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Kurz vor Wahl: #Tamam - wie Erdogan mit einer Rede ein dickes Eigentor schießt

Diese Steilvorlage haben sich die Gegner von Recep Tayyip Erdogan nicht entgehen lassen: Wenn das Volk sage, es sei "genug", dann werde er abtreten, erklärte der türkische Präsident in einer Rede - und bekam prompt die Quittung.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei seiner Rede vor seiner Parlamentsfraktion in Ankara

Schenkte der Opposition unfreiwillig den Wahlslogan "Tamam" (genug, es reicht): Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan bei seiner Rede vor seiner Parlamentsfraktion in Ankara

AFP

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat seinen Kritikern ungewollt eine Steilvorlage für eine Kampagne gegen seine Wiederwahl geliefert. "Sollte unser Volk eines Tages 'genug' sagen, nur dann würden wir zur Seite treten", erklärte Erdogan in einer Rede vor seiner Parlamentsfraktion, wobei er von sich selbst in der ersten Person Plural sprach. Nach seiner Ansprache brach ein Twitter-Sturm über den Präsidenten herein. Mehr als 500.000 Mal wurde der Hashtag "Tamam" (genug, es reicht) allein am Dienstag auf dem Kurzbotschaftendienst verbreitetet. "Tamam" schoss an die Spitze der türkischen und sogar der weltweiten Twitter-Trends und stand dort auch noch am Mittwochmorgen.

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Die Twitter-Trends weltweit und für die Türkei am Morgen des 9. Mai: Günaydin Tamam (Guten Morgen, es reicht) steht an der Spitze

Zahlreiche Twitter-Nutzer verbreiteten schlicht das Wörtchen "Tamam", andere schrieben "TAMAM" so oft es in die Twitter-Zeile passte. Wieder andere fügten Slogans hinzu wie "Bitte geh' einfach jetzt".

Erdogan-Herausforderer posten Tamam-Tweets

Auch die türkische Opposition und Erdogans Herausforderer bei der Präsidentenwahl am 24. Juni nutzen die Steilvorlage des Staatschefs sofort. Der Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Kemal Kilicdaroglu schrieb: "Am 24. Juni ist es genug." Meral Aksener, die für die rechtsnationalistische IYI-Partei bei der Präsidentschaftswahl am 24. Juni gegen Erdogan antritt, schrieb "TAMAM". "Vakit TAMAM!" (Die Zeit ist vorbei), postete der Kandidat Muharrem Ince der linksnationalistischen CHP, während der Chef der proislamischen Saadet-Partei, Temel Karamollaoglu, twitterte: "TAMAM Insallah" (Genug, so Gott will).

Erdogan hatte Mitte April überraschend vorgezogene Parlaments- und Präsidentschaftswahlen ausgerufen. Der islamisch-konservative Politiker hat die türkische Gesellschaft zutiefst gespalten, doch genießt er weiter auch großen Rückhalt in der Bevölkerung und die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass er wiedergewählt wird. Seinen Gegnern warf er in seiner Rede vor seiner Parlamentsfraktion vor, ihr einziges Ziel sei, "Recep Tayyip Erdogan zu zerstören". Er vertraue aber auf Gott, dass "unsere Nation am 24. Juni diesem Team der Zerstörung erneut eine verdiente Lektion erteilen wird".

Das Wort "Tamam" dürfte ihm bis dahin aber noch häufiger begegnen. Es könnte sich zum Slogan aller Erdogan-Gegner entwickeln - auch außerhalb von Twitter.

 

mad, mit AFP
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