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Umbenennung Südafrika tilgt Berlin von seiner Landkarte – zumindest dem Namen nach

Südafrika Berlin
Eine Gruppe Kinder hockt fröhlich unter dem roten Willkommens-Schild am Ortseingang von Berlin in Südafrika. Seit dem 24. Februar 2021 heißt der 5000-Seelen-Ort nun offiziell Ntabozuko
© Christian Putsch / Picture Alliance
Südafrika distanziert sich von Teilen seiner Geschichte und benennt diverse Städte und Orte neu mit afrikanischen Namen. Auch die Küstenmetropole Port Elizabeth heißt jetzt anders.

Das rote Willkommens-Schild am Ortseingang von Berlin ist Vergangenheit. Seit Mittwoch hat die Stadt ihren Namen geändert - zumindest im fernen Südafrika. Der 5000-Seelen-Ort heißt nun offiziell Ntabozuko - und hat rein gar nichts vom Großstadtglanz der Spree-Metropole. "Als ich in den 1950er Jahren dort aufgewachsen bin, gab es da gerade mal 500 Siedler, die alle Brandenburger Plattdeutsch sprachen", erinnert sich Peter Kallaway. "Und Berlin war noch der größte Ort in der Gegend, wo es kleine Siedlungen mit Namen wie Potsdam, Hamburg oder Breitbach gibt", erklärt der emeritierte Kapstädter Professor, dessen Vater dort einst eine Werkstatt betrieb.

Es sind kleine Weiler, deren Namen bis heute überlebt haben - Namen, die Siedler aus Europa einst ihren Wohnorten gaben. Doch Marktflecken wie Braunschweig, Heidelberg, Hermannsburg, Wartburg, Neu-Hannover, Wuppert(h)al oder Augsburg droht absehbar eine Namensänderung. Die südafrikanische Regierungspartei ANC macht sich seit langem stark für weitere Umbenennungen. Während im benachbarten Namibia - einer ehemaligen deutschen Kolonie im Südwesten des Kontinents - Namen aus der Ära des Deutschen Kaiserreiches eher zögernd afrikanisiert wurden, schritt der mächtige Nachbar Südafrika beherzter voran.

Ende 2002 gab es bereits eine erste Welle von Namensänderungen für Städte, Regionen oder Flüsse, die an Apartheid- oder Kolonialzeiten erinnerten oder rassistisch klangen. Kurz vor Afrikas erster und bisher einziger Fußball-Weltmeisterschaft 2010 folgte in dem Kap-Staat eine weitere Welle. Die zahlreichen Straßen-Umbenennungen in den WM-Austragungsorten stellten damals die Navi-Systeme so mancher Kicker-Touristen vor ziemlich große Herausforderungen.

Umbenennungen in Südafrika nicht unumstritten

Seit diesem Mittwoch gibt es nun eine neue Serie afrikanischer Namen. Die größte Stadt in Niedersachsens Partnerprovinz am Ostkap heißt nun nicht mehr Port Elizabeth, sondern Gqeberha. Dort liegt in direkter Nachbarschaft der Standort des VW-Werks in Uitenhage (nun offiziell: Kariega). Die am Indischen Ozean gelegene Hafenstadt Port Elizabeth entstand aus einer kleinen Siedlung am Rande eines Forts und erhielt ihren Namen einst nach der Frau eines britischen Gouverneurs. Der neue Name ist in der klickreichen Sprache der Xhosa die Bezeichnung für den Fluss, der durch den Ort fließt. Er bezeichnete bisher zudem ein Township am Rande der Stadt.

Die Umbenennungen sind in Südafrika nicht unumstritten und stoßen in Teilen der Öffentlichkeit auf Widerstand. Denn die geforderte Entkolonialisierung von Orts- und Gebietsnamen kommt zu einer Zeit, da sich das Land auch wegen der Corona-Restriktionen in einer schweren Krise befindet. Unnötige symbolische Gesten, die nichts kosten, wie die Gegner der Umbenennungen in sozialen Netzwerken kritisieren. Dringend notwendige Symbole in einem unabhängigen afrikanischen Staat, wie die Befürworter entgegenhalten. Sie wollen keine Erinnerung an die düsteren Zeiten der Rassentrennung oder der europäischen Besiedlung zu Kolonialzeiten.

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Mitunter wurden bei der Suche nach neuen Namen auch Kompromisse gefunden. Knapp elf Jahre nach dem Ende der rassistischen Apartheid etwa ging Südafrikas Hauptstadt Pretoria offiziell in der Metropolregion Tshwane mit rund zwei Millionen Einwohnern auf. Den Namen Pretoria gibt es trotzdem auch weiterhin: Das alte Stadtzentrum behielt den Namen des einstigen Burengenerals Andries Pretorius.

Ralf E. Krüger, dpa/rös DPA

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