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Staatsbesuch: Seitenhiebe gegen Trump? Das ist dran an den Spekulationen um die Broschen der Queen

"Queen Elizabeth II.: Geheimer Seitenhieb gegen Donald Trump", titelte unter anderem die "Bild"-Zeitung und verwies auf drei Broschen mit angeblich geheimer Botschaft, die das britische Staatsoberhaupt anlässlich des Besuchs von US-Präsident Donald Trump trug. Was ist dran an der Theorie?

Queen Elizabeth II. (m), US-Präsident Donald Trump und dessen Ehefrau Melania

Queen Elizabeth II. (m), US-Präsident Donald Trump und dessen Ehefrau Melania

AFP

Hat sie oder hat sie nicht? Eine hobbystrickende Hausfrau und Mutter aus Ohio setzte vergangene Woche auf Twitter ein Gerücht in die Welt: Die Queen hätte mit der Auswahl ihrer Broschen während Donald Trumps Europa-Besuches geheime Anti-Trump-Botschaften geben wollen. Aber stimmt das wirklich?

Konstitutionell zu unpolitischem Verhalten in der Öffentlichkeit verpflichtet, hat sich die 92-jährige Monarchin - anders als ihr Sohn und Thronfolger Prinz Charles zum Beispiel mit seinen "Spider Memos" - in den langen Jahren ihrer Regentschaft noch nie öffentlich politisch geäußert.

Nahe herangekommen an so etwas wie eine politische Meinungsäußerung ist sie nur ein einziges Mal, im Jahr des Schottland-Referendums 2014, als sie nach einem Kirchgang in Balmoral gegenüber den Schaulustigen vor der Crathie Church wie beiläufig fallen ließ, alle Wahlberechtigten sollten sich besser genau überlegen, wo sie ihre Kreuzchen setzten. Aber das ließ man ihr durchgehen. Schließlich lag ihr als Königin und halber Schottin die Einheit des Vereinigten Königreiches sehr am Herzen. 

Queen Elizabeth II. und das "Geheimnis" ihrer Broschen

Die Queen hat seit ihrem Antritt der Thronfolge 1952 einigen der schlimmsten Diktatoren und Despoten aller Zeiten die Hand schütteln müssen. Darunter Idi Amin, Mugabe und Assad, um nur einige zu nennen. Sie ist mit ihnen in der goldenen Kutsche durch London gefahren, hat ohne eine Miene zu verziehen, auf Staatsbanketten freundlich-diplomatische Worte von ihrem regierungsverfassten Manuskript abgelesen, und genauso pflichtbewusst hat sie auch vergangenen Freitag das aktuelle Staatsoberhaupt der USA mit einem höflich lächelnden "Welcome" auf Schloss Windsor begrüßt.

Privat mag ihr Trumps grobschlächtige Art im Umgang mit anderen Menschen (und selbst mit ihr, siehe den Moment, wo er ihr beim Abschreiten der Ehrengarde vor die Füße lief und ihr den Rücken zukehrte) zuwider sein. Aber es wäre für sie ganz und gar undenkbar gewesen, ihn das offen spüren zu lassen oder es der Welt zu signalisieren - mit welchen Mitteln auch immer.

Das königliche Outfit am Tag des gemeinsamen Teetrinkens auf Schloss Windsor bestand aus einem kornblumenblauen Ensemble mit Hut, das Material des Mantels hatte eine Art eingewebtes Paisley-Muster. Die "Queen Mother Palm Leaf Brooch" (die Palmenblattbrosche der Königinmutter) passte von der Form her ideal dazu. Vermutlich wird die persönliche Assistentin und Dresserin der Königin, Angela Kelly, sie ihr am Morgen des 13. Juli dazu herausgelegt haben. Dass die Brosche von der 2002 verstorbenen Queen Mum unter anderem auch mal am 15. Februar 1952 zur Beerdigung ihre Mannes König Georg VI. getragen wurde, ist Fakt. Daraus aber einen Zusammenhang mit dem Besuch von Donald Trump zu stricken (herbei gewünschte Schlagzeile "Grabesstimmung bei Trumpbesuch"?), ist doch etwas weit hergeholt.

Was die Queen wirklich von Trump hält, ist unbekannt

Einen Tag zuvor, aber nicht in Anwesenheit des amerikanischen Präsidenten, hatte Elisabeth II. bei einem Termin mit kirchlichen Würdenträgern in der Tat eine hübsche, aber recht unscheinbare kleine Vintage-Brosche getragen, die Ihr Michelle Obama anlässlich des Staatsbesuches des damaligen Präsidentenpaares 2011 in Großbritannien geschenkt hatte. Eine nette Geste, aber anders als behauptet, ist die britische Monarchin nicht mit den Obamas persönlich befreundet - das trifft nur für die Enkelgeneration William, Kate und Harry zu. Man ist sich sympathisch, aber deswegen diplomatische Verwicklungen durch unpassende Loyalitätsbekenntnisse zu riskieren, sähe der Königin nicht ähnlich.

Ähnliches gilt für die Kanadische Schneeflocken-Brosche vom Samstag, dem Tag als sich Trump zwar noch in Schottland aufhielt, die Queen ihn aber nicht mehr traf. Das prächtige Schmuckteil aus Diamanten und Saphiren wurde ihr 2017 vom Generalgouverneur Kanadas überreicht. Zu dem blaugesprenkelten Kleid, das sie zum Besuch des belgischen Königspaares trug, passte sie ausgezeichnet. Aber egal wie gut oder schlecht die Beziehungen zwischen Trump und dem kanadischen Premierminister Trudeau auch sein mögen, die Queen würde das durch Auswahl ihres Stylings nie kommentieren.

Fazit: die Sache mit den Anti-Trump-Broschen ist eine witzige Theorie, die von all denjenigen Royal-Fans und Medienschaffenden eifrig weitergesponnen und -verbreitet wurde, die nur zu gerne erlebt hätten, wie die immer selbstbeherrscht und diplomatisch agierende britische Königin dem umstrittensten US-Präsidenten aller Zeiten mal so richtig zeigt, wie sehr sie ihn verachtet. Quasi stellvertretend für alle Menschen da draußen, die ihm gerne mal so richtig die Meinung sagen würden, aber nie die Gelegenheit dazu haben werden. Und da das offensichtlich nicht geschah, kam die Broschen-Signale-Theorie nur allzu gelegen, um die allgemeine Enttäuschung zu dämpfen.

Und was hält die Queen nun von Trump, verachtet sie ihn wirklich? Das wird kein Mensch je erfahren, außer ihrer Familie vielleicht, wenn sie ihn beim nächsten großen royalen Familiendinner in ihrer berühmt komisch-gekonnten Art nachmacht.

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