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Pressestimmen

US-Medien zu Helsinki-Gipfel: "Als Donald Trump Größe zeigen musste, entschied er sich zu buckeln"

Selbst die konservative Presse lässt nach dem Gipfel mit Wladimir Putin kein gutes Haar an Donald Trump: "Kriecherisch", "schwach", "verhökert USA für sein eigenes Ansehen" - so das vernichtende Urteil. Die US-Presseschau.

Selbst Fox News, erzkonservativer Leib- und Magensender, wandte sich nach Gipfel in Helsinki schockiert vom US-Präsidenten ab: "Putin isst Trumps Lunch auf", titelt  Kommentator Doglas E. Schoen. "Er lobte Putin, als er ihn hätte verurteilen müssen. Er nutzte die Gelegenheit nicht, Putin mit seinen ungeheuerlichen Aktionen des letzten Jahrzehnts zu konfrontieren - einschließlich der Einmischung in die Wahlen 2016 und die illegale Annexion der Krim 2014", schimpfte der TV-Mann weiter, als Trump via Twitter bereits versuchte, seinen verunglückten Auftritt in der finnischen Hauptstadt als Erfolg zu verkaufen. Doch die allermeisten Beobachter – nicht nur in den USA – waren sich einig: Trumps Umgang mit dem Kremlchef dürfte der Tiefpunkt seiner Präsidentschaft sein.

Der liberale "New Yorker" schreibt:

 "Die Pressekonferenz von und Wladimir Putin war der beste Liebesbrief eines amerikanischen Präsidenten an seinen russischen Kollegen. Oder eher eine öffentliche Kapitulation. Trump sagte, 'unsere Beziehungen waren noch nie so schlecht gewesen wie jetzt. Aber seit vier Stunden ändert sich das.' Wie das? Wir wissen es nicht. Trump und Putin haben nur vage Äußerungen über globale Sicherheit, Atomwaffen, Syrien und Ukraine gemacht und nichts davon deutet daraufhin, dass Putin auch nur eine seiner Positionen geändert hat. Putin kann zufrieden sein."

Auf dem äußerst Trump-kristischen TV-Sender CNN waren sich alle Kommentatoren einig, dass der US-Präsident beinahe so etwas wie Landesverrat begangen hat: Jake Tapper spricht von "Trump verbrüdert sich mit dem Feind" und John King meint, er habe niemals einen Präsidenten gesehen," der sich Russland geschlagen gibt."

Die eher den Republikanern nahestehende Seite "The Hill" kann dem Gipfel etwas Positives abgewinnen: Unter der Überschrift: "Trump vs. Putin: Ein neuer Sheriff im Weißen Haus", argumentiert der Autor und Stratgieberater Sebastian Gorka: Anders als sein Amtsvorgänger ist Donald Trump Pragmatist, der die Welt sieht, wie sie ist. Er lässt sich nicht von der Standardeinstellung ablenken, nach der Amerika die Wurzel allen Weltübels ist. Gleichzeitig versteht er, wie man Macht ausstrahlt und erfolgsversprechende Beziehungen aufbaut, die das Verhalten der Bösen beeinflussen. Deswegen ist Trump der richtige Mann für ein Treffen mit und dem Ausbremsen des früheren KGB-Offiziers.

Donald Trump - der Lakai Putins

Die "New York Times", eine vom Trumps am liebsten gescholtenen Zeitungen, nennt den US-Präsidenten einen Lakaien Putins:

"Womöglich ist Donald Trump genauso kompromittiert wie vermutet. Ganz gleich, wie niedrig die Erwartungen an den Gipfel von Donald Trump und auch waren, es war schwer, nicht verblüfft über den sklavischen und kriecherischen Auftritt des US-Präsidenten zu sein. Es war schon immer offensichtlich, dass Trump Putin nicht für die russischen Hackerangriffe der 2016er-Wahl verantwortlich machen will. Niemand weiß genau, welche Beziehung der Präsident mit Russland hat, aber es ist klar geworden, dass Trump willens ist, Amerika für sein persönliches Ansehen zu verhökern."

Auch die ebenfalls liberale "Washington Post" lässt kein gutes Haar an dem Auftritt in Helsinki:

"Der 16. Juli 2018 wird als besonders bemerkenswerter Tag in der Geschichte der Trump-Präsidentschaft eingehen. An einem Tag, der Stärke und Entschlossenheit verlangte, bot Trump nur Anbiederung und Schwäche. Dieser Moment, der Maß für Charakter und Führung hätte sein sollen, hilft der Welt, ein Urteil über Trump zu fällen. Es waren amerikanische Reporter, die Trump mit Fragen nervten, doch der Präsident lehnte es ab, sich für das Land einzusetzen, für dessen Vertretung und Schutz er gewählt wurde. Es war Trumps Moment für aufzustehen. Er bevorzugte es, zu buckeln.

Ähnlich sehen es die Autoren der Newsseite "Axios":

"Präsident Trumps Pressekonferenz mit Wladimir Putin war eine Katastrophe. Er hatte die Chance, für sich selbst einzustehen und für seine Landsleute – gegen ausländische Einmischungen in unsere Wahlen. Er hat die Chance vertan und sich stattdessen auf die Seite Putins geschlagen."

Die "Los Angeles Times" (Seite von der EU aus nicht aufrufbar) sieht nach dem Gipfel nun die Kongress-Abgeordneten in der Pflicht: 

"Es ist schockierend, dass der Präsident den lange bestehenden, auf Beweisen ruhenden Schlüssen von CIA, NSA, FBI und dem Büro des Geheimdienstkoordinators kein größeres Gewicht gibt als dem Gerede eines manipulativen russischen Autokraten. Natürlich ist ein Dialog zwischen Russland und den - über Syrien, atomare Abrüstung, den Iran, die Krim und andere Themen - wünschenswert, sogar wesentlich. Doch die USA können solche Gespräche führen, ohne blind zu sein für das außerordentlich ernste Thema des Eingriffs Russlands in demokratische Wahlen hier und anderswo in der Welt. Glücklicherweise sehen das andere Mitglieder von Trumps Regierung klar, auch der US-Kongress. Aber es gibt keinen Ersatz für die führende Rolle des Präsidenten bei diesem Thema. Trump hat am Montag erbärmlich klar gemacht, dass er nicht in der Lage ist, diese auszufüllen."

nik