Frontverlauf in der Ukraine Sicherheitsexperte: "Aktuell wäre für Putin mit einem atomaren Zivilisationsbruch nichts gewonnen. Das kann sich ändern"

Sicherheitsexperte Frank Sauer über den Ukraine-Krieg
Sicherheitsexperte Frank Sauer über den Ukraine-Krieg
© Markus Reitz
Nicht nur Deutschland hält sich bei Waffenlieferungen an die Ukraine zurück, sagt Frank Sauer, Experte für internationale Sicherheitspolitik an der Universität der Bundeswehr in München. Auch andere G7-Staaten zögerten, die ukrainische Gegenoffensive mit passendem Kriegsgerät zu unterstützen – aus Sorge vor einem offenen Konflikt mit Russland. Sauers Forderung: Der Westen müsse sich dringend darüber verständigen, auf welchen Kriegsausgang man eigentlich hinarbeiten wolle.

Herr Sauer, die ukrainische Armee hat von Verteidigung auf Angriff geschaltet – und scheint damit großen Erfolg zu haben. Erleben wir einen Wendepunkt des Krieges?
Mit ihrer Überraschungsoffensive im Raum Charkiw hat die Ukraine in beispiellosen 72 Stunden Geländegewinne gemacht, für die Russland zuvor drei Monate gebraucht hat. Zurückerobert wurden die Städte Kupjansk und Isjum, zwei für die russische Logistik kritische Eisenbahnknotenpunkte. Das wird Russlands Operationsführung im Donbass nachhaltig beeinträchtigen, zumal die jetzt in Reichweite ukrainischer HIMARS-Raketen liegt. Hinzu kommt, dass die Russen bei ihrem fluchtartigen Rückzug große Mengen an Material und Munition zurückgelassen haben. Entscheidend ist jetzt, ob die Ukraine dieses Momentum und das zurückeroberte Territorium halten kann. Noch zögere ich, von einem Wendepunkt zu sprechen, weil man solche Überraschungserfolge nicht beliebig wiederholen kann. Aber der Krieg ist in einer neuen Phase, in der die Initiative bei den Ukrainern liegt.

Wie haben die Ukrainer das geschafft?

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