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US-Milliardär in Haft gestorben: Tod von Jeffrey Epstein - warum schauten seine Bewacher nicht so genau hin?

Jeffrey Epstein soll jahrelang Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht haben. Am Wochenende wurde der US-Unternehmer tot in seiner Gefängniszelle gefunden. Wie konnte das passieren? Gegen seine Bewacher werden Vorwürfe laut.

New York: Inhaftierter Milliardär Epstein tot aufgefunden

"Die schmutzige Geschichte enthält fast alle Markenzeichen eines stereotypischen Verschwörungsstoffes: Sexhandel mit Kindern, mächtige Führer der Weltpolitik, dubiose Flüge in Privatjets, Milliardäre, deren Reichtum unerklärlich ist" – mit diesen Worten beschreibt die "New York Times" den Fall Jeffrey Epstein. Die Aufzählung ließe sich noch um einen Punkt ergänzen: und ein US-Präsident, der ungeniert Verschwörungstheorien verbreitet. Sicher ist bislang nur: Der mutmaßliche Suizid des Milliardärs beschäftigt die US-Ermittler weiter.

Wie waren zwei Suizidversuche möglich?

Sowie das FBI als auch Justizminister William Barr haben Untersuchungen eingeleitet. Dabei wird es vermutlich auch darum gehen, wie Epstein - der wegen sexuellen Missbrauchs minderjähriger Mädchen angeklagt war - allem Anschein nach gleich zwei Mal versuchen konnte, sich das Leben zu nehmen. Eine drängende Frage ist, ob das Gefängnispersonal seine Aufsichtspflicht womöglich vernachlässigte. Epstein war schon im Juli bewusstlos in seiner Zelle gefunden worden. Die "New York Times" berichtete, Gefängnisbehörden hätten schon damals wegen des Verdachts eines Suizidversuchs ermittelt.

Jeffrey Epstein

Jeffrey Epstein auf einem Foto der New Yorker Staatsanwaltschaft

AFP

Wie das Blatt schreibt, soll das Gefängnis in Manhattan in der Nacht vor Epsteins Tod nicht die vorgeschriebenen Überwachungsmaßnahmen eingehalten haben. Eigentlich hätte ein Mitarbeiter jede halbe Stunde nach ihm schauen müssen, berichtete die Zeitung unter Verweis auf eine anonyme Quelle. Zudem habe die Anstalt Epsteins Zellengenossen verlegt. Der Angeklagte war demnach allein und unbeobachtet in seiner Zelle gewesen.

Leiche von Epstein Samstagmorgen entdeckt

Barr teilte mit, er sei entsetzt darüber, dass Epstein nach einem "offenkundigen Suizid" in seiner Zelle in einem Bundesgefängnis in New York leblos aufgefunden wurde. "Herr Epsteins Tod wirft ernste Fragen auf, die beantwortet werden müssen." Mitarbeiter des Gefängnisses in Manhattan hatten die Leiche des Ex-Investmentbankers am Samstagmorgen gegen 6.30 Uhr Ortszeit in der Zelle entdeckt.

Der Skandal um den Unternehmer bot seit dessen Festnahme Anfang Juli reichlich Zündstoff: Die Staatsanwaltschaft in New York warf dem 66-Jährigen vor, Dutzende minderjährige Mädchen missbraucht zu haben. Der Geschäftsmann habe zwischen 2002 und 2005 in New York und Florida einen illegalen Sexhandelsring aufgebaut, hieß es in der Anklageschrift. Einige Mädchen seien erst 14 Jahre alt gewesen und mit großen Summen Bargeld angelockt und dazu verleitet worden, weitere Mädchen heranzuschaffen. Die Ermittler berichteten, sie hätten bei Durchsuchungen in Epsteins Anwesen in Manhattan Hunderte Nacktbilder gefunden.

Epstein wies die Vorwürfe zurück und plädierte auf nicht schuldig. Der Termin für den Prozessbeginn war vorläufig auf den 8. Juni 2020 festgelegt worden. US-Medien spekulieren, dass ein Prozess weitere Prominente schwer belastet hätte. Epstein zeigte sich gerne öffentlich mit Stars und hatte unter anderem - zumindest zeitweise - Kontakte zum heutigen Präsidenten Donald Trump, zu Ex-Präsident Bill Clinton und zu Prinz Andrew aus Großbritannien.

Anwalt gibt Medien Mitschuld am Tod

Der New Yorker Staatsanwalt Geoffrey S. Berman teilte mit, dass die Untersuchungen zu den erhobenen Vorwürfen fortgeführt würden. Er verwies darauf, dass ein Anklagepunkt auch mutmaßliche Mittäter ins Visier nahm. Einer von Epsteins Anwälten, Marc Fernich, gab Berichten zufolge den Staatsanwälten, Opferanwälten und Medien eine Mitschuld am Tod seines Mandanten.

Mehrere Medien berichteten unter Berufung auf einen Gefängnisvertreter, Epstein sei in der Haftanstalt zwar in einer besonderen Einheit mit strengeren Sicherheitsvorkehrungen untergebracht gewesen. Er habe aber nur eine Zeit lang unter besonderer Beobachtung wegen möglicher Suizidgefahr gestanden.

Epstein war 2008 einen Deal mit der Staatsanwaltschaft eingegangen und so einem Bundesverfahren wegen Missbrauchsanschuldigungen entgangen. Er bekannte sich schuldig und saß ohne Verfahren vor einem Bundesgericht eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. Zugestimmt hatte dieser Regelung der damalige Staatsanwalt in Florida, Alexander Acosta. Nach den neuen Vorwürfen gegen Epstein trat Acosta von seinem mittlerweile angetretenen Amt als US-Arbeitsminister zurück.

Trump twittert Verschwörungstheorien

US-Präsident Donald Trump hatte sich im Juli von Epstein distanziert. Er habe vor langer Zeit einen Streit mit ihm gehabt und sei kein Fan von ihm. In einem "New York Magazine"-Interview von 2002 hatte Trump Epstein dagegen als "großartigen Mann" beschrieben. Damals sagte der noch nicht politisch aktive Immobilienmogul: "Es wird sogar erzählt, dass er schöne Frauen genauso mag wie ich. Und viele von denen sind eher von der jüngeren Sorte."

Auf Twitter hatte Trump kurz nach dem Tod Epsteins kommentarlos mehrere Tweets weitergeleitet, in denen suggeriert wird, dass Ex-Präsident Bill Clinton mit dem Ableben des Milliardärs zu tun habe.

Quellen: "New York Times", DPA

Sie haben suizidale Gedanken? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.

nik