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"Wenige Wahlen so wichtig wie diese" Barack Obama würdigt John Lewis, kritisiert Trump für Vorgänge in Portland und ruft zur Wahl auf

Sehen Sie im Video: Obama kritisiert Trump für Vorgänge in Portland und ruft zur Wahl auf.


Es war ein seltener Auftritt dreier ehemaliger US-Präsidenten. Während der Trauerfeier für den verstorbenen Bürgerrechtler und demokratischen Abgeordneten John Lewis in Atlanta kam am Donnerstag neben den Demokraten Barack Obama und Bill Clinton auch der Republikaner George W. Bush zu Wort. Obama pries Lewis als einen der Gründerväter eines besseren Amerikas - und holte dann zu einem Hieb aus gegen seinen Amtsnachfolger Donald Trump. "Während wir hier sitzen tut man sein Bestes, um die Menschen vom Wählen abzuhalten, indem Wahlstationen geschlossen werden, indem Minderheiten ins Visier genommen und unsere Wahlrechte mit chirurgischer Präzision angegriffen werden, indem die Briefwahl untergraben wird wobei doch die Briefwahl heute so wichtig ist, damit die Menschen nicht krank werden." Obama dürfte auf jüngste Äußerungen Trumps angespielt haben. Der hatte in einer Pressekonferenz die Vertrauenswürdigkeit der Briefwahl in Zweifel gezogen. Der verstorbene Lewis war am 17. Juli in Atlanta einem Krebsleiden erlegen. Er war eine wichtiger Führer der Bürgerrechtsbewegung in den USA.
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Drei frühere US-Präsidenten haben den verstorbenen Bürgerrechtler John Lewis auf dessen Beerdigung gewürdigt – der aktuelle Amtsinhaber nahm nicht teil.

Der verstorbene Bürgerrechtler und demokratische Kongressabgeordnete John Lewis  wurde von drei früheren US-Präsidenten als einer der großen Helden Amerikas gewürdigt. Lewis sei im Kampf gegen Ungleichheit und Rassismus von "unverwüstlicher Beharrlichkeit" gewesen, sagte Ex-Präsident Barack Obama am Donnerstag.

Trotz aller Herausforderungen sei Lewis stets zuversichtlich geblieben und habe sich für Fortschritt und gleiche Rechte eingesetzt. Obama, der bislang einzige schwarze US-Präsident, sagte, er und viele Amerikaner stünden für immer in Lewis' Schuld. Lewis sei einer der "Gründerväter" eines besseren und gerechteren Amerikas, sagte Obama.

Rund drei Monate vor der Präsidentschaftswahl in den USA hat der Ex-Präsident zudem die Amerikaner mit Nachdruck zur Stimmabgabe aufgefordert. "Wenige Wahlen waren in vielerlei Hinsicht so wichtig wie diese", sagte der Demokrat. Das Land könne sich nur zum Besseren verändern, wenn sich auch alle Amerikaner in die Wahllisten eintragen ließen und im November abstimmten, so Obama. 

Obama mahnte, auch die nachfolgenden Generationen dürften die Demokratie nicht als gegeben voraussetzen, sondern müssten für ihren Erhalt und Ausbau kämpfen. "Demokratie ist nicht automatisch, sie muss gepflegt werden", sagte Obama. 

Stehender Applaus der Trauergemeinde für Obama

Lewis habe aus eigener Erfahrung gewusst, dass Fortschritt immer in Gefahr sei. Die Amerikaner müssten angesichts der "dunklen Strömungen" der eigenen Geschichte vorsichtig sein. Hass und Unterdrückung könnten wieder aufflammen, warnte er. Das habe sich am Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz gezeigt und sei jüngst wieder in Portland zu sehen gewesen, wo Beamte des Bundes Tränengas gegen friedliche Demonstranten eingesetzt hätten, sagte Obama - unter stehendem Applaus der Trauergemeinde. "Wir werden Zeugen, wie unsere Bundesregierung Polizeiagenten entsendet, um Tränengas und Schlagstöcke gegen friedliche Demonstranten einzusetzen", sagte Obama 

Der Demokrat Obama verurteilte auch Bemühungen vieler Republikaner, viele Menschen - und insbesondere die Angehörigen von Minderheiten - an der Stimmabgabe zu hindern. Die Versuche, die Wahlbeteiligung mit der Schließung von Wahllokalen und anderen Tricks zu drücken, seien schändlich, sagte Obama. In den USA hat eine höhere Wahlbeteiligung bislang meist den demokratischen Kandidaten geholfen. Obama verteidigte auch die wegen der Corona-Pandemie wichtige Option, per Briefwahl abzustimmen, um die eigene Gesundheit nicht zu riskieren. US-Präsident Donald Trump kritisiert die Briefwahl immer wieder mit Nachdruck als betrugsanfällig - ohne dafür nachhaltige Belege anzuführen.

Lewis kämpfte bereits an der Seite von Martin Luther King

Der republikanische Ex-Präsident George W. Bush sagte: "Wir leben heute wegen John Lewis in einem besseren Land." Lewis habe allen Menschen beigebracht, "Hass und Angst mit Liebe und Hoffnung" zu beantworten, sagte Bush bei der Trauerfeier für Lewis in einer Baptistenkirche in Atlanta im Bundesstaat Georgia. 

Bush fügte hinzu, er sei politisch nicht immer einer Meinung mit dem Demokraten gewesen, aber genau das mache die Größe Amerikas aus, für die Lewis gekämpft habe. Der frühere Präsident Bill Clinton wiederum sagte, er habe mit Lewis' Tod einen wahren Freund verloren. Lewis habe den Menschen gezeigt, dass man im Kampf gegen Ungerechtigkeit nie aufgeben dürfe, sagte der Demokrat. "Was auch immer passierte, John Lewis marschierte weiter", sagte Clinton.

Lewis war am 17. Juli im Alter von 80 Jahren infolge einer Krebserkrankung gestorben. Er hatte sich bereits als junger Mann an der Seite von Martin Luther King für das Wahlrecht, Gleichheit und gegen Rassismus eingesetzt. Er wurde in seinem Leben mehrere Male von Polizisten oder wütenden Weißen verprügelt und wurde Dutzende Male bei Protesten festgenommen. Auch in seinen mehr als 30 Jahren als Abgeordneter setzte sich Lewis ab 1987 für Freiheitsrechte, Armutsbekämpfung und Gleichheit ein. Er war stets stolz darauf, "guten Ärger" zu machen, wenn es darum ging, gegen Ungerechtigkeit und Rassismus zu protestieren. 

Neben den drei Ex-Präsidenten sprachen während des Gottesdienstes auch die Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sowie Weggefährten, Freunde und Mitarbeiter von Lewis. US-Präsident Donald Trump nahm nicht an der Feier teil. Lewis hatte den Republikaner häufig und teils bissig kritisiert.

Posthum erschien ein letzter Lewis-Beitrag in der "New York Times" 

Und Lewis meldete sich auch nach seinem Tod erneut zu Wort: Auf seinen Wunsch hin wurde in der "New York Times" am Tag seiner Beerdigung ein von ihm geschriebener Meinungsbeitrag veröffentlicht. Darin forderte er die Menschen auf, weiter gegen Ungerechtigkeit zu protestieren und zur Wahl zu gehen. Das Wahlrecht sei das mächtigste gewaltfreie Mittel, sich in einer Demokratie für Veränderungen einzusetzen, schrieb er. 

Zur Wahl zu gehen sei der Schlüssel zum Fortschritt im Land, argumentierte er in dem rund drei Monate vor der Präsidentenwahl am 3. November veröffentlicht Appell. Lewis schrieb, die jüngsten Proteste gegen Rassismus in den USA nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz hätten ihn tief bewegt. Er forderte die Menschen auf, Ungerechtigkeiten nie hinzunehmen, sondern dagegen zu protestieren. "Obwohl ich wahrscheinlich nicht mit Ihnen dort bin, fordere ich Sie auf, dem dringendsten Ruf Ihres Herzens zu folgen und für das aufzustehen, was Sie wirklich glauben", schrieb Lewis. Er habe in seinem Leben alles für den Kampf gegen Ungerechtigkeit und Hass gegeben. "Jetzt sind Sie dran, die Freiheit hochzuhalten."

Zuvor war Lewis' Leichnam diese Woche auch im US-Kongress öffentlich aufgebahrt gewesen - eine Ehre, die in der US-Geschichte bislang nur wenigen Dutzend Amerikanern zuteil geworden ist.

rös DPA

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