Straßenschlachten in Kiew Klitschko fühlt sich "wie im Krieg"


Die Gewalt nimmt kein Ende: Regierungsgegner und Sicherheitskräfte haben sich in Kiew erneut Straßenschlachten gelierfert. Oppositionsführer Klitschko rief dazu auf, sich nicht provozieren zu lassen.

In Kiew sind in der Nacht radikale prowestliche Demonstranten erneut gewaltsam gegen die Sicherheitskräfte vorgegangen. Hunderte Gewaltbereite warfen Brandsätze und Steine auf die Polizisten. Die Milizionäre versuchten ihrerseits, die Stellungen der Oppositionellen nahe dem Dynamo-Stadion im Zentrum der ukrainischen Hauptstadt zu räumen.

Unterdessen rief Oppositionspolitiker Vitali Klitschko die friedlichen Demonstranten auf, sich nicht provozieren lassen. Die Führung um den prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch wolle mit Schlägertrupps die Situation destabilisieren und Chaos errichten, sagte der Ex-Boxweltmeister.

Die Opposition radikalisiert sich

In einem Gastbeitrag für die "Bild"-Zeitung schrieb Klitschko außerdem, dass die Protestbewegung im Land in der Krise sei. Für die eskalierende Gewalt macht er die Regierung verantwortlich. Die Opposition, die für einen friedlichen Protest stehe, habe "die Bewegung nicht mehr unter Kontrolle", schrieb Klitschko.

Der ukrainische Präsident Viktor Janukowitsch höre nicht auf die Forderung der Demonstranten nach Neuwahlen, sagt Klitschko. Er wolle stattdessen friedliche Proteste verbieten und sehe nun das Ergebnis, hieß es in dem Beitrag mit Bezug auf die schweren Zusammenstöße der vergangenen Tage, bei denen mehr als 200 Menschen verletzt wurden. Es würde ihn "nicht wundern", schrieb Klitschko, "wenn es bald Tote zu beklagen gibt".

Klitschko war am Sonntag selbst mit einem Feuerlöscher angegriffen worden, als er versucht hatte, bei den Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften zu vermitteln. Er habe sich gefühlt "wie im Krieg", schrieb Klitschko. Dass jetzt auch er angegriffen werde, zeige, "wie die Stimmung am Maidan geworden ist".

Der Maidan genannte Unabhängigkeitsplatz in der ukrainischen Hauptstadt Kiew ist das Zentrum der Protestbewegung. Die Proteste der proeuropäischen Opposition dauern bereits seit Ende November an. Die Demonstranten kritisierten die Entscheidung Janukowitschs, ein über Jahre ausgehandeltes Assoziierungsabkommen mit der EU nicht zu unterzeichnen.

tis/DPA/AFP DPA

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