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TV-Debatte der Demokraten: Warren gegen die alten, weißen Männer: Das Thema Sexismus hat den Wahlkampf voll erreicht

Die Demokraten suchen einen Herausforderer für Donald Trump: Wer kann ihn schlagen? Bei der TV-Debatte in Iowa kämpften die verbliebenen Kandidaten um Stimmen – und diskutieren, ob eine Frau wirklich Präsidentin der USA werden kann. Im 21. Jahrhundert.

Elizabeth Warren, Joe Biden und Bernie Sanders bei der TV-Debatte in Iowa

Elizabeth Warren ist die einzig verbliebene Frau, der gegen Joe Biden (M.) und Bernie Sanders Siegchancen zugetraut werden

AFP

Es dauerte fast eine Stunde, bis die Debatte der Demokraten richtig heiß lief. Es war vorher schon um den Iran gegangen, um die Terrormiliz Islamischer Staat, um die Kriege in Afghanistan und im Irak, aber die Antworten der sechs Kandidaten auf der Bühne ähnelten sich oder brachten wenig Neues.

Dann kam die Frage, auf die alle gewartet haben: Kann eine Frau Präsident Trump schlagen?

Warren gegen Sanders: Kann eine Frau gegen Trump gewinnen?

Angeblich hatte der derzeit in Iowa führende Bernie Sanders gegenüber Elizabeth Warren, seiner Hauptkonkurrentin des linken Flügels, vor einem Jahr behauptet, eine Frau könne gegen den Sexisten Trump nicht gewinnen. "Ich habe es nicht gesagt", verteidigte sich Sanders. Natürlich könne eine Frau Präsidentin der USA werden.

DIW-Präsident Marcel Fratzscher fürchtet 2020 einen möglichen Handelskonflikt der USA mit Deutschland. 

Warren bestätigte, dass Sanders es sehr wohl gesagt hatte. "Ich war anderer Meinung", ergänzte sie. "Die einzigen auf dieser Bühne, die alle Wahlen gewonnen haben, sind Amy und ich", sagte sie und verwies auf ihre Mitkonkurrentin, die Senatorin Amy Klobuchar. Die Männer auf der Bühne hätten zusammen zehn Wahlen verloren, schob sie süffisant hinterher.

Das Publikum im Saal johlte und applaudierte. Es kam zum ersten Mal richtig in Fahrt.

Es blieb das einzige Mal.

Diskutieren Demokraten wirklich darüber, ob eine Frau im 21. Jahrhundert US-Präsidentin werden kann?

Drei Wochen vor dem Caucus in Iowa, der ersten Vorwahl, hatten sechs Kandidaten der Demokraten noch mal die Chance, sich vor einem Millionenpublikum zu präsentieren, sich abzugrenzen, anzugreifen.

Wer fordert Donald Trump heraus?: Biden, Warren, Sanders und Co.: Das sind die Kandidaten der Demokraten
Elizabeth Warren

Elizabeth Warren

Die 70-jährige Senatorin liegt politisch nahe bei dem "demokratischen Sozialisten" Bernie Sanders, auch sie ist für eine universelle Krankenversicherung und für eine Reichensteuer. Die frühere Jura-Professorin hat sich den Kampf gegen die Korruption auf die Fahnen geschrieben und will die Macht von Großkonzernen eindämmen. Warren war 2010 im Nachgang der weltweiten Finanzkrise von Barack Obama mit der Einrichtung der US-Behörde für Verbraucherschutz im Finanzwesen beauftragt worden. Zwei Jahre später gewann sie einen Sitz im Senat. Warum sie Chancen auf eine Nominierung haben könnte, lesen Sie hier.

DPA

Warren, die in den Umfragen zuletzt gefallen war, wollte das Thema Sexismus nutzen, um die Wählerinnen im Staat nochmal richtig zu motivieren. Doch Sanders konterte geschickt, er legte dar, dass er sich schon immer für Frauenrechte eingesetzt hatte und eine Frau selbstverständlich Präsidentin werden könne.

Wirklich?, fragten sich viele im Saal der Drake University von Des Moines. Diskutieren Demokraten wirklich darüber, ob eine Frau im 21. Jahrhundert Präsidentin der USA werden kann?

Elizabeth Warren als einzige Favoritin neben lauter alten, weißen Männern

Die Episode spielt vor einem wichtigen Hintergrund: Warren ist die einzig verbliebene Frau unter den vier Favoriten. Zudem ist Sanders derjenige, der sich vor vier Jahren nur sehr zurückhaltend für Hillary Clinton im Wahlkampf gegen Donald Trump eingesetzt hatte. Es ist durchaus möglich, dass im November der 77-jährige alte weiße Mann Joe Biden oder der 78-jährige alte weiße Mann Bernie Sanders gegen den 74-jährigen alten weißen Mann Donald Trump antreten wird.

Wieder keine Frau.

Das Thema Sexismus hat den Wahlkampf voll erreicht. Zwar sind vor zwei Jahren viele Frauen in den Kongress gewählt worden, zwar sind sie dort genauso erfolgreich oder erfolgreicher als die Männer, doch der Sprung ins Weiße Haus könnte wieder mal scheitern. Warren lag in den Umfragen lange vorn, doch seit November haben die anderen aufgeholt und sie zum Teil überholt. Sie brauchte einen Befreiungsschlag.

Wer ist der stärkste Kandidat des linken Flügels?

Es geht um die Frage: Wer ist der stärkste Kandidat des linken Flügels in der Partei? Wer geht ins Duell mit dem stärksten Kandidaten des gemäßigten Flügels, vermutlich Ex-Vizepräsident Joe Biden?

Erst nach der Debatte gab es den vielleicht wichtigsten Moment des Abends: Bernie Sanders streckte die Hand zur Versöhnung aus, Elizabeth Warren zog ihre Hand zurück. Die langjährigen Freunde redeten daraufhin noch kurz und hitzig, bis Sanders von dannen zog.

Ohne Handshake.

mik