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Vereidigung in Washington: "Das schlimmste Kabinett der Geschichte" - Pressestimmen zu Trumps Start

Die Zeit des Donald Trump ist gekommen. Er wird als Präsident vereidigt. Und die internationale Presse blickt gebangt nach Washington. Die Stimmung schwankt zwischen leiser Hoffnung und Resignation. 

US-Regierung: Trumps Kabinett: Das sind die neuen Minister der US-Regierung

Auf dem sanft geschwungenen Capitol Hill wird Donald Trump am Freitagnachmittag die rechte Hand heben und seinen Amtseid ablegen. Während in Washington die letzten Vorbereitungen zur Vereidigung des 45. US-Präsidenten laufen, blickt die Weltpresse skeptisch in die Zukunft. Die "Washington Post" fürchtet sich vor dem "schlimmsten Kabinett der amerikanischen Geschichte". Die europäische Presse ist zumindest zum Teil bereit, Trump eine Chance zu geben. Und manchen fällt der Abschied von Barack Obama gar nicht so schwer.

Großbritannien: "Times"

"Von heute an ist Präsident Trump mit Entscheidungen über Leben und Tod konfrontiert - zum Beispiel, ob man die von seinem Vorgänger angeordneten Bombenangriffe auf IS-Terroristen in Syrien fortsetzen soll oder nicht. Zugleich scheint er aber die Geheimdienste zu verachten, die traditionell Hilfestellungen für derartige Entscheidungen liefern. Unter den hochrangigen Nominierten für seine Regierung gibt es keinen Verfechter des Freihandels, obwohl er ein wichtiger Pfeiler des amerikanischen Wohlstands ist. Er strebt freundliche Beziehungen zu Wladimir Putin an, obwohl der russische Präsident die Nato und die Europäische Union stören und nach Möglichkeit demontieren möchte. 

Wie Trump diese offenkundigen Widersprüche aufzulösen gedenkt oder ob sie ihm egal sind, bleibt rätselhaft. Doch gerade weil so viel Unsicherheit darüber besteht, wie er zu regieren gedenkt, hat er die historische Chance, die Zweifler in Verwirrung zu stürzen und sich am Ende als echter Reformer zu erweisen. (...) Die Welt kann nur hoffen, dass Trump fundierter Beratung Beachtung schenkt und dann auf der Basis von Kenntnissen regiert. Im Oval Office sind Instinkte nicht genug."

USA: "Washington Post"

"Klagen über das neue Kabinett gibt es jedes Mal, wenn eine neue Regierung ins Amt kommt. Aber was jetzt geschieht ist außerodentlich. Das Kabinett von Donald Trump ist eine beispiellose Ansammlung aus ethischen Problemfällen, Unerfahrenheit, Feindseligkeit gegenüber den eigenen Ämtern und schlichter Unwissenheit. Diese Konstellation ist nichts geringeres als das schlimmste Kabinett in der amerikanischen Geschichte."

Die Niederlande: "De Telegraaf"

"Die Kritik an dem Republikaner ist in den Niederlanden wie überall in Europa groß, aber wenig produktiv. Die Amerikaner haben einen neuen Präsidenten gewählt und wir müssen mit ihm zurechtkommen. Viel wird von seinen Ministern abhängen, jedoch ist wohl bereits klar, dass Trump in seiner Außenpolitik sich nicht mit Selbstverständlichkeit für Europa als wichtigstem Bündnispartner entscheiden wird. Im vorigen Jahr hatte der Republikaner erklärt, dass Nato-Mitglieder nur dann mit dem Schutz der USA rechnen können, wenn sie ihren "ehrlichen Anteil" an den Kosten der transatlantischen Verteidigungsorganisation bezahlen. In militärischer Hinsicht ist Europa schon seit Jahrzehnten auf die USA angewiesen. Die Diskussionen darüber ziehen sich seit langem hin. Doch unter Trump wird die Wahrscheinlichkeit größer, dass die europäischen Nato-Länder mehr eigne Verantwortung übernehmen müssen." 

Russland: "Wedomosti"

"Das Fehlen einer allgemeinen außenpolitischen Strategie der Obama-Regierung sowie einer klaren Linie im Verhältnis zum Nahen Osten, zu China und zu Russland zeugt bereits von einer Krise der globalen Führerschaft der USA. Donald Trump kann diesen Prozess beenden, indem er unklaren globalen Ambitionen eine klare Strategie der Selbstermächtigung entgegensetzt, die auf nationalen Interessen basiert. Ob er es vermag, werden wir sehen."

USA: "New York Times"

"Die Frage, die die Vereidigung von Trump am Freitag begleitet lautet: Ist er der Aufgabe, die Nation zu vereinigen, gewachsen? Kann er einen Ton anschlagen, den die Amerikaner bereits seit Generationen als präsidial begreifen? Oder werden Selbstdemontage und offene Feindseligkeiten eine Ära der inneren und globalen Krisen kennzeichnen?

Deutschland: "Die Welt"

 "Trump ist bestimmt kein Sympathieträger wie Obama, eher ein Amateur und Grobian, dem diplomatische Umgangsformen, wie sie der deutsche Außenminister Steinmeier verkörpert, wesensfremd sind. Es könnte aber sein, dass er seinen Erfolg gerade diesem Manko verdankt. Die 'dummen' Leute, die ihn gewählt haben, sind jedenfalls klug genug, um zu erkennen, dass die Polit-Profis versagt haben - auf der großen Bühne der Weltpolitik, von der Ukraine bis Syrien, und auf den kleinen Bühnen von North Dakota bis West Virginia, wo der von Obama versprochene Wohlstand nicht eingetroffen ist. Also geben sie einem Amateur die Chance zu zeigen, dass er es besser kann. So vernünftig kann Politik sein."

Tschechien: "Lidove noviny"

"Die Europäer, besonders die Deutschen, hatten sich anfangs in Obama verliebt. Sie sahen in ihm eine Art neuzeitlichen Winnetou, einen edlen Wilden, auf den sie ihre Vorstellungen von Amerika projizieren konnten. Sie glaubten an seinen Pazifismus.

Als sich indes zeigte, dass die USA statt Soldaten nur Drohnen und Abhörmaßnahmen einsetzen, verfielen seine Fans einer leichten Depression. Sie stempelten Obama schnell als falschen Heilbringer ab und stilisierten stattdessen den Überläufer Snowden zu einem Helden.

Obamas Anhänger mussten erkennen, dass der Präsident nie ein Winnetou war, sondern an der Spitze einer atomaren Supermacht stand - nein, das ist wahrlich keine Überraschung, denn in dieses Amt war er ja auch gewählt worden." 

Lettland: "Neatkariga Rita Avize"

"Schon jetzt ist klar, dass die Zeremonie, die die politischen Gegner des gewählten Präsidenten boykottieren wollen, nicht so prächtig und ehrgeizig sein wird wie die vorherigen. Darüber hinaus gibt es Bedenken, dass die vielen Demonstranten, die sich seit Anfang der Woche in Washington versammeln, versuchen werden, die Amtseinführung von Trump zu stören. (...) Die Einstellung der Unterhaltungsindustrie zu Trump ist gelinde gesagt reserviert. Eine ganze Reihe von Schauspielern, Musikern und anderen Prominenten hatte schon bevor sie überhaupt gefragt wurden mitgeteilt, der Inauguration fernzubleiben und nicht bei den Veranstaltungen auftreten zu wollen." 

Spanien: "La Vanguardia"

"Wenn Barack Obama morgen mit seiner Familie das Weiße Haus nach zwei Amtsperioden verlässt, dann hinterlässt er ein komplexes Vermächtnis, mit mehr Licht als Schatten. Der erste schwarze Amerikaner, der US-Präsident geworden ist, hatte 2008 Hoffnungen auf einen Wandel geweckt, wie es sie zuvor noch nie gegeben hatte. Mit dem Motto "Yes, we can" hat er nicht nur sein Land, sondern die halbe Menschheit erreicht. (...) Dank seiner Redegewandtheit und seiner Ehrlichkeit - nicht einen Skandal gab es in acht Jahren - bleibt alles in allem zu hoffen, dass Obama ein Präsident war, der in Erinnerung bleiben wird." 

Dänemark: "Berlingske"

"Donald Trump hat mit seinen Worten und der Wahl seiner Ratgeber ernsthaft Zweifel daran gesät, wen er als Alliierten und Freund sieht, und wer ein Feind ist. Er hat sich den ganzen Wahlkampf über geweigert, harte Worte gegen Russland zu finden, aber keine Probleme gehabt, andere Länder zu kritisieren. Er hat gesagt, dass er den Brexit unterstützen und zu einem Erfolg machen will. Er hat eine demokratisch gewählte Regierungschefin und langjährige US-Alliierte, Deutschlands Kanzlerin Merkel, mit Russlands notorischem Autokraten Putin gleichgestellt. Er hat die Nato überflüssig genannt, obwohl er auch gesagt hat, dass es eine starke Allianz sei.

Insgesamt hat er, bevor er Präsident wurde, Unsicherheit darüber geschaffen, inwieweit die USA immer noch ein enger Freund Europas sind, oder ob sie sich nach neuen Freunden auf der Welt umschauen. (...) Jetzt wird Trump ins Amt eingeführt. Wollen wir hoffen, dass er seine Beziehung zu seinen Freunden schnell abklärt."

US-Regierung: Trumps Kabinett: Das sind die neuen Minister der US-Regierung

ivi / DPA