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Religionshüter Diyanet: Türkische Behörde animiert Kinder zum Märtyrertod

Die obersten Religionshüter der Türkei machen mal wieder Negativschlagzeilen. In einem Comic für Kinder verherrlicht die Behörde Diyanet das Sterben als Märtyrer.

Ein Ausschnitt aus dem Diyanet-Comic aus der Türkei zeigt die Unterhaltung eines Vater mit seinem Sohn

Ausschnitt aus dem Diyanet-Comic für Kinder in der Türkei: "Natürlich will ich ein Märtyrer sein!"

"Wie schön, ein Märtyrer zu sein!": Ein Kinder-Comic der staatlichen Behörde Diyanet sorgt in der Türkei für Aufregung. Die von den obersten Religionshütern veröffentlichten Zeichnungen verherrlichen den Märtyrertod, wie die türkische Zeitung "Cumhuriyet" berichtet.

In der Bildergeschichte, die sich an Kinder richtet, schildert ein Vater seinem Sohn, wie ehrenvoll es sei, für seine Überzeugungen zu sterben. Der Vater sagt: "Wie schön, ein Märtyrer zu sein!" Daraufhin fragt ihn sein Sohn: "Willst Du ein Märtyrer sein?" und erhält als Antwort: "Natürlich will ich ein Märtyrer sein. Wer will nicht in den Himmel?”

An anderer Stelle heißt es: "Märtyrer sind im Himmel so glücklich, dass sie zehnmal Märtyrer sein wollen." Oder: "Ich wünschte, ich könnte auch ein Märtyrer sein."

"Religion ist in der Türkei ein politisches Werkzeug"

Der Diyanet-Comic hat nach Angaben von "Cumhuriyet" heftige Kritik ausgelöst. "Religiösität ist in den letzten Jahren buchstäblich zu einem politischen Werkzeug geworden. Sie verstecken es noch nicht einmal", zitiert die Zeitung den Psychologen und Kritiker von Präsident , Serdar Degirmencioglu. Das Religionsministerium sei mit mehr Geld ausgestattet worden als mehrere andere Ministerien zusammen und arbeite intensiv daran, Kindern nahezubringen.

"Sie wollen mit den Zeichnungen Kindern die Botschaft des Märtyrertums vermitteln", erklärte Degirmencioglu. "Die Kinder werden erwachsen und sie werden in den Tod rennen, wenn diejenigen, die an der Macht sind, es ihnen sagen."

Auch Rechtsgutachten sorgten für Empörung

Für Diyanet sind es nicht die ersten in diesem Jahr: Im Januar hatten die Religionswächter mit einer Fatwa einen Sturm der Entrüstung entfacht. In dem islamischen Rechtsgutachten hieß es, es sei hinnehmbar, wenn ein Vater seine Tochter “ansieht und dabei Lust empfindet” oder das Kind "mit Wollust küsst". Das Mädchen müsse lediglich "älter als neun Jahre" alt sein. Behördenchef Mehmet Görmez tat die skandalöse Aussage später als Übersetzungsfehler aus dem Arabischen ab.

In einer weiteren Fatwa aus dem Januar ächtete Diyanet das Händchenhalten in der Öffentlichkeit: "Verlobte Paare sollten weder flirten noch zusammenleben, Händchen halten oder sich derart nahe kommen, dass sie Anlass zu Klatsch und Tratsch geben", hieß es in der im Internet veröffentlichten Erklärung. Jegliches Verhalten, "das nicht vom Islam gedeckt wird", sei zu unterlassen.

Auch Görmez persönliches Verhalten sorgte bereits für Wirbel. Vergangenes Jahr gönnte er sich einen Dienstwagen, der nach offiziellen Angaben rund 300.000 Euro kostete. Der Diyanet-Chef gab den Mercedes S 500 nach Kritik der Opposition zurück.

Höchste islamische Autorität der Türkei

Diyanet entstand 1924, ein Jahr nach Gründung der laizistischen türkischen Republik. Die zentrale Religionsbehörde des Landes ist für den sunnitischen Religionsunterricht, die Imam-Ausbildung und die Verwaltung der mehr als 85.000 Moscheen im Land verantwortlich. Die Religionshüter sind direkt dem türkischen Ministerpräsidenten unterstellt. Ihre moralischen Empfehlungen haben keine rechtliche Verbindlichkeit, doch sie sind die höchste islamische Autorität der

mad