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Machtkampf: Miese Stimmung bei der NRA: Waffenlobby verliert viertes Führungsmitglied in nur zwei Wochen

Mit Julie Golob geht bereits das vierte Vorstandsmitglied der US-Waffenlobbyisten in wenigen Wochen. Doch die Rücktritte sollen nichts mit der anhaltenden Kritik an der NRA zu tun haben.

Donald Trump bei der NRA

Zwischen ihn und die NRA passt offenbar kein Blatt: Donald Trump im April bei der Jahrestagung der Waffenlobbyisten in Indianapolis

DPA

In den USA gibt es mehr Waffen als Einwohner: 330 Millionen. Doch entgegen dem Vorurteil besitzen die allermeisten Amerikaner keine einzige davon - 78 Prozent, um genau zu sein. Anders gesagt: Sämtliche Gewehre und Pistolen verteilen sich auf ein Fünftel der Bevölkerung. Noch genauer: 50 Prozent aller Waffen sind sogar in den Händen von nur drei Prozent der US-Amerikaner. Angesichts solcher Zahlen ist es erstaunlich, wie viel Einfluss die Waffenlobby, allen voran die NRA, auf die US-Politik hat. Doch bei der "National Rifle Association" knirscht es. Erneut hat ein Vorstandsmitglied hingeworfen – der vierte Abgang einer Führungsfigur in zwei Wochen.

Keine Abkehr vor der NRA

Laut der "Washington Post" hat die Sportschützin Julie Golob nun ihren Rücktritt eingereicht. "Es war mir eine Ehre, die Mitglieder der NRA zu vertreten, aber ich bin nicht länger in der Lage, meine Pflichten als Direktorin zu erfüllen", schrieb sie einer Stellungnahme. Als Abkehr von der NRA will Golob ihren Schritt aber nicht verstanden wissen: "Ich werde weiterhin die Ziele der NRA vertreten", schreibt sie. Offiziell hat die anhaltende Kritik an den Waffenlobbyisten nichts mit ihrem Rücktritt zu tun.

US-Präsident Donald Trump steht vor einer blauen Wand mit NRA-Logo und zielt mit dem rechten Zeigefinger ins Publikum

Auch ohne Massaker wie jüngst in Texas und Ohio toben bei der NRA schon länger intern heftige Streitereien. So war der zum Führungszirkel zählende Lobbyist Chris Cox erst vor wenigen Tagen zurückgetreten, nachdem ihm nachgesagt worden war, er wolle den langjährigen NRA-Chef Wayne LaPierre aus dem Amt drängen. Streit gibt es auch zwischen der NRA und der Werbeagentur Ackerman McQueen. Die NRA reichte gegen die Agentur wegen angeblich überzogener Rechnungen eine Klage ein. Im April hatte NRA-Präsident Oliver North angekündigt, dass er sich nicht zur Widerwahl stellen wolle.

NRA-Chef warnt vor Gesetzesverschärfung

Die Waffenlobby gerät wegen ihres heftigen Widerstands gegen schärfere Waffengesetze immer wieder unter Druck. Nach den jüngsten Schießereien hatte Wayne LaPierre mit US-Präsident Donald Trump telefoniert und vor strengeren Überprüfungen von Waffenkäufern gewarnt. Das wurde unter anderem von der Opposition und Teilen der regierenden Republikaner gefordert. LaPierre vertrat in dem Gespräch die Ansicht, schärfere Waffengesetze "hätten die schrecklichen Tragödien von El Paso und Dayton nicht verhindert". Trump steht grundsätzlich aufseiten der NRA, von der er im Wahlkampf Spenden in Höhe 30 Millionen Dollar erhalten hatte.

Im vergangenen Jahr, nach dem Massaker an einer Schule in Parkland in Florida, sah es kurzzeitig so aus, als würde Trump ebenfalls schärfere Gesetze unterstützen wollen. Damals ging es darum, das Mindestalter für Waffenkäufe zu erhöhen. Einen Tag später traf er sich mit Vertretern der Organisation - und rückte danach wieder von der Forderung ab. Bemühungen um härtere Waffengesetze laufen seit Jahren ins Leere - vor allem, weil Trumps Republikaner dagegen sind.

NRA bringt Politiker zu Fall

Die NRA bekämpft vehement jeden Versuch, Waffenbesitz stärker zu regulieren und benotet etwa auch Abgeordnete mit Blick auf deren Haltung zu Waffen-Themen - quasi als Handreichung an ihre Mitglieder, wen diese wählen sollten und wen nicht. Damit hat sie schon politische Karrieren beendet: In den 90er-Jahren legte sich der damalige Vorsitzende des Repräsentantenhauses, der Demokrat Tom Foley, mit der Waffen-Lobby an, als er ein Verbot von Sturmgewehren unterstützte. Die NRA startete daraufhin eine Kampagne gegen ihn. Am Ende verpasste Foley den Wiedereinzug in den Kongress.

Quellen: "Washington Post", DPA, AFP, "Axios", Gun Policy.org, "Süddeutsche Zeitung"

nik