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Tod durch Erschießung Wegen Verbreitung südkoreanischer Filme: Nordkorea soll zwei Jugendliche öffentlich hingerichtet haben

Die Flagge Nordkoreas
Die Flagge Nordkoreas: Wer in dem abgeschotteten Land westliche Filme oder Musik verbreitet, dem droht die Todesstrafe
© Winfried Rothermel / Picture Alliance
Das Regime in Nordkorea befürchtet die Beeinflussung der eigenen Jugend durch westliche Filme und Musik und geht hart gegen deren Verbreitung vor. Zwei Jugendliche sollen das das Leben gekostet haben.

In Nordkorea sollen drei Jugendliche öffentlich durch ein Erschießungskommando hingerichtet worden sein. Zwei der Exekutierten sollen die Todesstrafe bekommen haben, weil sie südkoreanische Filme angesehen und verbreitet hatten, der Dritte weil er seine Stiefmutter ermordet hatte, berichtet der Sender Radio Free Asia unter Berufung auf zwei Personen, die nach eigenen Angaben Augenzeugen der Erschießungen waren. Die Hinrichtung fanden demnach bereits im Oktober statt.

Die Jugendlichen sollen den Aussagen zufolge etwa 16 oder 17 Jahre alt gewesen seien. Ihre angeblichen Verbrechen seien gleichermaßen schlimm gewesen, hätten die Behörden den verängstigten Bewohnern der Stadt Hyesan an der Grenze zu China mitgeteilt. Die Anwohner seien gezwungen worden, bei der Erschießung auf einem Flugplatz in der Stadt zuzusehen.

"Sie sagten: 'Denjenigen, die südkoreanische Filme und Dramen ansehen oder verbreiten, und denjenigen, die die soziale Ordnung durch die Ermordung anderer Menschen stören, werde nicht vergeben und sie würden zur Höchststrafe verurteilt – dem Tod'", zitiert Radio Free Asia eine Augenzeugin. "Die Einwohner von Hyesan versammelten sich in Gruppen an der Landebahn", schilderte sie den Vorfall. "Die Behörden stellten die Teenager vor die Öffentlichkeit, verurteilten sie zum Tode und erschossen sie sofort."

Nordkorea fürchtet Beeinflussung der Jugend

Hinrichtungen dieser Art seien in Nordkorea zwar selten, aber nicht ungewöhnlich, berichtet der Sender. Etwa eine Woche vor der Erschießung der Jugendlichen hätten die Behörden der Bevölkerung in öffentlichen Versammlungen mitgeteilt, dass sie gegen Verbrechen im Zusammenhang mit ausländischen Medien, insbesondere aus Südkorea, hart vorgehen würden.

Südkoreanische und westliche Filme sowie Musik und Fernsehsendungen haben sich nach Angaben von Radio Free Asia in den vergangenen Jahren auf USB-Sticks und SD-Karten in Nordkorea verbreitet. Die Medien würden von Schmugglern aus China ins Land gebracht und dann von Mensch zu Mensch weitergegeben. Nordkorea sei zunehmend besorgt, dass die südkoreanische Kultur, die als dekadent und antirevolutionär angesehen werde, auf die eigene Jugend abfärbt.

Personen, die dabei erwischt würden, wie sie sich einen ausländischen Film ansehen, kämen nach Aussage der Quelle aus Hyesan in ein Disziplinararbeitszentrum, berichtet der Sender weiter. Sollten sie erneut erwischt werden, würden sie für fünf Jahre in ein Arbeitslager für Strafgefangene gesteckt, zusammen mit ihren Eltern, die die Verantwortung für die unsachgemäße Erziehung ihrer Kinder übernehmen müssten. Wer jedoch beim Vertrieb oder Verkauf südkoreanischer Filme erwischt werde, dem drohe die Todesstrafe, auch wenn er oder sie minderjährig sei.

Die nun hingerichteten Jugendlichen waren der Quelle zufolge erwischt worden, als sie versucht hätten, USB-Sticks mit geschmuggelten Medien auf ihrem örtlichen Marktplatz zu verkaufen. Die Behörden würden Spione in die Bevölkerung einschleusen, die dann die Verkäufer bei der Polizei meldeten. "Die Studenten wurden in eine Falle gelockt", sagte die Augenzeugin.

Die Nachricht von der Hinrichtung habe sich verbreitet und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt, erzählte ein Bewohner der Nachbarprovinz Nord-Hamgyong Radio Free Asia unter der Bedingung der Anonymität. Trotz intensiver Kontrollen und harter Maßnahmen würden junge Leute immer noch dabei erwischt, wie sie heimlich südkoreanische Filme anschauen. "Deshalb beginnen die Behörden jetzt mit einer Schreckensherrschaft durch öffentliche Hinrichtungen."

Quelle: Radio Free Asia

mad

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