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Panik in Russland Flüge nach Armenien oder in die Türkei ausgebucht – Mobilisierung jagt die Russen in die Flucht

Wladimir Putin hat in Russland den Befehl zur Mobilisierung gegeben
Wladimir Putin hat in Russland den Befehl zur Mobilisierung gegeben, auch wenn es statt einer Generalmobilisierung eine so genannte Teilmobilisierung gibt
© Mikhail Klimentyev / Picture Alliance
Die verkündete Teilmobilisierung jagt Schockwellen durch Russland. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, dem Einsatz an der Front zu entkommen, entscheiden sich viele für Flucht. 

Schon am Dienstagabend schoss auf Google und anderen Suchmaschinen eine Frage in die Trends: Wie verlasse ich Russland? In den vergangenen Wochen bereitete der Kreml den Boden für die Verkündung einer Mobilisierung vor. Mal forderte ein Abgeordneter in der Duma diese Maßnahme. Mal erzählten die Propagandisten des Staatsfernsehens, dass dies der einzige richtige Schritt sei. In Russland ist eine Mobilisierung ein Schreckgespenst. Bedeutet es doch nichts anderes, als dass bald Hunderttausende junge Männer in den Krieg geschickt werden. 

Als am Mittwochmorgen der Befehl Wladimir Putins zu der so genannten Teilmobilisierung erging, wurden für viele Russen die schlimmsten Befürchtungen wahr. 300.000 Reservisten sollen eingezogen werden, verkündete Verteidigungsminister Sergej Schoigu.

"Wieso sollte jemand, der bislang nicht in den Krieg wollte, jetzt in den Krieg wollen?", fragt der Politologe Abbas Galljamow. Einst schrieb er selbst Reden für Putin. Nun rechnet er mit Aufständen und Protesten gegen die Entscheidung des Kremls.

Ticketverkäufe boomen seit Erklärung der Mobilisierung 

Während der Westen sich den Kopf darüber zerbricht, was Putin mit dieser Strategie bezwecken will, ergreifen die Russen die Flucht aus ihrem Land. Auf der beliebtesten russischen Website für die Buchung von Flügen Aviasales ist für den 21. September kein einziger Flug mehr nach Istanbul verfügbar – weder direkt noch mit Zwischenlandungen, berichtet die investigative russische Plattform "The Insider". Es gibt auch keine direkten Flüge in andere Städte der Türkei wie Antalya, Bodrum, Dalaman und Izmir.

Ein weiteres beliebtes Ausreiseziel für russische Bürger ist Armenien. Flughäfen gibt es dort nur in zwei Städten: in Eriwan und Gjumri. Für den 21. September gibt es keine Flüge in beide Richtungen, weder Direkt- noch Transitflüge.

Türkei und Armenien ermöglichen russischen Bürgern eine visumfreie Einreise – und sind daher beliebte Anlaufstellen für alle, die ins Ausland ausreisen wollen. 

Es gibt auch keine Flüge mehr nach Aserbaidschan. Ebenso keine Direkt- oder Transitflüge in die Länder Zentralasiens Usbekistan, Tadschikistan und Kirgisistan.

Listen mit Ländern zur Ausreise 

Russische unabhängige Medien veröffentlichen derweil Listen, mit Ländern in die Russen ohne ein Visum oder ohne einen Reisepass einreisen können. Ohne einen Reisepass könne man nach Armenien, Belarus, Kirgisistan und Kasachstan gelangen, listet etwa "Meduza" auf. Für Länder wie Georgien, Ägypten, Mexiko oder Israel brauche man kein Visum. 

"Verlasst das Land, verlasst den Wohnort" 

Der Jurist Wjatscheslaw Gimadi rät im Gespräch mit dem Team von Alexej Nawalny seinen Landsleuten: "Um der Mobilisierung zu entgehen, darf man nicht auf die Einberufung reagieren. Ignoriert die Vorladungen, verlasst das Land, verlasst den Wohnort." 

Bereits im ersten Halbjahr dieses Jahres sind nach Angaben der russischen Statistikbehörde 419.000 Menschen aus Russland ausgereist. Das sind mehr als doppelt so viele wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum, wie die Nachrichtenagentur RBC meldete. Damit sind erstmals in der jüngeren russischen Geschichte mehr Menschen aus- als eingewandert (322.000 Personen).

Ukraine-Krieg: Reporter in Moskau ordnet Teilmobilmachung in Russland ein

Sehen Sie im Video: Russlands Präsident Putin hat in einer TV-Ansprache die Teilmobilmachung Russlands verkündet. 300.000 zusätzliche Männer könnten so für den Krieg gegen die Ukraine eingesetzt werden. Moskau-Reporter Rainer Munz ordnet die aktuellen Entwicklungen im Video ein.

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