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NSA-Leaks: Hat eine versteckte Drucker-Funktion die NSA-Whistleblowerin enttarnt?

Farbausdrucke verraten mit einem Code, wann und wo sie ausgedruckt worden sind. Diese umstrittene Funktion ließ möglicherweise die Whistleblowerin auffliegen, die brisante Dokumente über die Einmischung Russlands in die US-Wahl weitergab.

NSA Hauptquartier

NSA-Hauptquartier in Fort Meade

Bei Whistleblowern verstehen die USA so gar keinen Spaß. Allein unter der Regierung von Barack Obama wurden fünf von ihnen angeklagt, mehr als unter allen US-Präsidenten zusammen - und das, obwohl sich Obama im Wahlkampf noch sehr wohlwollend über den "transparenzschaffenden" Geheimnisverrat geäußert hatte. Unter Donald Trump dürfte sich die Praxis kaum ändern. Eine 25-jährige Mitarbeiterin eines NSA-Dienstleisters ließ sich dennoch nicht abschrecken und wurde prompt festgenommen, weil sie Informationen an die Enthüllungsplattform "The Intercept" weitergeleitet haben soll - dabei hat sie sich für eine Geheimdienstmitarbeiterin möglichweise reichlich ungeschickt angestellt.

Russland-Einmischung in US-Wahl größer als gedacht

Die Papiere, die "The Intercept" vorliegen, zeigen, dass Hacker mit Verbindungen zum russischen Militärgeheimdienst GRU über Monate hinweg versucht haben, systematisch in US-Wahlsysteme einzudringen. Sollten sich die NSA-Erkenntnisse bewahrheiten, dann hätte die Einmischung aus Russland in den US-Wahlkampf größere Ausmaße als bislang angenommen. Über den Inhalt als solchen hat sich die US-Regierung bislang nicht geäußert. Auf ihre Schliche könnten die Ermittler gekommen sein, weil der Frau eventuell unklar war, dass der Ursprung der Papiere nachvollziehbar ist.

Das vermutet zumindest der IT-Blogger Rob Graham. In einem Beitrag auf seiner Seite "Errate Security" weist er auf eine Art Überwachungsfunktion von Druckern hin, die ursprünglich einmal eingebaut worden war, um Fälschungen zu verhindern. Vereinfacht gesagt, fügt das Gerät jedem Blatt einen Code hinzu, der sowohl den ausgebenden Drucker als auch das Druckdatum beinhaltet. Beinahe unnötig zu sagen, dass die NSA die anfallenden Informationen sammelt und diese Praxis von Datenschützern seit langem heftig kritisiert wird. Auch auf dem Dokument, dass "The Intercept" vorliegt, war die entsprechende Markierung zu finden. Danach wurden die Unterlagen auf einem Gerät mit der Seriennummer 29535218 am 9. Mai 2017 ausgedruckt.

Wusste die Whistleblowerin nichts von der Funktion?

Über diese Angaben war es für den Auslandsgeheimdienst vermutlich ein Leichtes, denjenigen ausfindig zu machen, der den Druckauftrag gab. Sollte die Vermutung des Bloggers stimmen, stellt sich natürlich die Frage, warum eine die Mitarbeiterin der Firma Pluribus International, die für die NSA arbeitet, so unvorsichtig war, brisante und vertrauliche Dokumente ausgerechnet auszudrucken. Möglicherweise wusste sie nichts von der Funktion, was allerdings auch kein gutes Bild auf die Nationale Sicherheitsbehörde wirft. Zudem zitiert die IT-Webseite "Heise" einen Tweet des Hackers Matthew Garret, der sich fragt, warum die Enthüllungsseite "Intercept" zwar erklärt, wie man ihr geheimes Material zuspiele, aber nicht, wie man dessen Herkunft verschleiere.

Die mögliche Einmischung Russlands in die US-Wahl beschäftigt amerikanische Ermittler schon seit vielen Monaten. Laut den jetzt veröffentlichten Dokumenten soll es bis kurz vor der Abstimmung am 8. November mittels Cyberspionage wiederholt Versuche gegeben haben, Informationen über die bei der Wahl eingesetzte Hard- und Software zu erlangen. Dazu seien unter anderem Phishing-E-Mails versendet worden um Schadsoftware zu platzieren. Außerdem habe es Versuche gegeben, Login-Daten zu stehlen. Wie erfolgreich der Versuch gewesen sei und welche Daten möglicherweise gestohlen wurden, bleibe allerdings unklar, heißt es demnach in dem NSA-Bericht. 

"The Intecept" kennt Quelle nicht 

Geheimdienstvertreter bestätigten US-Medien, dass die Festnahme der 25-Jährigen im Zusammenhang mit dem Bericht der Enthüllungsplattform stehe. "Intercept"-Sprecherin Vivian Siu sagte, das NSA-Dokument sei der Enthüllungsplattform anonym zugespielt worden. Das Medium habe "keine Kenntnis über die Identität der Quelle." Die Regierung von Präsident Donald Trump hatte das Justizministerium zuletzt angewiesen, verstärkt gegen die Weitergabe vertraulicher Informationen vorzugehen. Auch der US-Präsident selbst steht wegen möglicher illegaler Kontakte seines Wahlkampfteams nach Moskau unter Druck.

Obama kündigt Reaktion an


nik / nik