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Zwischenwahlen in USA Lauren Boebert und Herschel Walker: die zwei Gesichter hinter Trumps Wahldilemma

Midterms Lauren Boebert Herschel Walker
Republikaner-Radikale: Lauren Boebert und Herschel Walker.
© AFP
Für die Republikaner liefen die Midterms nicht besonders gut. Dennoch ist eine konservative Mehrheit in beiden Kongresskammern noch möglich. Zwei Kandidaten von Donald Trumps Gnaden stehen für die bedingte Mehrheitsfähigkeit der MAGA-Republikaner.

Haben die MAGA-Republikaner ihre große Zeit hinter sich? Bei den Zwischenwahlen in den USA jedenfalls ist die Hoffnung der ganz harten Anhänger Donald Trumps verpufft, ihren Marsch durch die Parlamente fortzusetzen. Viele von ihm geförderte Kandidaten haben verloren, nun fällt ihr Abschneiden auf den Ex-US-Präsidenten zurück, die innerparteiliche Kritik wächst. Doch noch ist nicht alles verloren, sogar eine konservative Mehrheit in beiden Kongresskammern ist noch möglich.

Sekt und Selters für Trumpisten

Nicht Sekt oder Selters gab es für Trumpisten bei der aktuellen Wahl, sondern Sekt und Selters. Vor allem zwei Gesichter der Make-America-Great-Again-Bewegung stehen für die bedingte Mehrheitsfähigkeit der Trump-Anhänger: die schillernde Reaktionärin Lauren Boebert aus Colorado und der umstrittene Ex-NFL-Star Herschel Walker aus Georgia.

Wie schon vor zwei Jahren schauen die Amerikaner gebannt auf den "Pfirsich-Staat" Georgia. 2020 hatte Joe Biden dort rund 12.000 Stimmen mehr bekommen als Donald Trump – und wurde letztlich neuer US-Präsident. Jetzt steht das Rennen um einen Senatssitz im Fokus, es ist so eng, dass für den 6. Dezember eine Stichwahl angesetzt wurde. Sollte dann der Republikaner Herschel Walker gewinnen, könnte sein Erfolg sogar die Mehrheitsverhältnisse im US-Senat zugunsten der Konservativen kippen. Dann würde Trumps Partei beide Kongresskammern kontrollieren und die Midterms versöhnlich beenden.

Trump-Kandidat in Stichwahl

Dass es der Politneuling Walker, 60 Jahre alt, in die Stichwahl geschafft hat, ist im Grunde ein Erfolg für das Trump-Lager. Denn der Senatsanwärter galt manchen Beobachtern als "schlechtester Kandidat aller Zeiten". Sogar Ex-US-Präsident Barack Obama lästerte über ihn. Der frühere Football-Profi entpuppte sich im Wahlkampf als Heuchler, der es mit der Wahrheit nicht immer genau nahm. Er verkaufte sich als Familienmensch und Abtreibungsgegner, bis sich herausstellte, dass er einer Geliebten Schwangerschaftsabbrüche bezahlt hatte. Sogar sein eigener Sohn wandte sich öffentlich von ihm ab.

Gewissermaßen ist er für die Konservativen ein genauso unmöglicher Kandidat, wie es Donald Trump einst war. Anders als dem Immobilienmilliardär, mangelt es ihm aber an rhetorischen Fähigkeiten. Trotzdem machte er im letzten TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer eine gute Figur. Nun also geht es für ihn und die MAGA-Fraktion in Verlängerung. Wohl auch, weil er durch seine Eskapaden Dauergast in den Schlagzeilen war. "Walkers Kandidatur", heißt es beim US-Magazin "Slate", "so bizarr sie auch sein mag, wirkt wie sein ständiger Versuch, das Gefühl zurückzugewinnen, in einer Sache großartig zu sein. Das unheimliche dabei: Es könnte funktionieren."

Auch in Colorado wird es eng

Ob der frühere Sportler am Ende Trumps Zünglein an der Senatswaage sein wird, hängt auch vom Wahlausgang in Arizona und Nevada ab. Dort läuft die Auszählung noch. In Arizona, wo der Kandidat der Demokraten leicht vorne liegt, drohen wegen Problemen am Wahltag allerdings Nachzählungen oder sogar Klagen gegen das Ergebnis. Ähnlich läuft es derzeit auch für eine andere Ikone der Trumpisten: Lauren Boebert, 35, aus Colorado.

Seit knapp zwei Jahren sitzt die Restaurantchefin im Repräsentantenhaus. Ob es für eine Wiederwahl reicht, ist noch nicht absehbar. Zuletzt lag sie in ihrem Wahlkreis 64 Stimmen hinter den Demokraten Adam Frisch. 2019 wurde sie zum Star erzkonservativer Waffennarren, als sie mit einem Gewehr in der Hand auf einer Wahlkampfveranstaltung des Demokraten Beto O'Rourke auftauchte, um ihm ihre Position zum Thema Waffenbesitz zu darzulegen. Reporter berichteten später davon, dass die Kellnerinnen in ihrem "Shooters Grill" mit Pistolen im Holster die Gäste bedienten.

Postergirl der Radikal-Republikaner 

Boebert gehört zum Flügel der besonders radikalen Republikaner. Wie die (bereits wiedergewählte) Verschwörungstheoretikerin Marjorie Taylor Greene, nutzt sie jede Gelegenheit sich als Freiheitskämpferin zu inszenieren. Die politischen Gegner von den Demokraten diffamierte sie einmal als "Dschihad Squad", also als Terroristen. Als Trump-Anhänger am 6. Januar 2021 das Kongressgebäude in Washington erstürmten, frohlockte sie via Twitter "Heute ist 1776". Sie spielte damit auf das Gründungsjahr der USA an. Offenbar empfand sie dem Kapitol-Sturm als Neustart für das Land. Angeblich soll sie sogar mit den Putschisten zusammengearbeitet haben.

Für die MAGA-Republikaner ist die 35-Jährige das gefundene Poster-Girl: eine feingliedrige Mutter von vier Kindern, die gerne in knallengen Jeans mit Knarre posiert und den Sohn des US-Präsidenten Joe Biden einen "Crack rauchenden Hurenbock" nennt. Wenig überraschend gehört Boebert zur Gruppe der "Election Denier", die die Ergebnisse der Präsidentschaftswahl 2020 nicht akzeptiert. Nun wird auch ihr Wahlergebnis äußerst knapp ausfallen und mutmaßlich dürfte sie dagegen juristisch vorgehen. Wenn es gut läuft, was angesichts ihrer Gewaltrhetorik aber auch ganz anders enden kann.

Quellen: DPA, AFP, PBS, BBC, Vox.com, "Slate", "New York Times"

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