch angeblich empfand ihn der Vater als zu "weiblich" für diese Rolle, weshalb am Ende der jüngste Sohn Kim Jong Un zum Diktatoren-Nachfolger erkoren wurde. Kim Jong Chul ist in der Führungsspitze der allmächtigen Arbeiterpartei. Damit bekleiden nun vier Kims einflussreiche Positionen in dem Land. 

Im Zuge seines jüngsten Annäherungskurses an Südkorea schickt Kim Jong Un seine jüngere Schwester zu den Olympischen Spielen nach Pyeongchang. Ihre Delegation soll am Freitag, wenn die Spiele eröffnet werden, anreisen und bis zum Sonntag bleiben. Der Besuch gilt als Zeichen dafür, dass der Diktator seinen Schmusekurs gegenüber dem eigentlich verfeindeten Süden fortsetzen will.