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Vorwürfe wegen Führungsstil: Chef des UN-Palästinenserhilfswerks tritt zurück

Schon seit Monaten kursierten schwere Vorwürfe gegen den Chef des UN-Palästinenserhilfswerks. Nun trat Pierre Krähenbühl zurück. Der Fall könnte die ohnehin angeschlagene Organisation weiter unter Druck setzen.

Pierre Krähenbühl

Der bisherige UNRWA-Chef Pierre Krähenbühl, hier Mitte Februar, hat seinen Rücktritt erklärt. Foto: Hussein Malla/AP/dpa

Nach schweren Vorwürfen wegen seines Führungsstils hat UNRWA-Chef Pierre Krähenbühl seinen Rücktritt von der Spitze des UN-Palästinenserhilfswerks verkündet.

Diese «persönliche Entscheidung» teilte er UN-Generalsekretär António Guterres am Mittwoch in einem Brief mit, wie dessen Sprecher Stéphane Dujarric sagte. Zuvor hatte die Führung der Vereinten Nationen Krähenbühl nach dem Erhalt eines internen Berichts Missmanagement vorgeworfen. Es deutete aber nichts auf Betrug oder Unterschlagung von Hilfsgeldern durch den Schweizer hin. Der erst kürzlich installierte Vize-Chef Christian Saunders übernimmt die UNRWA-Gesamtverantwortung kommissarisch.

Am Morgen hatte UNRWA erklärt, eine interne Ermittlung habe Fragen zum Führungsstil von Krähenbühl aufgeworfen. Weitere Details zur Art des festgestellten Fehlverhaltens wurden nicht genannt.

Im Sommer hatte unter anderem der arabische TV-Sender «Al-Dschasira» von internen Beschwerden über den 53-Jährigen und andere UNRWA-Führungskräfte berichtet. Diese hätten ihre Macht für persönliche Zwecke missbraucht und abweichende Meinungen unterdrückt.

Krähenbühl wies alle Vorwürfe zurück. Es gebe in der Kritik am UNRWA seit längerem politische, finanzielle und seit dem Sommer auch persönliche Attacken, sagte er dem französischsprachigen Sender RTS. US-Diplomaten hätten ihn bei einem Briefing im Weltsicherheitsrat so direkt kritisiert, wie er es in mehr als 20 Jahren humanitärer Arbeit nicht erlebt habe.

Das UNRWA war vergangenes Jahr in eine Finanzkrise gerutscht, nachdem die US-Administration unter Donald Trump entschieden hatten, ihre Zahlungen massiv zu kürzen. 2018 hatten die USA nur 60 Millionen Dollar gezahlt. Im Jahr zuvor waren es noch 360 Millionen Dollar gewesen. Trumps Nahost-Beauftragter Jason Greenblatt hatte die Übernahme der UNRWA-Leistungen durch andere Länder und lokale Träger angeregt.

Deutschland war 2018 als einzelnes Land der größte Geldgeber mit rund 177 Millionen Euro. Nach dem Aufkommen der Vorwürfe gegen Krähenbühl hatten die Schweiz, die Niederlande und Belgien ihre finanzielle Unterstützung für UNRWA zunächst eingefroren. Israel rief zur Veröffentlichung aller Untersuchungsergebnisse in dem Fall auf. Das Außenministerium bekräftigte die Forderung nach einer grundlegenden Reform der Organisation.

Die Vereinten Nationen hatten die Organisation 1949 gegründet, um palästinensischen Flüchtlingen zu helfen. Mittlerweile unterstützt sie mehr als 5,5 Millionen Palästinenser - Menschen, die 1948 flüchteten oder vertrieben wurden, sowie ihre Nachkommen. Das UNRWA ist unter anderem in Jordanien, im Libanon und in den Palästinensergebieten tätig.

dpa