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EU-Austritt der Briten: So wäre ein No-Deal-Brexit unmittelbar für den britischen Bürger spürbar

Boris Johnson will raus aus der EU - mit oder ohne Deal. Sollten die Briten den Brexit ohne Abkommen durchziehen, wäre das für viele Bürger im Alltag schnell spürbar.

Johnson Brexit

Boris Johnson will um jeden Preis Ende Oktober aus der EU austreten

DPA

Für Großbritanniens neuen Premierminister ist eines sicher: Sein Land wird die EU am 31. Oktober verlassen. Notfalls auch ohne Deal, "komme, was wolle". Welche Auswirkungen hätte ein Ausstieg ohne Abkommen mit der Europäischen Union für die britischen Bürger? Die BBC hat sich mit dieser Frage beschäftigt und eine Aufstellung gemacht.

Einige Punkte daraus:

(Bestimmte) Lebensmittel werden knapp und teuer

28 Prozent der in Großbritannien konsumierten Lebensmittel werden offiziellen Angaben zufolge aus der EU eingeführt. Höhere Einfuhrzölle und verzögerte Transporte könnten nach dem Verlust des Europäischen Binnenmarktes laut BBC zu Preissteigerungen führen. Sollte sich ein No-Deal-Brexit darüber hinaus negativ auf das Pfund auswirken, könnte dies denselben Effekt zur Folge haben.

Die Supermarktbetreiber hatten ihrerseits mit Blick auf das entsprechende Szenario bereits vor leeren Regalen und höheren Preisen gewarnt. Demnach könnten nicht nur Lieferengpässe, sondern auch Panik-Hamsterkäufe zu vorübergehenden Knappheiten führen. 

Zu den EU-importierten Lebensmitteln gehören unter anderem Getränke, Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch sowie Getreide. 79 Prozent der importierten Lebensmittel in UK-Supermärkten stammt aus der EU. 

Für Reisen in EU-Staaten gelten neue Regeln

Der Großteil der Reisen, die jährlich von Briten unternommen werden, geht in die EU - 2018 knapp 54 von 72 Millionen Trips. Wenn Großbritannien ohne Deal aus der Union ausscheidet, gelten neue Regeln.

Die Regierung rät Reisenden, darauf zu achten, dass ihr Pass noch mindestens sechs Monate gültig ist. Einreisen können Briten in EU-Länder zwar weiterhin ohne Visum für eine Dauer von 90 Tagen in einem 180-Tage-Zeitfenster. Um länger zu bleiben, zu arbeiten oder zu studieren, sind aber gegebenenfalls weitere Genehmigungen nötig. Zudem könne es sein, dass man bei der Einreise ein gültiges Rückreiseticket vorzeigen und nachweisen muss, dass man genug Geld für den Aufenthalt besitzt. EU-Mitglied Irland ist von diesen Änderungen ausgeschlossen.

Darüber hinaus warnen die Behörden davor, dass - zumindest in der Theorie - die Gültigkeit der Europäischen Krankenversicherungskarte und damit der Versicherungsschutz im EU-Ausland erlischt. 

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Medikamente werden knapper und teurer

Die "Royal Pharmaceutical Society" warnte bereits im Januar davor, dass es zu Versorgungsengpässen bei bestimmten Medikamenten kommen könnte - darunter Schmerzmittel und Anti-Depressiva. Drei Viertel der in Großbritannien genutzten Medikamente und klinischen Produkte stammen demnach aus der EU. Das Hauptrisiko beim Nachschub bestehe laut Regierung darin, dass der Handelsverkehr zwischen den Häfen von Calais und Dover oder Folkestone stark eingeschränkt werden könnte. 

Die Hauspreise werden beeinflusst

Die Bank of England warnt laut BBC davor, dass ein No-Deal-Brexit einen signifikanten Einschlag auf dem Immobilienmarkt mit sich bringen könnte. Demnach müsse damit gerechnet werden, dass die Hauspreise im Vergleich zur Vor-Brexit-Zeit um rund ein Drittel fallen könnten, etwa, weil potenzielle Käufer ängstlicher agieren als vor dem Brexit.

Roaming-Gebühren steigen 

Wenn die Briten aus der EU raus sind, greifen auch die EU-Regulierungen hinsichtlich der Roaming-Gebühren im EU-Ausland nicht mehr. Die Handy-Nutzung im europäischen Ausland könnte in der Folge für Kunden britischer Provider möglicherweise deutlich teurer werden. Zwar haben verschiedene Telekommunikationsunternehmen bereits bekundet, vorläufig nichts an den Roaming-Gebühren ändern zu wollen - gesetzlich verbrieft wäre der Status Quo jedoch nicht mehr. 

Quellen: BBCGov.UK

rös