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Vorwahlen in USA Reaktionär und Verschwörungstheoretikerin: Lauren Boebert überholt Trump-Mann von rechts

Lauren Boebert
Sicherheit auch beim Bürsten: Lauren Boebert mit zwei ihrer Kinder auf einem Reportage-Bild von 2016
© Brennan Linsley / Picture Alliance
Bei den Vorwahlen der Republikaner in Colorado wurde der etablierte Amtsinhaber und Trump-Favorit von einer 33-jährigen Newcomerin besiegt: Lauren Boebert, bekannt als Waffennärrin und Anhängerin der rechtsextremen QAnon-Bewegung.

Dem Präsidenten schien die Niederlage des Mannes, den er zuvor noch wortreich unterstützt hatte, nicht allzusehr zu stören. "Scott arbeitet schwer für Colorado und hat meine völlige Unterstützung", rief Donald Trump am Montag noch via Twitter in die Runde. Doch die Hilfe von ganz oben brachte nichts. Scott Tipton, 64, fünfmal ins US-Repräsentantenhaus gewählter Republikaner, verlor die Vorwahl gegen die 33-jährige Polit-Newcomerin Lauren Boebert. Von ihr ist eigentlich nur bekannt, dass sie noch deutlich weiter rechts steht als der Mann im Weißen Haus und viele seiner Anhänger.

Reaktionär, Waffennärrin, Verschwörungstheoretikerin

Donald Trump nahm das Aus seines Kandidaten locker und gratulierte ihr auf Twitter noch am Wahlabend zum Überraschungserfolg: "Glückwunsch zu einem wirklich großen Sieg", schrieb er. Die Geschäftsfrau ist bereits die dritte Herausforderin in drei Wochen, die einen von Trump unterstützten Kandidaten schlägt – in ihrem speziellen Fall aber wird es der Präsident mit Wohlwollen betrachten. Denn sie erfüllt ungefähr jedes Klischee, das über Trump-Anhänger im Umlauf ist: konservativ bis reaktionär, Waffennärrin, Verschwörungstheoretikerin.

Boebert betreibt im Örtchen Rifle, Colorado ein Restaurant namens "Shooters Grill". Anders als der Name vielleicht vermuten lässt, brauchen die Gäste ihre Hamburger nicht selbst zu erlegen, aber dafür tragen die Bedienungen offen einen Colt bei der Arbeit: "So sieht es bei uns aus: sicher und spaßig. Wie sind bewaffnet und bereit, euch zu bedienen", heißt es auf der Website des Ladens. Vermutlich würde niemand sie oder diesen Ort kennen, wenn Boebert nicht trotz Corona-Auflagen und Unterlassungsverfügung einfach geöffnet lassen würde – was vielen Medien eine Erwähnung wert war.

Eine Außenseiterin - wie einst Donald Trump

Die 33-jährige Mutter von vier Kindern hatte sich im Wahlkampf ähnlich wie Donald Trump als Außenseiterin verkauft, um es "denen in Washington" einmal so richtig zu zeigen. "Ich kandidiere für den Kongress, um für unsere konservativen Werte einzutreten, um auf die nicht eingehaltenen Versprechen unserer derzeitigen Vertreter aufmerksam zu machen und die linksradikalen Demokraten dahin zu schicken, wo sie hingehören", schrieb sie auf ihrer Wahlkampfseite. Und wer mehr über ihre Agenda wissen wollte, dem verriet sie unverblümt, warum sie die Trump-freundliche QAnon-Bewegung unterstützt.

"QAnon"-Anhänger glauben an eine der aktuell bizarrsten Verschwörungstheorien, nach der unter anderem Barack Obama und Hillary Clinton einen politischen Putsch planen und aus einer Pizzeria heraus gleichzeitig einen Kinderhändlerring betreiben würden. Zudem sei Nordkoreas Diktator Kim Jong Un eine Marionette der CIA. Donald Trump hingegen sei eine Lichtgestalt, die heldenhaft gefangene Kinder aus Folterkellern befreien und darüberhinaus noch die Putschversuche der Verschwörer verhindern würde - unter ihnen auch Milliardäre wie George Soros und andere.

Lauren Boebert sympathisiert mit "QAnon-Bewegung"

"Ich bin sehr vertraut mit der Theorie und hoffe, dass sie zutrifft. Denn sie ist motivierend, lässt die Menschen zu konservativen Werten zurückkehren und macht Amerika stärker. Dafür bin ich da", sagte Lauren Boebert dazu vor ein paar Wochen in einem Interview mit der Sendung "Steel Truth". Die Demokraten sind wegen ihres Vorwahlsiegs alamiert: "Die Republikaner in Washington sollten sich unverzüglich von Lauren Boebert und ihrer extremistischen und gefährlichen Verschwörungstheorie distanzieren", forderte Cheri Bustos, eine der Wahlkampfleiterinnen der Opposition. Bei der Wahl am 3. November wird sich zeigen, ob einige Bürger von Colorado, Donald Trump von rechts überholen werden.

Quellen: "New York Times", CNN, "Steel Truth", Shooters Grill, Lauren for Colorado, Donald Trump auf Twitter


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