HOME

Iran: Trauerfeier für getöteten General: Mit Tränen und Massen gegen Amerika

Der Sarg von Ghassem Soleimani wird im ganzen Land gezeigt und überall, wo er zu sehen ist, strömen die Massen hin. Die Trauerzüge für den von den USA getöteten General werden zu Propaganda-Aufmärschen für die iranischen Hardliner.

Iran: Trauerfeier für Soleimani

Massentrauer in Teheran. Die Bilder sollen einen geeinten Iran zeigen

AFP

Sein Sarg wird wie eine Reliquie durch die Region gekarrt: Samstag noch Bagdad, Sonntag Ahvas, im Südwesten Irans, danach Maschhad im Nordosten, Montag dann Teheran, anschließend ist noch der heilige Ort Ghom dran, schließlich findet die Beisetzung Dienstag in seinem Geburtsort Kerman im Südosten statt. Das ganze Volk soll sich von Ghassem Soleimani, dem "Märtyrer", verabschieden. So will es das Mullah-Regime und hat den Montag kurzerhand zum Feiertag erklärt. Hunderttausende waren in den Straßen der Hauptstadt zusammengekommen, viele in Schwarz gekleidet, sie trugen Fotos des von den USA getöteten Top-Generals.

Die Bilder der Menschenmassen entfalten ihre Wirkung. Sie zeigen ein in Trauer und Wut geeintes Volk, das einem Volkshelden huldigt, der sich dem Kampf gegen den Westen im Allgemeinen und den USA im Besonderen verschrieben hatte. Ghassem Soleimani war einer der mächtigsten Männer des Landes, Kommandeur der al-Kuds-Brigaden und eine Art Verbindungsmann für iranische Auslandsangelegenheiten. Man könnte ihn auch als Terrorkoordinator bezeichnen. Er starb bei einem Angriff durch das US-Militär in der Nähe des Bagdader Flughafens. Schon lange war er im Visier der Amerikaner, doch sowohl George W. Bush als auch Barack Obama scheuten sich, ihn zu "neutralisieren". Erst der aktuelle US-Präsident gab den Befehl dazu – und riskiert, dass der Dauerkonflikt mit dem Iran vollkommen eskaliert.

Perfekter Anlass für Anti-US-Hardliner 

Für die Hardliner in Teheran (sowie denen im verbündeten Syrien oder im Gazastreifen) kommt die Tötung Soleimanis gelegen. Es ist der perfekte Anlass, gegen die Amerikaner vorzugehen. Die iranische Regierung hat bereits Vergeltungsmaßnahmen angekündigt. Auch die zahlreichen Iran-nahen Milizen wie die Hisbollah im Libanon, die Hamas im Gazastreifen oder die Huthi-Rebellen im Jemen dürften sich nun ermutigt fühlen, gegen US-Soldaten und -Einrichtungen vorzugehen. Der Leichnam des Generals wird als Beweis herumgereicht, dass der Erzfeind aus dem Westen nur eine Sprache versteht: Gewalt.

Iran: Trauerfeier für Soleimani VI

Das Verbrennen von Flaggen der USA und Israels hat im Iran bereits Tradition - auch ohne den Tod eines Top-Generals wie Soleimani

AFP

Auch Soleimani war ein Spezialist auf diesem Gebiet, ein ehemaliger US-General nannte ihn "Irans tödlicher Puppenspieler". Auf vielen Trauerplakaten war zu lesen: "Du bist weg, aber Dein Weg wird weitergeführt." Eine Widmung als Drohung.

Oberster Führer weint vor laufenden Kameras

Das Ansehen, das er in mächtigen Kreisen des Iran genießt, sollte sich auch in den Gedenkveranstaltungen widerspiegeln. Am frühen Montagmorgen gab es an der Universität Teheran zunächst ein Leichengebet, dem Tausende beiwohnten. Auch die iranische Führung war anwesend: Präsident Rohani, Außenminister Sarif und der oberste religiöse Führer, Ajatollah Ali Chamenei. Er betete am Sarg des Generals, dabei versagte ihm die Stimme. Im iranischen Staatsfernsehen war zu sehen, wie Chamenei vor der Menge Tränen vergoss.

Iran: Trauerfeier für Soleimani

Ein Kommandeur der Revolutionsgarden nimmt Abschied an den Särgen der getöteten Kämpfer

AFP

Auf fast allen Fernsehkanälen wurden die Zeremonie live übertragen. Auch der Anführer der palästinensischen Hamas, Ismail Hanija, und Soleimans Tochter Sejnab traten auf und hielten Ansprachen: "Die USA und die Zionisten sollen nicht denken, dass mit dem Tod meines Vaters der Kampf gegen sie unterbrochen ist", sagte sie. "Dieser geht auch ohne ihn weiter."

Drei Kilometer Menschenmengen

Anschließend wurde Soleimanis Leiche zum Asadi-Platz im Westen Teherans transportiert. Entlang der fast drei Kilometer langen Strecke warteten riesige Menschenmengen. Medienberichten zufolge nahmen Millionen Iraner Abschied von dem getöteten Kommandeur der iranischen al-Kuds-Einheit.

Iran: Trauerfeier für Soleimani

Tod und Verderben in den Farben des Feindes: Eine Frau kehrt von der Trauerfeier für Soleimani in Teheran zurück

DPA

Auffällig: Bei vielen Menschen handelte es sich nicht um Anhänger des iranischen Regimes. Behnam M., ein 43 Jahre alter Klempner, sagte laut der Nachrichtenagentur DPA: "Soleimani war ein guter und treuer Soldat und hat unser Land jahrzehntelang verteidigt." Was passiert wäre, wenn die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in den Iran eingedrungen wäre, wolle er sich nicht vorstellen. "Ghassem hat das verhindert und dafür sind wir ihm alle für immer dankbar," erklärte der Klempner. Soleimani hatte den Kampf der iranischen Verbündeten gegen den IS koordiniert.

"Trump ist ein Vollidiot"

Auch die Hausfrau Massumeh H. ist keine Anhängerin des Regimes, zitiert sie die DPA. Ihr Sohn studiere in Minnesota und sei auch sehr glücklich dort. Sie habe nichts gegen die USA und die Amerikaner. Trotzdem rief sie lautstark "Tod den USA". "Dieser Trump ist ein Vollidiot," sagte die 39-Jährige. Der US-Präsident habe kein Recht, in einem anderen Land (Irak) einen iranischen Soldaten zu töten, nur weil dieser andere Interessen verfolge als das Weiße Haus, sagte die Hausfrau.

Iran: Trauerfeier für Soleimani

Trauernde bei einem Trauerzug Ghassem Soleimani

DPA

Die eigentliche Botschaft, die die zahlreichen Trauerkundgebungen aussenden sollen, dürfte dem Westen und den Amerikanern nicht gefallen: Der Iran, in dem es vor kurzem noch unzählige Tote bei Unruhen gegen das Mullah-Regime gegeben hatte, ist (wieder) zusammengewachsen. Der Spaltpilz, den die US-Regierung gehofft hatte zu sähen, ist nicht aufgegangen.

mit DPA/AFP