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Nach Berliner Runde Wie FDP und Grüne nun ihre Macht nutzen

Christian Lindner nach dem Erfolg
Christian Lindner und der Jubel der FDP
© Sebastian Kahnert/ / Picture Alliance
Wer der nächste Kanzler wird, hängt von FDP und Grünen ab – und die nutzen ihre Macht.

Die Wählerinnen und Wähler haben am Sonntag, jedenfalls aus Sicht der Wahlkämpfer, Regierungsaufträge verteilt, die locker für zwei oder drei neue Koalitionen reichen würden. Da saßen die Spitzenleute nun im Fernsehstudio in Berlin-Mitte und feierten ein Ergebnis, das offenbar für jeden Trost und Hoffnung bereithielt.

Olaf Scholz, der merkwürdig erfolgreiche Sozialdemokrat, sprach von einem "sehr eindeutigen" Votum für seine Partei. Der Christdemokrat Armin Laschet, bei der Wahl nach dem Stand der Auszählungen zweiter Sieger, behauptete tapfer: "Das hat uns der Bürger aufgetragen" – und meinte die Bildung einer Regierung aus der Mitte des Bundestags. Und so ging es weiter. Die Grünen erkannten einen Auftrag, das Land klimaneutral zu machen, die Liberalen sahen sich ebenfalls in der Pflicht. Nur eine Mehrheit – die hat keiner. Jedenfalls nicht ohne FDP und Grüne.

Eine Partei wird einen Kanzler wählen, der nicht nach seinem Geschmack ist

Nun wäre der normale Gang der Dinge, dass die beiden Großen die beiden Kleineren einladen, um zu reden. Dann wird geschachert und versprochen und gegeneinander ausgespielt. Anrufen – so war es früher jedenfalls – durfte immer der, der mehr Stimmen hat; die Mehrheitsbeschaffer durften abheben. Aber so läuft das nicht mehr.

Die Grünen und die FDP wollen sich jetzt erstmal direkt absprechen. Worum es da geht, kann man sich leicht ausmalen: Eine Partei wird einen Kanzler wählen müssen, der nicht nach ihrem Geschmack ist. Entweder muss Christian Lindner einen Sozi ins Amt bringen, was ihm nicht leicht fällt. Oder Annalena Baerbock – und der auferstandene Robert Habeck – müssen für einen Konservativen eintreten, was auch nicht leicht ist. Das kostet.

Künftig regiert die Kleingruppe

Von Zukunft wurde viel geredet, von Inhalten und davon, dass es zügig gehen solle. Aber klar wurde auch, dass die Zeit vorbei ist, in der eine Volkspartei ihre Anhänger um sich schart und dann noch eine befreundete Kleinpartei mit ins Boot holt. Die einzige Koalition, die keiner wollte in der Elefantenrunde, war die große – also das einzige Zwei-Parteien-Bündnis, das rechnerisch noch geht. Künftig regiert die Kleingruppe, und da geht es nicht nur darum, wer der Stärkste ist, sondern auch, wer die besten Freunde hat.


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