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US-Flüchtlingspolitik: Kind zurück bei "freiwilliger" Ausreise? US-Migranten berichten von fragwürdigem Angebot

US-Präsident Donald Trump hat die Trennung von Flüchtlingsfamilien an der mexikanischen Grenze beendet. Das heißt aber noch lange nicht, dass alle Eltern ihre Kinder jetzt zurückbekommen.

Illegale Migranten in einem Aufnahmelager in McAllen im US-Bundesstaat Texas

Illegale Migranten in einem Aufnahmelager in McAllen im US-Bundesstaat Texas

AFP

Nachdem US-Präsident Donald Trump das Auseinanderreißen von Flüchtlingsfamilien an der Grenze zu Mexiko gestoppt hat, sollen gut 2000 Kinder, die bereits von ihren Eltern getrennt wurden, wieder mit diesen vereint werden. Die Pläne dazu stellte die Regierung am Wochenende in einem Informationsschreiben vor. "Dieser Prozess ist gut koordiniert", heißt es darin in Hinblick auf die Zusammenarbeit der unterschiedlichen für die Migranten zuständigen Behörden, wie die Zeitschrift "New York" berichtet.

In der Praxis erweise sich der Prozess allerdings als genauso verwirrend und chaotisch wie die Null-Toleranz-Politik, die überhaupt erst zu der Familientrennung geführt habe, schreibt das Magazin unter Berufung auf Bürgerrechtsanwälte. Viele Eltern wüssten noch immer nicht, wo ihre Kinder sich befänden. Einige zögen sogar ihre Asylanträge zurück, weil sie glaubten, dass sie ihre Kinder dadurch schneller wiederbekämen.

Honduraner in den USA seit Wochen von Tochter getrennt

Was sie in den letzten Tagen gesehen habe, sei "das ineffizienteste, absurdeste System", dem sie je begegnet sei, sagte die Anwältin Sirine Shebaya der "Washington Post". Die Amerikanerin mit libanesischen Wurzeln hat im Port Isabel Auffanglager in Los Fresnos, Texas, der Haupteinrichtung der Regierung für die Wiedervereinigung von Familien vor ihrer Deportation, zahlreiche Mütter und Väter befragt. "Es gibt dort drin Leute, die darüber nachdenken, wirklich aussichtsreiche Asylansprüche nicht weiterzuverfolgen, weil sie glauben, schneller wieder mit ihren Kindern vereint zu werden, wenn sie ihren Antrag zurückziehen", zitiert die Zeitung Shebaya. "Das ist einfach falsch."

Ein Mann aus Honduras, der von seiner sechsjährigen Tochter getrennt und in ein Gefangenenlager für Erwachsene in der Nähe von Houston gebracht wurde, nachdem sie Ende Mai illegal die Grenze überquert hatten, berichtete der "Texas Tribune", zwei Bundesbeamte hätten ihm gesagt, er würde am Flughafen mit seinem Kind wieder zusammenkommen, wenn er eine freiwillige Abschiebungsanordnung unterzeichnete. In der Einrichtung seien 20 bis 25 weitere Männer eingesperrt, denen die Kinder weggenommen wurden. Die meisten von ihnen hätten dasselbe Angebot erhalten.

Aus Verzweiflung habe er die Anordnung unterschrieben, erzählte der 24-Jährige. "Aber die Wahrheit ist, ich kann nicht zurück nach Honduras gehen. Ich brauche Hilfe." Er habe seit ihrer Trennung vor drei Wochen nur einmal mit seiner Tochter sprechen können, am 21. Juni. Jetzt versuche er, die freiwillige Abschiebungsanordnung rückgängig zu machen und juristische Unterstützung zu bekommen.

"Alle wurden belogen"

Zwei Anwälte für Einwanderungsrecht sagten laut dem "New York"-Magazin, sie hätten ähnliche Berichte von anderen Häftlingen gehört und glaubten nicht, dass die Bundesregierung bereit oder in der Lage sei, dieses Versprechen einzuhalten. "Ich bezweifle, dass sie sein Kind in ein Flugzeug setzen würden, um es dorthin zu bringen, von wo aus er abgeschoben werden würde." Eltern und Kinder werden nach ihrer Trennung oft in Einrichtungen untergebracht, die hunderte Kilometer voneinander entfernt liegen.

Ein namentlich nicht genannter Verwaltungsbeamter sagte laut dem Nachrichtensender CNN, das Angebot sei üblich und nicht auf Eltern beschränkt, die von ihren Kindern getrennt sind. Verhafteten Einwanderern wird demnach erzählt, dass ihr Fall schneller bearbeitet werden könnte, wenn sie eine Abschiebeanordnunng unterzeichnen, statt auf eine richterliche Anhörung zu warten. Migrantenanwälte sagen, dass Einwanderer in dieser Situation möglicherweise nicht verstehen, dass die Prozesse der Abschiebung und der Familienzusammenführung getrennt ablaufen.

Die demokratische Senatorin Elizabeth Warren besuchte am Sonntag das Port Isabel Auffanglager in Los Fresnos und sprach dort nach eigener Aussage unter anderem mit neun eingesperrten Migrantinnen: "Alle wurden belogen. Alle außer einer haben nicht mit ihren Kindern gesprochen. Und alle haben keine Ahnung, wo ihre Kinder sind." Es sei eindeutig, sagte Warren. "Sie führen hier keinen Wiedervereinigungsprozess durch."

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