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Anschlag auf die USA: Diese 9/11-Verschwörungstheorien halten sich hartnäckig

Um kaum ein Ereignis ranken sich derart viele Verschwörungstheorien wie um den 11. September 2001. Auch 16 Jahre nach den verheerenden Terroranschlägen halten sich einige von ihnen hartnäckig - seien sie auch noch so abwegig.

Die schrecklichen Momente am Morgen des 11. September 2001 in New York City: Ein Turm des World Trade Center stürzt ein

Die schrecklichen Momente am Morgen des 11. September 2001 in New York City: Ein Turm des World Trade Center stürzt ein

Etwa 3000 Menschen starben bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001. Eine Gruppe von 19 Al-Kaida-Terroristen entführte an diesem Tag vier Passagiermaschinen und steuerte sie absichtlich in Gebäude. Zwei trafen die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York, eine das Pentagon, die vierte stürzte rund 100 Kilometer östlich von Pittsburgh ab, als Passagiere versuchten in das Cockpit zu den Entführern zu gelangen. Kurz nach den Einschlägen in New York kollabierten die beiden Türme nacheinander, die meisten der Opfer kamen dort ums Leben. Der von Osama bin Laden initiierte Terroranschlag war der verheerendste in der jüngeren Geschichte - und bis heute der, um den sich die meisten ranken.

Auch 16 Jahre nach den Anschlägen sehen viele Menschen die in ihren Augen wahren Hintergründe der Ereignisse weiter im Dunklen. In den gibt es eine ganze Bewegung, die die offizielle Version der Geschehnisse anzweifelt, die selbsternannten "Truther". Durch das Internet haben sie ihre Ideen in der ganzen Welt verbreitet. Manchmal wird die offizielle Version lediglich angezweifelt, ohne wirklich eine Gegenthese zu präsentieren, manchmal wird gleich eine allumfassende Verschwörung gesponnen.

"Der 11. September war eine kontrollierte Sprengung"

Bereits wenige Tage nach den Anschlägen fingen Menschen an, das hohe Einsturztempo der Türme zum Anlass für Zweifel zu nehmen. So schnell würden Gebäude nur bei kontrollierten Sprengungen in sich zusammenstürzen, so der Tenor der Verschwörungstheoretiker bis heute. Neuen Auftrieb bekam diese These vor einem Jahr mit einem Artikel im renommierten Fachjournal "EuroPhysicsNews" (EPN). Darin durften vier Autoren – allesamt keine Unbekannten in der "Truther"-Szene – ausführen, dass "die Beweise überwältigend auf die Schlussfolgerung hindeuten, dass alle drei Gebäude mit einer kontrollierten Sprengung zerstört wurden". Mit "alle drei Gebäude" ist auch das World Trade Center 7 gemeint, ein deutlich kleineres Hochhaus, das am frühen Abend des 11. September 2001 kollabierte. Da es nicht von einem Flugzeug getroffen wurde, ist es das liebste Ziel der Verschwörungstheoretiker.


In dem Fachblattartikel - dem die Herausgeber sicherheitshalber einen Disclaimer voransetzten, dass der Text "einige Spekulationen" enthalte, aber "ausreichend wissenschaftlich" sei - wird vor allem die im offiziellen Untersuchungsbericht genannte Einsturzursache angegriffen. Diese ist nämlich für alle drei Gebäude: langanhaltende Feuer. Dagegen argumentieren die Skeptiker, Feuer allein hätten noch nie Stahlträgergebäude kollabieren lassen. Viele solcher Gebäude hätten bereits lange und stark gebrannt, ohne hinterher einzustürzen. Als ein Beispiel führen sie das 5 an, das an jenem Tag acht Stunden gebrannt habe, ohne einzustürzen. Abgesehen von einem Erdbeben in Mexiko 1985 sei überhaupt noch nie so ein Gebäude durch etwas anderes eingestürzt, als durch eine kontrollierte Sprengung. Der Untersuchungsbericht nennt die Feuer zwar als primäre Ursache, verweist jedoch auch auf die Einschläge der Flugzeuge bei den Zwillingstürmen und bei WTC 7 auf starke Zerstörungen durch herabstürzende Trümmerteile.

"Inside Job"-Theorie

Während die Autoren des Artikels vom vergangenen Jahr lediglich die offizielle Version anzweifeln, ohne eigene Erklärungen zu liefern, meinen viele Skeptiker, selbst durchschaut zu haben, was damals angeblich tatsächlich passiert sein soll. 9/11 war ein "Inside-Job", sind sich viele Verschwörungstheoretiker sicher. Demzufolge habe die US-Regierung die Anschläge selbst in Auftrag gegeben, um die nachfolgenden Invasionskriege im Nahen Osten zu rechtfertigen und die Bevölkerung zu überwachen.

"Let it Happen"-Theorie

Ein abgeschwächte Form davon ist die "Let it Happen"-These. Demnach habe die US-Regierung von den Anschlagsplänen gewusst, sie aber geschehen lassen, um danach ihre Kriegsagenda vorantreiben zu können. Als Kriegsgründe führen die sogenannten 9/11-Skeptiker strategische Interessen wie Sicherung der Ölressourcen und der US-Einflussbereiche an. Um das zu ermöglichen, soll die US-Luftverteidigung den Befehl erhalten haben, nicht in die Geschehnisse einzugreifen. Dass die Abfangjets der Luftwaffe entweder zu spät kamen oder erst gar nicht losflogen, wird mittlerweile mit mangelhaften Abläufen begründet.

Die Börsen-Theorie

Eine weitere, unter Verschwörungstheoretikern beliebte Hypothese lautet, dass es bei den Anschlägen um das schnelle Geld ging. Gesichert ist, dass es in den Tagen vor und am 11. September 2001 Insiderhandel mit den Aktien der betroffenen Fluggesellschaft American Airlines und United Airlines gegeben hat. Nur von wem und wie ist bis heute unklar. Hartnäckig halten sich Gerüchte, nach denen Terroristenführer Osama bin Laden selbst auf fallende Kurse gesetzt habe und einen beträchtlichen Gewinn gemacht haben soll. Nachweisen konnte man es ihm nie. Die beiden Airlines hatten allerdings schon vor den Anschlägen den Boden für fallende Kurse bereitet: American Airlines beispielsweise hatte unmittelbar vor den Anschlägen eine Gewinnwarnung veröffentlicht - was Investoren im Allgemeinen dazu veranlasst, ihre Anteile zu verkaufen.

"No Plane"-Theorie

Während die vorangegangenen Theorien zwar sehr weit hergeholt sind, sich aber zumindest noch im Rahmen des theoretisch Möglichen bewegen, zeigt die "No Plane"-Theorie ("Keine Flugzeuge"), wie abwegig es im Verschwörungssumpf zugehen kann. Demnach haben nämlich niemals Flugzeuge das World Trade Center oder das Pentagon getroffen. Die weltweit live ausgestrahlten TV-Bilder aus seien allesamt vom US-amerikanischen militärisch-industriellen Komplex manipuliert und für die zahlreichen Augenzeugenberichte seien Agenten eingesetzt worden. Die "No Plane"-Theorie ist so abwegig, dass sich viele Wortführer der "Truther" öffentlich davon distanziert haben und sie als schädliche Desinformation bezeichneten, die von ihrer eigenen - in ihren Augen deutlich plausibleren - Argumentation ablenken würde.

Das Problem mit den Verschwörungstheorien

Wie bei den allermeisten Verschwörungstheorien haben auch die zum 11. September ein entscheidendes Problem: Es hätten teils sehr viele Menschen eingeweiht sein müssen. Der Oxford-Wissenschaftler David Robert Grimes hat dazu ein mathematisches Modell entwickelt, das zeigen soll, wie unwahrscheinlich solche Theorien dadurch werden. Grob umrissen geht es dabei um die Frage, ob eine Verschwörung über längere Zeit geheim gehalten werden kann. Entscheidend für die Formel ist die Anzahl der eingeweihten Personen. Denn je mehr Menschen davon wissen, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass das Geheimnis auffliegt. Die angeblich nur inszenierte Mondlandung etwa mit damals rund 400.000 Mitwissern (Nasa-Mitarbeiter) hätte spätestens nach drei Jahren und acht Monaten auffliegen müssen, so die Berechnung. Doch ob die Anhänger solcher Theorien wirklich empfänglich für wissenschaftliche Argumente sind, zweifelt Forscher Grimes selbst in seiner Abhandlung an.

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