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Ukraine-Krieg Lawrow erhebt schwere Vorwürfe gegen USA und Nato – Kiew kündigt Befreiung weiterer Gebiete an

Sergej Lawrow, Außenminister von Russland, äußerte sich beim Asean-Gipfel in Phnom Penh auch zum Ukraine-Krieg
Sergej Lawrow, Außenminister von Russland, äußerte sich an Rande des Asean-Gipfels in Phnom Penh auch zum Krieg Russlands in der Ukraine
© Russian Foreign Ministry Press Service / AP / DPA
Nachdem die Ukraine die russische Armee aus Cherson vertreiben konnte, stellt Präsident Wolodymyr Selenskyj die Befreiung weiterer Gebiete in Aussicht. Der russische Außenminister Sergej Lawrow nahm derweil die USA ins Visier.

Russlands Außenminister Sergej Lawrow hat den USA und der Nato vorgeworfen, durch eine Militarisierung der Asien-Pazifik-Region eine Vormachtstellung dort einnehmen zu wollen. "Die USA und ihre Verbündeten sowie die Nato versuchen jetzt, diese Region zu schlucken", behauptete Lawrow nach Angaben der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass am Rande des Asean-Gipfels in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. Ziel sei die Militarisierung der Region, "mit dem offensichtlichen Fokus darauf, China und die russischen Interessen in der Region einzugrenzen".

Eine gemeinsame Abschlusserklärung des Gipfels sei an Streitigkeiten um den Wortlaut zur Situation in der Ukraine gescheitert, sagte Lawrow weiter. "Heute wurden keine kollektiven Entscheidungen getroffen, weil die USA und ihre westlichen Verbündeten auf einer absolut inakzeptablen Sprache in Bezug auf die Lage in und um die Ukraine bestanden haben."

Ukraine befürchtet Sabotage am Kachowka-Staudamm

Unterdessen kündigte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj nach der Rückeroberung der Gebietshauptstadt Cherson die Befreiung weiterer von Russland besetzter Gebiete an. "Wir vergessen niemanden, wir werden niemanden zurücklassen", versprach Selenskyj am Samstagabend in seiner täglichen Videoansprache.

In der Region Cherson hätten ukrainische Sicherheitskräfte mit der Räumung von Minen begonnen, erklärte der Präsident. 2000 Sprengsätze seien bereits entschärft worden. Selenskyj berichtete von massiven Zerstörungen in dem Gebiet: "Vor der Flucht aus Cherson haben die Besatzer die ganze kritische Infrastruktur zerstört – Kommunikation, Wasserversorgung, Heizung, Strom." Nach Angaben von Gouverneur Jaroslaw Januschewytsch sind bereits Vertreter der ukrainischen Gebietsverwaltung und von Sicherheitsorganen nach Cherson zurückgekehrt. So hätten etwa Polizei und Geheimdienst ihre Arbeit schon wieder aufgenommen.

Die russischen Besatzer, die sich auf die Seite südöstlich des Flusses Dnipro zurückgezogen haben, kündigten derweil dort die Räumung der Stadt Nowa Kachowka an - was Sorgen vor einem möglichen Sabotageakt am dortigen Staudamm schürt. Befürchtet wird, dass der Damm durch Beschuss zerstört und das Gebiet überflutet werden könnte. Russen und Ukrainer werfen sich seit Wochen gegenseitig vor, eine solche Provokation zu planen. Die ukrainischen Streitkräfte hätten die Verwaltung von Kachowka als Ziel "Nummer eins für einen Terroranschlag" in der Region ausgemacht, behauptete der örtliche Besatzungschef Pawel Filiptschuk. Die Ukraine weist Sabotageabsichten zurück.

Russland hatte das Gebiet Cherson kurz nach Beginn seines Angriffskrieges Ende Februar weitgehend erobert und im September zusammen mit den Gebieten Saporischschja, Luhansk und Donezk völkerrechtswidrig annektiert. Unter dem Druck ukrainischer Gegenoffensiven zog der Kreml in den vergangenen Tagen seine Truppen aus allen Teilen Chersons, die nordwestlich des Flusses Dnipro liegen, ab.

mad DPA AFP

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