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Nach blutigen Gaza-Protesten: Streit verschärft sich: Türkei demütigt Israels Botschafter

Nach den blutigen Gaza-Protesten erhöht sich der diplomatische Druck auf den jüdischen Staat. Die Türkei demütigte den israelischen Botschafter am Istanbuler Flughafen.

Israel Türkei

Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu will die Kritik der Türkei nicht auf sich beruhen lassen

DPA

Nach den blutigen Gaza-Protesten mit 60 getöteten Palästinensern spitzt sich eine diplomatische Krise zwischen Israel und der zu. Die türkische Regierung forderte nach dem israelischen Botschafter in Ankara auch den Generalkonsul des Landes in Istanbul zur Ausreise auf. Der israelische Botschafter musste am Istanbuler Flughafen eine Personenkontrolle über sich ergehen lassen. Damit nicht genug, waren Journalisten informiert worden und filmten die Szene, die sich in der Öffentlichkeit abspielte. Vor den Kameras musste der Botschafter seine Schuhe ausziehen. Israel revanchierte sich unverzüglich, indem es einen hochrangigen türkischen Botschaftsmitarbeiter in das Außenministerium einbestellte und sich über den gravierenden Regelverstoß seitens der Türkei im Umgang mit Diplomaten beschwerte. Eingeladene Journalisten filmten, wie der Mann das Außenministerium betrat und ebenfalls kontrolliert wurde.

Montag waren nach Angaben der israelischen Armee im Gazastreifen rund 40.000 Palästinenser an den Grenzzaun zu gekommen. Gewalttätige Demonstranten hätten explosive Gegenstände und Brandbomben auf Soldaten und den Sicherheitszaun geworfen, teilte die Armee mit. Soldaten hätten entsprechend reagiert und das Feuer eröffnet. Nach palästinensischen Angaben töteten die Soldaten 60 Menschen, mehr als 2800 wurden verletzt. Es war damit der blutigste Tag seit dem Gaza-Krieg 2014.

Erinnerung an die Vertreibung der Araber 

Im Gazastreifen protestierten die Menschen nicht nur gegen die Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem, sondern auch gegen eine mehr als zehnjährige Blockade des Küstenstreifens durch Israel und . Die Trauer der Palästinenser über die Toten mischte sich am Dienstag, dem Tag der Nakba (Katastrophe), auch mit dem Zorn über die Vertreibung und Flucht Hunderttausender Palästinenser im Zuge der israelischen Staatsgründung 1948. Dabei haben israelische Soldaten nach palästinensischen Angaben erneut zwei Palästinenser getötet.

Das Vorgehen der israelischen Armee löste nicht nur in der Türkei, sondern international scharfe Kritik aus. Die israelischen Botschafter in Belgien und Luxemburg wurden nach Angaben des israelischen Außenministeriums zu Gesprächen geladen. Die Türkei forderte nach dem israelischen Botschafter auch noch den Generalkonsul zur Ausreise auf. Die türkischen Botschafter in Israel und Washington wurden zurückberufen. Das israelische bestellte den türkischen Gesandten zu einer Rüge ein.


Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Vorgehen Israels als "Genozid" bezeichnet. Der israelische Ministerpräsident erhob seinerseits schwere Vorwürfe gegen Erdogan. In den israelisch-türkischen Beziehungen hatte es bereits in der Vergangenheit schwere Krisen gegeben.

Israelische Zeitung: Netanjahu versagt als Außenminister

"Unterm Strich ist die Krise mit der Türkei Teil einer allgemeinen Front, die in den vergangenen Tagen in Europa, Asien und Südafrika gegen uns aufgemacht wurde", schrieb die linksliberale Zeitung "Jediot Achronot" am Mittwoch. "Anders gesagt: Fast die ganze Welt ist gegen uns.". Netanjahu als Außenminister habe darin versagt, "die internationale Wut gegen uns zu lindern".

Die türkische Regierung warf Israel und Ägypten am Mittwoch vor, den Transport von verletzten Palästinensern in die Türkei zu verhindern. Die Landeerlaubnis von Hilfsflugzeugen sei bisher nicht erteilt worden, sagte Vize-Ministerpräsident Recep Akdag.

Indes sollen 20 schwerverletzte Palästinenser in Ägypten behandelt werden. Die Krankenhäuser hätten nicht genügend Kapazitäten für alle Verletzten der vergangenen Wochen, sagte Aiman Sahabani, Leiter der Notaufnahme im Schiffa-Krankenhaus in Gaza. "Wir sprechen von mehr als 3000 Fällen, die dringend Operationen brauchen und komplizierte medizinische Eingriffe."


tis/tkr/Stefanie Järkel / DPA