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Umstrittenes Grenzgebiet: Iraner besetzen Ölquelle im Irak

Grenzzwischenfall im Südirak: Iranische Soldaten sind auf das Gebiet des Nachbarlandes vorgedrungen und haben eine Ölquelle besetzt. Nach Militärangaben aus Bagdad haben die Eindriglinge die iranische Flagge gehisst und gepanzerte Fahrzeuge in Stellung gebracht.

Iranische Soldaten haben offenbar eine Ölquelle im Irak besetzt. "Iranische Truppen halten die Quelle Nummer 4 des Ölfeldes Ost-Missan seit gestern Morgen besetzt", teilte Zhafer Nazhmi, ein General der irakischen Grenztruppen, am Freitag in Bagdad mit. Die Soldaten hätten in dem Gebiet Al-Fakka, das rund 450 Kilometer südlich von Bagdad nahe der Grenze zum Iran liegt, die iranische Flagge gehisst. Dann hätten sie begonnen, Gräben auszuheben und gepanzerte Fahrzeuge rund um das Gebiet in Stellung zu bringen. Aus Teheran kam zunächst kein Kommentar.

Die Nachrichtenagentur Aswat al-Irak meldete unter Berufung auf Verantwortliche in der Provinz Missan, es habe sich nur um drei Soldaten gehandelt, die inzwischen wieder abgezogen seien. Ein Offizier der 11. Division der irakischen Grenztruppen sagte jedoch am Nachmittag, die iranischen Truppen "besetzen immer noch die Ölquelle Nummer 4".

"Keine Absicht, eine Militäraktion zu beginnen"

Iraks Ministerpräsident Nuri al-Maliki rief seine Landsleute zur Besonnenheit auf. Innenminister Dschawad al-Bolani sagte dem Nachrichtensender Al-Arabija: "Wir sind im Kontakt mit dem Ölministerium, wir müssen erst einmal feststellen, was genau passiert ist." Ein Kommandeur der Grenztruppen erklärte: "Es gibt keine Absicht, eine Militäraktion zu beginnen, und auf Wunsch von Regierungschef Nuri al-Maliki arbeiten wir an einer diplomatischen Lösung der Krise."

Die US-Armee erklärte, die Hoffnung sei, dass sich die iranischen Soldaten kampflos zurückzögen. Auch die Besetzung des Ölfeldes sei gewaltlos vonstatten gegangen, sagte ein Sprecher im US-Stützpunkt Adder bei Nassirija. Nach Angaben des Ölunternehmens SOC soll am Samstag eine Regierungsdelegation eintreffen, um sich einen Eindruck von der Lage zu verschaffen.

Die von den Schiiten dominierte irakische Regierung unterhält gute Beziehungen zu Teheran. In der Ära des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein waren beide Länder von 1980 bis 1988 Gegner in einem Krieg gewesen.

Entlang der gemeinsamen Grenze gibt es nach jüngsten Studien an 15 Orten Ölvorkommen. Diese liegen in den irakischen Provinzen Suleimanija, Dijala, Wasit, Missan und Basra. Darüber, wer das Recht hat, das Feld Al-Fakka auszubeuten, auf dem zwölf Ölquellen liegen, hatte es zwischen den Nachbarn bereits früher Gespräche gegeben.

Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters