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US-Wahl 2020: Wer tritt gegen Donald Trump an? Chaos bei den Vorwahlen der Demokraten in Iowa

Konfusion beim Wahlauftakt der Demokraten in Iowa: Bei den ersten Vorwahlen der Partei zur US-Präsidentenwahl im November verzögert sich die Veröffentlichung der Ergebnisse. Die Kandidaten reagieren verärgert.

Erste Vorwahlen in Iowa: Elizabeth Warren, Joe Biden und Bernie Sanders (v.li.) gelten als aussichtsreiche Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl.

Erste Vorwahlen in Iowa: Elizabeth Warren, Joe Biden und Bernie Sanders (v.li.) gelten als aussichtsreiche Kandidaten der Demokraten für die Präsidentschaftswahl.

Bei der Präsidentschaftsvorwahl der US-Demokraten im Bundesstaat Iowa gibt es unerwartete Probleme: Mehrere Stunden nach der ersten Abstimmung im Wahljahr 2020, die traditionell eine große Signalwirkung für die Chancen der Kandidaten hat, wurden noch immer keine Ergebnisse veröffentlicht. stern-Korrespondent Jan-Christoph Wiechmann sprach von "Chaos in Iowa".

Die Demokraten begründeten die stundenlange Verzögerung mit Qualitätskontrollen und "Unstimmigkeiten" zwischen drei verschiedenen Datensätzen zu den Resultaten. Die App zum Weiterleiten der Ergebnisse sei nicht abgestürzt, betonte die Partei. Auch handle es sich nicht um einen Hackerangriff. Es solle nun lediglich sichergestellt werden, dass die Ergebnisse vor einer Veröffentlichung korrekt seien. "Die Integrität der Ergebnisse ist von größter Bedeutung", erklärten die Demokraten.

Republikaner verspotten Demokraten

Bei den Kandidaten sorgt die Verzögerung für Ärger. Das Wahlkampfteam von Ex-Vizepräsident Joe Biden kritisierte in einem von US-Medien veröffentlichten Schreiben an die Partei "erhebliche Mängel" in dem System zur Auszählung der Stimmen. Mehrere demokratische Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten traten vor ihren Anhängern in Iowas Hauptstadt Des Moines auf, ohne das Ergebnis der Vorwahl zu kennen und versicherten, sie hätten erfolgreich abgeschnitten. So äußerten sich Biden, der linksgerichtete Senator Bernie Sanders, der in Umfragen für Iowa in Führung gelegen hatte, der frühere Bürgermeister Pete Buttigieg sowie die Senatorinnen Elizabeth Warren und Amy Klobuchar.

Elizabeth Warren und Donald Trump haben schon einen großen Schlagabtausch hinter sich.

Bei Fernsehkommentatoren sorgten die Auszählungsprobleme für scharfe Kritik und bei den Republikanern von US-Präsident Donald Trump für hämische Reaktionen. Die Demokraten könnten nicht einmal eine Vorwahl ausführen, wollten aber die Regierung übernehmen, spottete Trumps Wahlkampfmanager Brad Pascale auf Twitter. 

Im parteiinternen Rennen der Republikaner tritt Amtsinhaber Trump ohne ernstzunehmende Konkurrenz an. Erwartungsgemäß siegte er in Iowa mit überwältigender Mehrheit. Seine beiden Konkurrenten dort - der frühere Gouverneur von Massachusetts, Bill Weld, und der konservative Radio-Moderator und frühere Kongressabgeordnete, Joe Walsh - blieben laut "New York Times" unter zwei Prozent.

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Iowa – kleiner Bundesstaat, große Wirkung 

Bei Parteiversammlungen verteilt über den ganzen Staat stimmten Demokraten und Republikaner am Montag darüber ab, wen sie für den besten Präsidentschaftskandidaten ihrer Partei halten. Das Prozedere bei diesen "Caucus"-Treffen ist kompliziert und unterscheidet sich deutlich von Abstimmungen per Wahlzettel.

Iowa ist mit seinen drei Millionen Einwohnern auf nationaler Ebene kein Schwergewicht und schickt im Sommer auch nur wenige Delegierte zu den Nominierungsparteitagen von Demokraten und Republikanern. In dem kleinen Staat hat sich aber in der Vergangenheit oft gezeigt, wer am Ende als Kandidat seiner Partei das Rennen macht. Die Signalwirkung ist also groß.

Kurz nach Iowa steht am 11. Februar die nächste Vorwahl in New Hampshire an. In beiden Staaten liegt Bernie Sanders in Umfragen unter den demokratischen Präsidentschaftskandidaten vorne - sogar mit deutlichem Abstand zum früheren Vize-Präsidenten Joe Biden.

Am 3. März folgt dann die nächste große Wegmarke: der "Super Tuesday" mit Abstimmungen in mehr als einem Dutzend US-Bundesstaaten. Die Vorwahlen ziehen sich insgesamt bis Juni hin. Im Sommer küren Demokraten und Republikaner dann auf großen Parteitagen ihren jeweiligen Präsidentschaftskandidaten. Die Kontrahenten haben dann noch mehrere Monate Zeit für den heißen Wahlkampf. Am 3. November steht schließlich die Präsidentschaftswahl an.

mad / san / dho / DPA